Bei Philipp Bargfrede läuft’s noch nicht rund – der 21-Jährige glaubt aber an baldige Besserung

„Eine neue Erfahrung für mich“

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Philipp Bargfrede im Interview

Bremen - Von Malte Rehnert. Am Dienstag war eine Grundschulklasse im Weserstadion und dann auf einer Pressekonferenz mit Philipp Bargfrede. Einige Kids kannten den 21-Jährigen jedoch gar nicht.

„Das waren doch eher die Mädchen, die sich nicht so gut mit Fußball auskennen“, schmunzelt der Werder-Profi, der seit seiner formidablen Vorsaison einen guten Namen in der Bundesliga hat. In dieser Spielzeit läuft’s zwar noch nicht so rund – doch er ist optimistisch, dass Werder und er selbst bald in die Spur zurückfinden. Außerdem sprach Bargfrede gestern über . . .

die Gesundheit

Vorgestern und gestern setzte Bargfrede mit dem Mannschaftstraining aus – wegen eines Infekts. „Der hat mir schon in Leverkusen ein bisschen zu schaffen gemacht. Wann ich wieder trainieren kann, weiß ich nicht genau – hoffentlich bald“, sagte Bargfrede gestern. Heute wohl noch nicht, vermutlich aber spätestens Anfang nächster Woche.

Werder-Training am Donnerstag

Werder Training am Donnerstag

die Erwartungen

Anfang der vergangenen Saison kam der 21-Jährige sozusagen aus dem Nichts – und avancierte im defensiven Mittelfeld prompt zur Stammkraft (23 Bundesligaspiele). Ein extrem steiler Aufstieg. „Ich denke, dass ich eine gute Saison gespielt habe und jetzt etabliert bin“, urteilt Bargfrede, der gestärkt in sein zweites Jahr startete: „Ich bin in diese Saison ganz anders reingegangen als in die letzte. Mein Stellenwert ist mittlerweile ein anderer. Und natürlich sind die Ansprüche an mich selbst und auch die Erwartungen gestiegen.“ Erfüllen konnte er sie bislang nicht vollends – wie er selbst zugibt: „Ich wusste, dass ich in ein kleines Loch fallen kann. Ich weiß nicht, ob ich da schon drin bin – auf jeden Fall lief’s in letzter Zeit nicht so gut. Ich hoffe, dass sich das schnell wieder ändert.“ Werder habe „als Mannschaft noch nicht das abgerufen, was wir können. Und das gilt auch für mich.“

In der Saison 2009/2010 habe er es „einfach gehabt, weil ich in einer Mannschaft gespielt habe, in der es sehr gut lief. Dann läuft’s auch bei einem selbst besser.“ Derzeit ist es – bei der Mannschaft und ihm – eben nicht so, dass alles passt. „Und das ist eine neue Erfahrung für mich“, gibt der gebürtige Zevener zu.

den Fehlstart

„Natürlich hätte ich mir auch einen besseren Start gewünscht“, betont Bargfrede angesichts von nur acht Punkten aus sieben Spielen und Platz 13. Doch die akuten Personalprobleme und die daraus resultierenden ständigen Umstellungen hätten es immens erschwert, den Rhythmus zu finden. Zudem vermisst Bargfrede momentan die Musketier-Mentalität (Einer für alle, alle für einen). Das sagt er zwar nicht so deutlich wie kürzlich Kapitän Torsten Frings nach der 1:4-Pleite in Hannover, aber er sagt es: „Letztes Jahr sind wir als Mannschaft sehr geschlossen aufgetreten. Dass einer für den anderen da ist, müssen wir wieder hinkriegen.“ Und Bargfrede ist in dieser Hinsicht optimistisch: „Wir sind alle Profis genug, um zu wissen, um was es hier geht. Wir müssen alle unsere Leistung bringen.“

den Konkurrenzkampf

Torsten Frings ist der absolute Platzhirsch im defensiven Bremer Mittelfeld. Alle anderen müssen kämpfen. Ob Neuzugang Wesley, Tim Borowski, Daniel Jensen oder auch Bargfrede, der jedoch ganz gelassen bleibt: „Wir haben viele gute Spieler im Mittelfeld. Der Konkurrenzkampf kann aber auch förderlich sein und sich positiv auf jeden einzelnen auswirken.“ Bargfrede hat an der Seite von Frings häufig überzeugt – und fühlt sich als Teil einer Doppel-Sechs „auf jeden Fall sehr wohl. Im letzten Jahr haben wir das öfter gespielt – und gut.“

Wesley

Der Brasilianer wurde vornehmlich fürs defensive Mittelfeld geholt – Bargfredes Position. „Man sieht, dass er ein guter Fußballer ist“, lobt er den Neuzugang. Doch Angst, dass Wesley ihm den angestammten Platz wegnehmen könnte, hat Bargfrede nicht: „Ich sehe niemanden als Bedrohung an, Konkurrenzkampf gehört eben dazu. Ich will einfach weiter an mir arbeiten und meine Leistung bringen.“

die verrückte Liga

Mainz an der Spitze, Bayern, Schalke und auch Werder weit unten. Die Bundesliga steht kopf. „Wenn’s mal läuft, dann läuft es eben, siehe Mainz. Die strotzen vor Selbstvertrauen – und dann steht man auf einmal mit sieben Siegen oben“, sagt Bargfrede und staunt: „Dass die Tabelle so aussieht, damit hätte keiner gerechnet. Ich glaube aber, sie wird sich noch normalisieren.“

die Nationalmannschaft

U 21-Trainer Rainer Adrion plant nicht mehr mit Bargfrede, setzt im Nachwuchsteam auf jüngere Jahrgänge. Werder-Manager Klaus Allofs sieht den Bremer Shootingstar der vergangenen Saison aber ohnehin eher in der A-Elf. „Wenn seine Entwicklung so weiterverläuft, wird Philipp Werders nächster Nationalspieler“, hatte Allofs zu Beginn der Saison gesagt. Doch sein Aufstieg stockt – und er meint: „Ich brauche im Moment gar nicht über die Nationalmannschaft nachzudenken. Ich muss erst mal wieder hier meine Leistung bringen. Wenn man bei Werder spielt und dort auf Dauer gut, kommt die Nationalmannschaft von alleine.“

So wie bei den Mainzern Lewis Holtby (20) und Andre Schürrle (19) oder dem Dortmunder Kevin Großkreutz (22), die derzeit kräftig abgefeiert werden und in den Fokus von Bundestrainer Joachim Löw geraten sind. Neidisch auf seine stärker umjubelten Generations-Genossen ist Bargfrede aber nicht: „Wenn man im Verein gut spielt, wird man automatisch hochgepusht.“

die Zukunft

„Ich denke, mit dem 2:2 in Leverkusen haben wir einen Anfang gemacht. Wenn jetzt der eine oder andere Verletzte und dann mit Siegen das Selbstvertrauen zurückkommt, ist in der Bundesliga viel drin. Die Saison dauert noch so lange“, sagt Bargfrede und erinnert ans Vorjahr: „Da hatten wir auch einen Lauf, wo wir lange ungeschlagen waren.“ Insgesamt klingt der Mittelfeldmann trotz des schwachen Starts zuversichtlich: „Ich glaube einfach, dass wir eine gute Qualität in der Mannschaft haben – und es schnell wieder aufwärts geht.“

die Torlosigkeit

30 Bundesliga-Spiele, kein Tor – und auch international oder im Pokal noch nicht. Bargfrede wird langsam ein bisschen ungeduldig: „Klar will ich bald mal mein erstes Pflichtspiel-Tor schießen.“ Unter Druck setzt er sich aber nicht: „Irgendwann wird der Knoten platzen.“

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