„ Eine Katastrophe “ im Duell der Trainer-Generationen

DIE Binde am Arm, aber den Torriecher hatte Claudio Pizarro (li./gegen Herthas Christoph Janker) gestern nicht dabei. Der Peruaner vergab die zwei großen Werder-Chancen.

Berlin - Was für ein Befreiungsschlag für Hertha BSC, was für ein Niederschlag für Werder! Die Bremer kassierten gestern in Berlin nach einer über weite Strecken erbärmlichen Vorstellung eine 0:1 (0:0)-Niederlage – und da es bereits die zweite in Folge war, beginnt für den Tabellensechsten nun das große Zittern um die internationalen Plätze.

 Leverkusen (2:0 gegen Bayern) ist als Fünfter bereits vier Punkte weg, Hannover (2:2 gegen Augsburg) als Siebter nur noch einen.

Während der frühere Werder- und jetzige Hertha-Coach Otto Rehhagel anschließend von Mikrofon zu Mikrofon rannte und sich „sehr erleichtert“ über sein gelungenes Heimdebüt zeigte, flüchteten die meisten Bremer wortlos in die Kabine. Lediglich Philipp Bargfrede und Tom Trybull stellten sich kurz den Journalisten – erklären konnten sie diesen Auftritt allerdings auch nicht. „Dafür ist die Enttäuschung zu groß“, stöhnte Bargfrede. „Wir hatten uns so viel vorgenommen, das ist sehr ärgerlich“, meinte Trybull.

Ausführlicher äußerte sich Klaus Allofs – und der Bremer Sportchef ließ kein gutes Haar an seinem Team: „Hier hätten wir nicht mal einen Punkt liegenlassen dürfen, sondern alle drei mitnehmen müssen. Aber so eine Katastrophe passt zu so einem Katastrophenspiel.“ Seine Profis will der 55-Jährige deswegen auch nicht ungeschoren davonkommen lassen: „Ich bin sicher, dass wir morgen zusammenkommen und über ein paar Dinge reden werden. Die Leistung war so schlecht, da kann man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“

Schon vor einer Woche beim 0:1-Heimpatzer gegen Nürnberg hatte Werder alles andere als überzeugt. Dennoch ließ Trainer Thomas Schaaf fast die identische Anfangself ran. Einzige Änderung: Aleksandar Ignjovski ersetzte den gelb-gesperrten Kapitän Clemens Fritz als Rechtsverteidiger. Hertha-Trainer Otto Rehhagel hingegen ließ gleich zwei Mal aufhorchen. Er setzte Innenverteidiger und Kapitän Andre Mijatovic auf die Ersatzbank – und gleich daneben hockteb Pierre-Michel Lasogga, mit sieben Treffern immerhin der beste Berliner Torschütze.

Werder verliert in Berlin

Werder unterliegt Hertha BSC Berlin

Einzige Hertha-Spitze war der Kolumbianer Adrian Ramos, der Hertha beim 1:2 im Hinspiel in Front geschossen hatte – und der auch gestern nach extrem müdem Beginn die erste Großchance hatte. Nach einer Flanke von Levan Kobiaschwili war Ramos fünf Meter vor dem Tor völlig frei, doch bei seinem harmlosen Kopfball in die Tormitte musste sich Werder-Keeper Tim Wiese nicht mal langmachen (13.). Das war ein Paradebeispiel, um zu erklären, warum die Hertha im Jahr 2012 erst ein micktiges Törchen zustandebgeracht hat. Die Gäste waren allerdings genauso harmlos. Erst in der 20. Minute tauchte Kapitän Claudio Pizarro, der für Fritz die neongelbe Binde trug, gefährlich vor dem Berliner Tor auf – und schoss daneben.

Grund zum Jubeln hatten die rund 10 000 Werder-Fans unter den 52 744 Zuschauern im Olympiastadion in der ersten halben Stunde aber dennoch – und das gleich zwei Mal. Als die Rückstände von Hannover 96, dem Konkurrenten im Kampf um die Europa-League-Plätze, und Erzrivale Hamburger SV auf der Anzeigentafel aufleuchteten . . . Auf dem Rasen gab’s in der ersten Hälfte nur noch einen Aufreger, als Marko Marin an Hertha-Keeper Kraft scheiterte (42.). Werder kombinierte zwar etwas flüssiger – doch das reichte bei weitem nicht, um die zaghafte und sehr defensiv eingestellte Hertha nass zu machen. Insgesamt mangelte es den Bremern deutlich an Mumm.

Die zweite Hälfte begann wie die erste – mit einem Riesending für die Hausherren. Tunay Torun zielte aus spitzen Winkel vorbei (51.). Auf der anderen Seite klärte Kraft einen Pizarro-Schuss mit beiden Fäusten (57.). Und dann fiel tatsächlich ein Tor. Linksverteidiger Felix Bastians flankte an den langen Pfosten, dort stand Nikita Rukavytsya und traf per Volley-Aufsetzer zum 1:0 (62.). Das zweite Tor des Jahres für die Hertha – gleichzeitig die Strafe für schwache und ideenlose Bremer, die danach nur noch durch Pizarro (65. Kraft pariert, 71. Abseitstor) etwas Gefahr ausstrahlten. Rukavytsya hätte für die Hertha, die immer mehr Platz zum Kontern hatte, dann sogar fast nachgelegt (74.).

Dass es am Ende auch so reichte, um nach zwölf Spielen in Folge ohne Sieg mal wieder zu gewinnen, ist ein Armutszeugnis für Werder. Und das wird Allofs den Spielern heute persönlich ausstellen: „Es war das schlechteste Spiel der Saison – schlimmer waren nur ein paar Freundschaftsspiele.“

Statistik

Hertha BSC - Werder Bremen 1:0 (0:0)

Berlin: Kraft - Lell (77. Morales), Hubnik, Janker, Bastians - Perdedaj, Kobiaschwilli - Torun, Raffael (83. Mijatovic), Rukavytsya - Ramos (61. Lasogga).

Trainer: Rehhagel

Bremen: Wiese - Ignjovski, Affolter, Sokratis, Hartherz - Bargfrede - Junuzovic (79. Füllkrug), Trybull (70. Ekici) - Marin - Rosenberg (63. Arnautovic), Pizarro.

Trainer: Schaaf

Schiedsrichter: Günter Perl (Pullach)

Tor: 1:0 Rukavytsya (63.)

Zuschauer: 52.744

Gelbe Karten: Raffael (3), Mijatovic (7) - Affolter

Ballbesitz in %: 44,3 - 55,7

Torschüsse: 5 - 17

gew. Zweikämpfe in %: 53,8 - 46,2

Fouls: 13 - 19

Ecken: 0 - 7

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