Werder-Kapitän Clemens Fritz ist „einfach platt“

„Eine Extremsituation, wie ich sie noch nie erlebt habe“

+
Clemens Fritz freut sich über den Klassenerhalt.

Bremen - Den Klassenerhalt in der Tasche, dazu das Bad in der tobenden Menge im Weserstadion. Eigentlich ein perfekter Zeitpunkt, um die Karriere zu beenden. Doch daran hat Clemens Fritz nach der Last-Minute-Rettung gegen Frankfurt (1:0) keinen Gedanken verschwendet.

Der Kapitän bleibt an Bord, wird wie Ende April angekündigt noch ein Jahr dranhängen. Gut für Werder, denn auf einen Fritz in der formidablen Frankfurt-Form können die Bremer noch nicht verzichten. Er habe schon vor dem großen Abstiegsfinale gemerkt, „dass ich hier noch nicht fertig bin, dass meine Aufgabe nicht beendet ist“, sagte Fritz, der im Wintertrainingslager in Belek sein Karriereende angekündigt, später aber vom Rücktritt zurückgetreten war.

Als der 35-Jährige am Montagmittag in der Mixed-Zone erschien, waren ihm die Strapazen im hochspannenden Bundesliga-Endspurt deutlich anzumerken. „Für uns war jedes Spiel ein Endspiel, da reichte ein Blick auf die Tabelle. Aber ich war überzeugt davon, dass wir es schaffen – weil ich von der Mannschaft überzeugt bin“, meinte Fritz und ließ die Medienvertreter an seiner Gefühlswelt teilhaben: „Das war in den vergangenen Wochen schon eine Extremsituation, wie ich sie noch nie erlebt habe.“ Und der Mittelfeldmann ist immerhin seit zehn Jahren bei Werder und seit 15 Jahren Fußballprofi. „Vor allem für den Kopf war es ein Riesenkraftakt“, urteilte Fritz, „da braucht man erst mal ein paar Tage, um runterzufahren und den ganzen Stress von sich abzuwerfen.“

Er selbst hatte sich am Samstagabend nach dem Zittersieg schon recht früh zurückgezogen. Beim gemeinsamen Essen von Mannschaft, Trainern, Partnerinnen und Geschäftsführung im „Allegria“ war er natürlich noch dabei, auf die anschließende Disco-Sause im „La Viva“ verzichtete Fritz dann allerdings. „Ich war einfach kaputt und wollte ein bisschen abschalten“, sagte er. Nach der „emotional schwierigsten Saison“ seiner langen Karriere ist der Kapitän „urlaubsreif, vor allem vom Kopf her. Ich merke einfach, dass ich jetzt platt und müde bin.“

Den Großteil seiner Ferien wird Fritz in den USA verbringen: „Den Urlaub hatte ich schon länger gebucht.“ Erst Ende Juni kommt er wieder nach Bremen. Kurz darauf beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison – und die soll bitteschön nicht so dramatisch werden wie die gerade beendete. „Wir sind alle weit hinter unseren Ansprüchen geblieben, da muss sich jeder hinterfragen. Wir brauchen mehr Konstanz“, forderte Fritz: „Nach guten kamen bei uns oft schlechte Spiele. Und auf solche Achterbahnfahrten habe ich keinen Bock mehr.“ Für großen Optimismus sei es aber „noch zu früh“, meinte Fritz: „Wir müssen doch erst mal abwarten, wie unsere Mannschaft aussieht.“ - mr

Mehr zum Thema:

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Team Trump: Das Kabinett des künftigen US-Präsidenten

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Grande Dame des Liberalismus: Hildegard Hamm-Brücher ist tot

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Verden: Tanz macht Schule 

Verden: Tanz macht Schule 

Meistgelesene Artikel

Ein Bremer pfeift Werder

Ein Bremer pfeift Werder

Hertha BSC im Schnellcheck

Hertha BSC im Schnellcheck

Nouri kontert Petsos-Kritik

Nouri kontert Petsos-Kritik

„Das war die Wende“

„Das war die Wende“

Kommentare