Eine einvernehmliche Entlassung

+
Die Wege haben sich getrennt. Nach 14 Jahren ist Thomas Schaaf (li.) nicht mehr der Werder-Trainer. Sportchef Thomas Eichin (re.) will neue Pfade beschreiten.

Bremen - Die Zeiger der Uhr rückten schon gen Mitternacht, als am Dienstag die Entscheidung fiel: Werder Bremen und Trainer Thomas Schaaf trennen sich – und zwar mit sofortiger Wirkung. Nach 14 Jahren und fünf Tagen, nach vielen sportlichen Erfolgen, aber zuletzt auch drei düsteren Spielzeiten vereinbarten die Geschäftsführung und der Chefcoach die „einvernehmliche Trennung“, wie es in einer am Morgen danach verbreiteten Pressemitteilung heißt.

Um 10.06 Uhr schickte der Club die Nachricht vom Ende der Legende in die Welt hinaus. Zu dem Zeitpunkt hatte sich Schaaf, dessen Vertrag noch bis 2014 lief, schon von der Mannschaft verabschiedet und das Weserstadion verlassen. Es war ein heimlicher Abgang, ein bisschen wie durch die Hintertür. Niemand sollte ihn sehen, er wollte mit niemandem sprechen. Für eine Stellungnahme war er später nicht zu erreichen. Lediglich per Videobotschaft meldete er sich zu Wort und bedankte sich bei den Fans und allen, „die mich begleitet haben“ für eine „außergewöhnliche Zeit“ (siehe Text rechts). Zu den Gründen der Trennung kein Wort von ihm.

Ohnehin sprach gestern nur Thomas Eichin. Der erst im Februar als Nachfolger von Klaus Allofs ins Amt gehobene Sportchef und Geschäftsführer berichtete also von zwei Sitzungen am Montag- und Dienstagabend mit den Club-Granden Klaus Filbry, Klaus-Dieter Fischer und ihm sowie Schaaf. In einer „vernünftigen Atmosphäre“ habe man sich ausgetauscht, die verkorkste Saison und die Zukunft analysiert. „Es war kein Tribunal. Wir sind sehr gut auseinandergegangen, haben das professionell und harmonisch gelöst“, beteuerte Eichin auf der Pressekonferenz. Es habe sich „bei allen Beteiligten ein Gefühl entwickelt, dass es das Beste ist, andere Wege zu gehen“.

Oder anders gesagt: Die Chefs, die dem Coach im Abstiegskampf noch den Rücken gestärkt hatten, wollten nun die Trennung. Und Schaaf vollzog sie dann mit aller Konsequenz. Die Mannschaft noch im letzten Saisonspiel beim 1. FC Nürnberg zu betreuen, lehnte er ab. Wenn schon, denn schon – so ist er immer gewesen.

„Wir hätten es gerne anders gehabt“, gab Eichin gestern zu, „aber wir entsprechen dem Wunsch von Thomas Schaaf.“ So wie der 52-Jährige dem Wunsch der Vereinsführung gefolgt ist. Widerwillig? Sicher ein bisschen. „Es war kein Rücktritt“, bestätigte Eichin. Also ein Rausschmiss? Diese Vokabel vermied der Sportchef tunlichst, blieb eisern bei der Darstellung der Einvernehmlichkeit, sagte aber auch: „Es ist die Geschäftsführung, die in letzter Konsequenz die Entscheidung trifft.“

Und die Geschäftsführung senkte den Daumen über Schaaf. Nicht, weil dessen fachliche Kompetenz in Zweifel gezogen worden wäre, meinte Eichin: „Dass Thomas Schaaf ein hervorragender Trainer ist, darüber muss man doch nicht diskutieren.“ Aber nach dem Fast-Abstieg in dieser Saison und einer über Wochen geführten Trainer-Diskussion würde Schaaf einen zu großen Rucksack an Altlasten mit sich tragen. In der Öffentlichkeit fehle der Kredit für einen erneuten sportlichen Neuanfang, argumentierte Eichin: „Wir mussten die Entscheidung treffen, ob wir mit einem Trainer, der pausenlos infrage gestellt wird, in die Zukunft gehen wollen. Das ist eine negative Grundeinstellung die dann hier herrscht. Und daraus etwas Positives zu entwickeln, ist immer schwierig. Das hat dazu beigetragen zu sagen, wir machen jetzt mal etwas Neues.“ Dass auch die Geschäftsführung – anders als bei der Krise vor zwei Jahren – nicht mehr den nötigen Rückhalt für Schaaf bieten wollte, sagte er nicht.

Mit der einvernehmlichen Entlassung des Trainer-Urgesteins soll die Messlatte für den Neustart in der nächsten Saison mal eben tiefer gehängt werden. „Ein neuer Trainer wird nicht an der Champions League gemessen, sondern an dem, was er hier verbessern kann. Die letzten drei Jahre waren nicht rosig. Deshalb ist es der richtige Weg, einen Neuanfang zu starten.“ Mit welchem Trainer das sein wird, ist noch völlig unklar (siehe Text unten). „Lassen wir uns mal überraschen“, meinte Eichin, für den die Suche zur ultimativen Bewährungsprobe wird. Der neue Trainer muss funktionieren. Tut er es nicht, steht der Sportchef mit in der Verantwortung.

14 Jahre Thomas Schaaf bei Werder Bremen

14 Jahre Thomas Schaaf bei Werder Bremen

Und was macht Schaaf? Er lässt sich die Trennung angeblich mit einer Abfindung in Höhe von 800 000 Euro (sein Jahresgehalt lag bei geschätzten zwei Millionen Euro) bezahlen und wird nun seinerseits darüber nachdenken, welcher Club für ihn die Zukunft bedeuten kann. Dass es – wie zuletzt spekuliert – Red Bull Salzburg wird, ist quasi ausgeschlossen. Kaum hatte Werder das Aus für Schaaf verkündet, dementierte der österreichische Spitzenclub sein Interesse an dem Ex-Bremer. · csa/kni

Berlin Fashion Week: Vom Kaufhaus bis zur Volksbühne

Berlin Fashion Week: Vom Kaufhaus bis zur Volksbühne

Kerber macht es bei Melbourne-Rückkehr spannend

Kerber macht es bei Melbourne-Rückkehr spannend

Amri war nahezu wöchentlich Thema bei Behörden

Amri war nahezu wöchentlich Thema bei Behörden

Mindestens 35 Tote bei Absturz eines Fracht-Jumbos

Mindestens 35 Tote bei Absturz eines Fracht-Jumbos

Meistgelesene Artikel

Pizarro: Schon wieder der Rücken

Pizarro: Schon wieder der Rücken

Teuer war oft auch schwierig

Teuer war oft auch schwierig

Fallou Diagne gibt erfolgreiches Debüt für FC Metz

Fallou Diagne gibt erfolgreiches Debüt für FC Metz

Luca Caldirola: Ein Comeback im Schnee

Luca Caldirola: Ein Comeback im Schnee

Kommentare