Wie der Ex-Bremer Arie van Lent Werder aus dem Pokal schmeißen will / „Damit’s nicht langweilig wird“

„Ein krummes Ding in der 93. Minute“

Wie die Zeit vergeht: 1993 trug Arie van Lent nicht nur das Werder-Trikot, sondern auch eine Fön-Frisur...

Werder-Bremen - BREMEN/AHLEN (kni) · Seine sportlich beste Zeit hatte er bei Borussia Mönchengladbach: Weil er die „Fohlen“ 2001 in die Bundesliga schoss und 2004 das letzte Tor auf dem altehrwürdigen Bökelberg erzielte, ist der Stürmer dort Kult.

... als Coach von RW Ahlen braucht er keinen Haartrockner mehr. Fotos (2): imago

Aber auch in Bremen hat sich der heute 39-Jährige einen Namen gemacht. Der Deutsch-Holländer brachte es in den 90er Jahren für die Grün-Weißen zwar nur auf 32 Bundesliga-Einsätze (sechs Tore), war aber als Aufsteiger aus den Amateuren besonders beliebt. Seine aktive Karriere als Fußball-Profi hat van Lent 2007 beendet. Mittlerweile ist er Trainer. Den Oberligisten 1. FC Kleve führte er prompt in die Regionalliga. Für diese Spielzeit hat ihn Zweitliga-Absteiger RW Ahlen verpflichtet. Und mit seinem Ex-Club will van Lent morgen in der ersten Runde des DFB-Pokals Werder ärgern. Wie das gelingen soll, verrät van Lent im Interview.

Haben Sie lieber für oder gegen Werder gespielt?

Beides – die neun Jahre in Bremen werde ich nie vergessen, auch wenn ich den Sprung nach ganz oben nicht zu 100 Prozent geschafft habe. Das Drumherum war einfach super, der Verein ist wirklich familiär. Im Prinzip habe ich dort meine zweite Jugend erlebt, nachdem ich schon mit 17 Jahren von Holland nach Bremen gekommen war.

Und wie war das nun mit den Spielen gegen Werder Bremen?

Schön, ich habe mich immer darauf gefreut. Und ich kann mich erinnern, dass wir mit Gladbach gegen Thomas Schaaf und seine Bremer meistens gewonnen haben . . .

Ist Thomas Schaaf als Trainer ein Vorbild für Sie?

Durchaus. Es ist ja eine absolute Ausnahme, dass ein Trainer 14 Jahre für einen Club arbeiten darf. Viele Vereine denken doch nur noch an den schnellen Erfolg. Werder zeigt, dass es auch anders geht. Thomas schafft es Jahr für Jahr, sich neu zu motivieren und eine starke Truppe aufzubauen. Davor habe ich größten Respekt.

Haben sie noch Kontakt zu Thomas Schaaf und/oder anderen Werderanern?

Nicht ständig, aber immer mal wieder, auch zu Klaus Allofs. Ich bin ja häufig in Bremen, weil ich dort meine Frau kennengelernt habe und meine Schwiegereltern dort leben. Es ist toll, wie sich die Stadt verändert hat und wie schön das Stadion nach dem Umbau wird. Manfred Müller hat mir schon Bilder gezeigt.

Werder hat seine letzten Testspiele in England, Österreich und Ungarn absolviert . . .

. . . und ich habe davon nichts gesehen. Uns fehlen ja schon die finanziellen Mittel, um uns Spiele um die Ecke anzuschauen. Aber das ist nicht so schlimm, Werder kennt man doch.

Und als krasser Außenseiter heißt es sowieso nur – laufen, kratzen, beißen?

Gegen einen Erstligisten gibt man automatisch ein paar Prozent mehr. Und vielleicht hat Werder einen schlechten Tag erwischt. Schließlich sind einige Nationalspieler gerade erst aus ihrem Urlaub zurück, es ist das erste Pflichtspiel der Saison, und Mannschaften wie wir werden gerne mal unterschätzt.

Aber Werder gilt als absoluter Pokalspezialist, stand zuletzt zwei Mal in Folge im Finale.

(lacht) Und damit‘s in Berlin nicht langweilig wird, wollen wir am Samstag gewinnen. Obwohl: Ich als Werder-Fan habe mich immer gefreut, wenn Werder im Finale stand.

Zwei Mal waren Sie sogar dabei.

Ja, 1991 und 1994 – allerdings ganz oben auf der Tribüne. Immerhin bin ich in den Runden zuvor mal eingewechselt worden und darf mich wenigstens ein bisschen als Pokalsieger fühlen.

Wie fühlt es sich denn an, Trainer von RW Ahlen zu sein?

Gut, obwohl der Club nach dem Zweitliga-Abstieg keine einfachen Monate hinter sich hat. Finanziell sind wir nicht auf Rosen gebettet und mussten komplett umdenken. Wir versuchen, mit Spielern aus der Dritten Liga und der Regionalliga die Klasse zu halten.

Und notfalls auch mit einem Arie van Lent im Sturm?

Vom Kopf her könnte ich sofort wieder spielen. Aber leider ist da ja auch noch der Körper. Deshalb lasse ich es lieber.

Wie soll es dann mit einem Sieg gegen Werder klappen?

Also ich stelle mir das so vor: 93. Minute, Abschlag vom Torwart, so ein richtig krummes Ding, und irgendwie landet der Ball im Netz, Abpfiff, Feierabend – und wir feiern.

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