Die Blinddarm-Operation zwingt Hannovers Christian Schulz im Duell gegen seinen Ex-Club zum Zuschauen – doch der Bassumer denkt einen Schritt weiter

„Ein komisches Gefühl, wenn du im Ausland auf dem OP-Tisch liegst“

+
Christian Schulz wird in zwei Monaten 30. „Die Zeit bis dahin werde ich genießen“, sagt der Ex-Werder-Profi. ·

Hannover - Nur Clemens Fritz ist in Bremen übrig geblieben aus der Startelf, in der am 19. Mai 2007 ein letztes Mal Christian Schulz auftauchte. Werder gewann 2:0 beim VfL Wolfsburg – und Schulz, linker Verteidiger, damals 24, machte sich ein paar Wochen später auf, sein neues Glück bei Hannover 96 zu suchen.

Das hat der Bassumer gefunden. 140 Spielen in Grün-Weiß ließ er bislang 184 an der Leine folgen. Nummer 185 muss warten, weil er im Trainingslager plötzlich auf den OP-Tisch gehievt wurde. Ansonsten aber schwärmt der 29-Jährige im Interview von seiner Entscheidung, in Hannover den Neuanfang gewagt zu haben. Er habe „gerade mit Klaus Allofs darüber gesprochen“ – und der muss es wissen.

Herr Schulz, Ihr Club geht personell am Stock. Werden Sie nach Ihrer Blinddarmoperation noch rechtzeitig fit für das kleine Nordderby in Bremen?

Christian Schulz:Leider nicht – und das ist ausgesprochen ärgerlich. Ich hätte gerne in meiner alten Heimat gespielt, aber ich kann wohl erst nächste Woche wieder mit der Mannschaft trainieren. Aber natürlich werde ich am Freitagabend im Stadion sein.

Die Blinddarm-Geschichte Anfang des Jahres im Trainingslager in Portugal klang schon ziemlich dramatisch.

Schulz:War sie aber eigentlich gar nicht. Natürlich ist es ein komisches Gefühl, wenn du im Ausland auf dem OP-Tisch liegst. Aber es ging nicht anders. Es ist alles gut verlaufen. Trotzdem musste ich Geduld haben. Es ist nun einmal ein Eingriff mit einer inneren Verletzung – und wer will schon, dass das wieder aufreißt?

Was ist das als Ex-Bremer für ein Gefühl, mit Hannover Werder überholt zu haben?

Schulz:Wir sind in Hannover ganz zufrieden mit unserer Entwicklung in den vergangenen zwei Jahren. Da hat vieles funktioniert. In dieser Saison ist es etwas schwieriger, aber wir sind wieder auf einem guten Weg.

Warum ist Werder abgestürzt?

Schulz:Von Absturz würde ich nicht sprechen. Werder musste einen Umbruch machen und steht im Moment nicht ganz so gut da. Aber in der Liga ist es so eng, da kann Werder mit zwei Siegen in Folge schnell wieder nach oben kommen.

Ist Hannover inzwischen stärker als Werder?

Schulz:Klammern wir mal Dortmund und Bayern aus, dann würde keine Mannschaft auf die Idee kommen zu sagen: Wir sind besser als der oder die. In der Bundesliga entscheiden oft nur Nuancen. Wenn Werder einen Lauf bekommt, ist vieles möglich.

Was ist für 96 möglich?

Schulz:Die Ansprüche hier sind gestiegen. Früher war es ein Highlight, wenn wir international dabei waren. Jetzt ist es das Ziel, sich oben zu etablieren. Wenn wir es wirklich schaffen sollten, zum dritten Mal in Folge europäisch zu spielen, dann wäre das schon ein Ausrufezeichen. Dann würden alle sehen, hier passiert etwas.

War es vor fünfeinhalb Jahren der richtige Schritt, Werder in Richtung Hannover zu verlassen?

Schulz:Ja! Ich habe darüber gerade erst beim Spiel gegen Wolfsburg mit Klaus Allofs gesprochen. Er meinte auch, dass irgendwann als Spieler der Zeitpunkt kommt, an dem du etwas Neues brauchst. Ich war ja schon als 15-Jähriger bei Werder. Ich habe viele tolle Sachen erlebt, aber ich musste mich einfach neu beweisen. Das konnte ich in Hannover. Ich bin da auch als Mensch gereift.

Wird es bald wieder Zeit für eine neue Herausforderung?

Schulz:Ich bin erst einmal noch anderthalb Jahre hier. Was dann passiert, wird man sehen. Aber ich bin nicht der Spieler, der jedes Jahr den Verein wechseln möchte.

Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, was nach der Karriere als Fußball-Profi kommt?

Schulz:Ich habe immer gesagt, mit 30 fange ich an, darüber nachzudenken. Also habe ich noch zwei Monate Zeit – die werde ich genießen . . .

Wie wäre es mit einer Ausbildung zum Fußball-Manager? Werder bietet so etwas neuerdings an, Ihre Ex-Kollegen Frank Baumann und Tim Borowski haben den Anfang gemacht.

Schulz:Wenn ,Baumi’ und ,Boro’ da sind, dann sind die Posten ja auf Jahre belegt, die können das. Ich denke, dass ich mindestens noch drei, vier Jahre spielen kann. Danach muss man schauen. Aber für mein späteres Leben kommen eigentlich nur Hannover und Bremen als Wohnorte in Frage. Da habe ich meine Freunde, da fühle ich mich wohl. Im Fußball sollte man aber nichts ausschließen.

Wie lautet Ihr Tipp fürs Spiel?

Schulz:Ich hoffe natürlich auf einen Sieg für uns. Aber Werder steht nach zwei Niederlagen unter Druck. Wenn die Bremer noch oben angreifen wollen, dann müssen sie eigentlich gegen uns gewinnen. Deshalb erwarte ich, dass sie von Anfang an aufs Gaspedal treten werden. · kni

Autostudien mit nachwachsenden Rohstoffen

Autostudien mit nachwachsenden Rohstoffen

Honey als Känguru, Kakerlakenregen und viele Tränen: Tag elf im Dschungelcamp

Honey als Känguru, Kakerlakenregen und viele Tränen: Tag elf im Dschungelcamp

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Meistgelesene Artikel

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Thomas Delaney: Ein Gewinner unter Verlierern

Thomas Delaney: Ein Gewinner unter Verlierern

Kommentare