Robin Dutt zeigt große Freude über seinen Werder-Job und große Demut gegenüber dem DFB

„Ein Highlight in meinem Leben“

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Ist es hier richtig? Robin Dutt sucht nach seinem Platz auf der Bremer Trainerbank. Er hat natürlich die freie Auswahl, schließlich ist er der neue Chef. ·

Bremen - Wie Jesus in der Krippe hat er sich zwar nicht gefühlt. Gleichwohl war Robin Dutt beeindruckt, als ihm am vergangenen Mittwoch die komplette Geschäftsführung von Werder Bremen in Stuttgart ihre Aufwartung machte. „Die kamen gleich zu dritt“, staunte Dutt, und er wunderte sich noch mehr, als die Heiligen Drei Könige wieder gegangen waren. „Ich bin nach Hause gefahren und ich wusste plötzlich: Das ist es. Das musst du machen.“ Also macht er es auch. Robin Dutt ist der neue Trainer des SV Werder. Gestern stellte er sich der Öffentlichkeit vor, startete allerdings mit einem kleinen Fauxpas.

„Monn, Monn – ich glaube, so sagt man das hier“, begrüßte er die Pressevertreter, nachdem er an der Seite von Werder-Sportchef Thomas Eichin das erste Blitzlichtgewitter überstanden hatte. Eichin, selbst kein norddeutsches Original, verbesserte lächelnd, es heiße „Moin, Moin“. „Das muss ich wohl noch lernen“, meinte Dutt und hatte die ersten Lacher auf seiner Seite. Drei Jahre sollten dafür reichen – für diesen Zeitraum hat der 48-Jährige in Bremen unterschrieben. Es werden Jahre des Neubeginns – für die sportlich ins Schlingern geratenen Bremer, aber auch für Dutt persönlich.

Noch vor einem Jahr war seine Zukunft auf eine Karriere beim DFB ausgerichtet. Dutt folgte Matthias Sammer auf dem Posten des Sportdirektors – es war für ihn die Zuflucht nach einem missglückten Trainer-Engagement bei Bayer Leverkusen. Doch die Zuflucht war eine Sackgasse, wie der Fußballlehrer schnell erkannte und gestern offen zugab: „Ich gehöre auf den Trainingsplatz, nicht an den Schreibtisch.“

Deshalb rannten die drei Geschäftsführer Klaus Filbry, Klaus-Dieter Fischer und Thomas Eichin bei Robin Dutt offene Türen ein. Nur zu gerne sagte er Ja zu Werder – und zog sich damit den Zorn der DFB-Oberen zu. „Dafür“, erklärte der Abtrünnige demütig, „habe ich absolutes Verständnis. Es schickt sich eigentlich nicht, die Position eines DFB-Sportdirektors nach neun Monaten schon wieder zu verlassen. Ich habe den DFB damit in keine schöne Situation gebracht.“ Dass er dennoch die Freigabe für Werder erhalten habe, „zeigt die Größe von Präsident Wolfgang Niersbach und Generalsekretär Helmut Sandrock“, meinte Dutt, dem eine gewisse Scham über die Entwicklung anzumerken war.

Aber nur kurz. Denn insgesamt strahlte der neue Werder-Coach vor allem eines aus: Freude. Oder wie er es formulierte: „Euphorie pur.“ 14 Monate nach der Entlassung in Leverkusen ist er zurück im Geschäft, zurück auf der Trainerbank. „Und dann auch noch bei Werder – das ist ein absolutes Highlight in meinem Leben. Ich bin unheimlich glücklich“, betonte der Coach, der seine Karriere im unteren Amateurbereich begonnen hatte, sich aber sukzessive nach oben gearbeitet hat.

Nun übernimmt er eine Aufgabe, von der wohl nur der innere Werder-Zirkel weiß, wie groß sie wirklich ist. Aber Robin Dutt zeigt keine Scheu vor dem finanziellen Sparkurs, lässt sich nicht abschrecken von Tabellenplatz 14 in der abgelaufenen Saison oder den Abgängen der Leistungsträger Sokratis und Kevin De Bruyne. „Mit meiner Entscheidung pro Werder trage ich alles mit“, sagte er und stellte eine erste Prioritätenliste für die nächsten Wochen auf: „Jetzt müssen wir erstmal das Vakuum, das die Spieler, die gehen, hinterlassen, wieder füllen. Damit haben wir schon alle Hände voll zu tun.“ Weitere Renovierungen im Kader sind freilich zu erwarten – Dutt mag darüber aber (noch) nicht en Detail sprechen: „Erstmal möchte ich die Mannschaft richtig kennenlernen.“ Bis zum 28. Juni muss er darauf noch warten, dann startet die Vorbereitung auf die neue Saison.

Es wird Spielzeit eins nach 14 Jahren unter der Regie von Thomas Schaaf. Ein übergroßer Schatten, den der Ex-Trainer wirft? „Es ist schon eine Herausforderung“, sagte Robin Dutt, der einst beim SC Freiburg nach 16 Jahren Volker Finke als Nachfolger erfolgreich war. Er weiß also, wie’s geht. Sein Plan in Bremen: „Ich werde versuchen, das Erbe mit viel Fingerspitzengefühl anzutreten. Aber ich versuche erst gar nicht, in Thomas’ Fußstapfen zu treten, denn es wird mir nicht gelingen. Dafür hat er zu gute Arbeit geleistet.“ · csa/mr

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