Andreas Wolf – Vollgas gibt er nur noch bei Werder, nicht mehr auf dem Motorrad

„Ein Franke kann nie schaden“

Gelernter Fertigungsmechaniker mit Sinn für Pünktlichkeit und einem Faible fürs Angeln – Andreas Wolf hat mehr zu bieten als nur seine fußballerischen Fähigkeiten. ·

Bremen - Von Cord Krüger. „Es war mir eine Ehre, für Euch zu spielen.“ So endet der offene Brief, den Andreas Wolf nach 14 Jahren beim 1. FC Nürnberg an seine „lieben Club-Fans“ geschrieben hatte. Darin bekräftigte der scheidende Kapitän, dass sein Abschied nicht am Geld lag. Aber der 29-Jährige hegte das Gefühl, dass der Verein ihn nicht weiter an Bord haben wollte.

Und so kam er nach Bremen, wo „ich schnell gut aufgenommen wurde“. Hier will er heimisch werden, „für Überraschungen sorgen“, möglichst schnell wieder ins internationale Geschäft – und vielleicht mal wieder angeln.

Herr Wolf, nach einer langen „Ehe“ mit Nürnberg gab's nun Ihren ersten Wechsel. Und einen kleinen Karrieresprung. Werden Sie bei Werder nach dem Abgang von Per Mertesacker nun der neue Abwehrchef?

Andreas Wolf:Ach, was heißt Abwehrchef. Wir haben genug Innenverteidiger – auch Basti Prödl und Naldo, die jetzt wieder zurückkommen. Aber Bremen war für mich als Außenstehender immer eine positive Erscheinung – ein Top-Verein. Es ist eine gute Adresse, auch wenn hier jetzt momentan ein kleiner Umbruch vonstatten geht. Aber vielleicht ist das für mich auch die Möglichkeit, hier Fuß zu fassen. Ich werde immer Vollgas geben und will versuchen, etwas voranzubringen. Ich will meine Leistung bringen – und wenn sie stimmt, spiele ich.

Vollgas und voran – das zeigen Sie schon beim Weg zum Trainingsplatz: Sie kommen meistens einige Minuten früher aus der Kabine als alle anderen. Ist das ein Zeichen an die Fans?

Wolf:Na ja, ich versuche, die Sachen positiv anzugehen, das will ich nach außen zeigen. Denn ich will sportlich und menschlich einen Schritt nach vorn machen. Und es ist mein Naturell, dass ich gern ein bisschen eher da bin, um mich vorzubereiten.

Liegt Ihre Überpünktlichkeit auch daran, dass Sie Unpünktlichkeit hassen?

Wolf:Stimmt. Ich mag es nicht, unpünktlich zu sein. Da liege ich auch manchmal im Clinch mit meiner Frau (lacht).

Wie ist sonst die Stimmung in der Familie Wolf? Sind Sie schon heimisch geworden?

Wolf: Ja, wir haben jetzt eine Wohnung gefunden, sind leider noch nicht drin. Ich denke, dass es in den kommenden Tagen endlich klappt. Zwei Monate im Hotel – das reicht. Mit einem Kleinkind auf einem Zimmer (Andreas und Sandra Wolf haben eine zweijährige Tochter, d. Red.) hat man wenig Ruhe.

Welche Eindrücke haben Sie bislang von Bremen gesammelt?

Wolf:Eine sehr sympathische Stadt! Meine Eltern, meine Schwiegereltern und wir haben eine Schifffahrt auf der Weser unternommen, Bremen hat viele Grünanlagen, zum Beispiel den Bürgerpark.

Nicht schlecht – ein Familienausflug auf der Weser. Wie wichtig ist Ihnen die Nähe zur Familie?

Wolf:Sehr wichtig. Ohne sie würde ein großes Stück fehlen. So bin ich ausgeglichener und komme auf andere Gedanken. Meine Eltern haben mich immer unterstützt – ob Fußball, in der Schule oder im Beruf vor meinem Profi-Dasein. Wenn mal ein Schlendrian bei mir drin war, haben sie mich aufgerüttelt. Ich bin ihnen sehr dankbar.

Sie sind mit ihren Eltern als Achtjähriger aus der einstigen Sowjetunion nach Deutschland gekommen. Wie war der Neubeginn?

Wolf: Nicht einfach. Du kommst zuerst in ein Aussiedlerlager, musst dich komplett neu orientieren, die Eltern haben eine Umschulung gemacht – meine Mutter von der Lehrerin zur Industriekauffrau. Man muss sich ein ganz neues Leben aufbauen, aber das haben meine Eltern gut hinbekommen. Beide haben Arbeit gefunden, das ist das Wichtigste.

Haben Sie damals gelernt, die Ärmel hochzukrempeln und zu kämpfen?

Wolf:Auf jeden Fall. Meine Eltern waren bereits in der Sowjetunion auf sich selbst gestellt, und ich wollte auch früh für mich allein sorgen. Deshalb war ich mit 16 Jahren aus dem Haus und bin nach Nürnberg gezogen, weil ich beim „Club“ schon in der Jugend gespielt habe. Dann begann ich meine Ausbildung bei MAN als Fertigungsmechaniker. Die Lehre und das tägliche Training – anfangs konnte ich das gut unter einen Hut bringen. Als dann die Jugendnationalmannschaft kam, war ich oft unterwegs – aber MAN hat mich zum Glück unterstützt. Und danach wurde mein Traum zum Beruf: Fußballer.

Training am Freitag

Werder-Training am Freitag

Beim 1. FC Nürnberg haben Sie sich nach der Ausbildung schnell durchgesetzt…

Wolf:Ja, ich kam mit 19 zu den Profis, durfte von Anfang an mittrainieren und war bald in der Mannschaft – auch wegen der Verletzungen anderer Spieler. So lange ich gesund war, hatte ich immer einen Stammplatz – fast zehn Jahre lang.

Doch gesund waren Sie nicht immer. Was zählen Sie zu Ihrer schlimmsten Zeit?

Wolf:Das war mein Kreuzbandriss und gleich darauf die Meniskusverletzung im selben Knie. Dies hat mich vom Kopf her stark geschmissen. So etwas gönne ich keinem. Es war eine Leidenszeit – ausgerechnet in einer Phase, als ich bei der Nationalmannschaft im Gespräch war. Andererseits lernst du so, dich um Dinge zu kümmern, die du vorher vernachlässigt hast, weil du denkst, dass alles so weiterläuft und du immer fit bleibst. Seitdem bin ich beim Krafttraining geblieben. Ich kann jedem nur raten, auf seinen Körper aufzupassen und ihn zu pflegen. Denn als Fußballer bleibt einem nur eine kurze Zeit. Jetzt denke ich, dass ich wieder da bin und mich weiter verbessern kann.

Worin speziell?

Wolf: Etwa im Passspiel oder darin, mehr Ruhe zu bekommen und nicht so riskant zu spielen. Wenn das klappt, werden wir gemeinsam eine tolle Zeit mit Werder Bremen haben.

Stichwort Risiko: In Ihrer letzten Nürnberger Saison kamen Sie auf 30 Spiele. Ohne Ihre zwei Gelb- und die Gelb-Rot-Sperre hätten es 33 sein können. Nervt Sie Ihr Ruf als „Sünder“?

Wolf: Es ärgert mich – vor allem, weil ich gar nicht so oft foule. Ich meckere fast nie und bin nie tätlich geworden. Dass ich gern offensiv spiele, ist doch okay. Fußball ist ein Zweikampfsport, da kann man auch ruhig mal Körperkontakt haben.

Wie froh sind Sie, dass Sie jetzt nicht mehr gegen Claudio Pizarro spielen müssen?

Wolf (lacht):Ja, da gab es interessante Duelle. Aber es ist immer schön, gegen solche Weltklasse-Spieler anzutreten, weil man sich da besonders motivieren kann. Aber die täglichen Duelle mit Claudio im Training sind auch gut. Da wird man gefordert, das bringt mich weiter.

Und was machen Sie an trainingsfreien Tagen? Haben Sie Ihr Motorrad aus Nürnberg mitgenommen?

Wolf:Nein, und ich war in diesen zwei Monaten auch noch kein einziges Mal wieder da unten, obwohl ich natürlich weiter an Nürnberg hänge. Ich bin dort aufgewachsen, habe von der Jugend an immer da gespielt. Aber wenn ich das erste Mal Urlaub habe, geht es wieder hin – dann wird auch das Motorrad wieder ausgepackt. Zunächst wollen wir uns aber hier einleben. Und vielleicht ist dann wieder Zeit zum Angeln.

Haben Sie schon ein Angelrevier?

Wolf:Hier in Bremen bisher nicht. Ich muss mit den Jungs in der Mannschaft noch reden, ob jemand von ihnen dasselbe Hobby hat.

Haben sie bereits Freundschaften im Team geschlossen?

Wolf:Nicht direkt, aber ich verstehe mich mit jedem ganz gut. Ich bin ein unkomplizierter Typ. Doch in dieser Mannschaft wurde es mir eh einfach gemacht.

Der Empfang beim „Tag der Fans“ verlief ebenfalls ganz vielversprechend. Der Stadionsprecher hat Sie mit Frank Baumann verglichen – ebenfalls einem Ex-Nürnberger. Fühlen Sie sich damit unter Druck gesetzt?

Wolf:Nein, überhaupt nicht. Frank hat hier eine tolle Karriere hingelegt – ein Franke kann also nie schaden (lacht). Und ich hoffe, dass ich eine ähnlich positive Laufbahn hinbekomme.

Auch auf internationaler Ebene?

Wolf:Na klar. Das muss Werders Ziel sein. Und da wollen wir hin. Die Mannschaft hat große Qualität. Aber wir müssen uns in den Leistungen stabilisieren, das geht nur gemeinsam. Dann werden wir für einige Überraschungen sorgen.

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