Kevin De Bruyne vor seinem letzten Heimspiel im Weserstadion / „Ich glaube nicht an die Relegation“

„Ein Abschied ist immer speziell“

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Ein Mal noch abklatschen: Kevin De Bruyne will sich morgen von den Werder-Fans im Weserstadion verabschieden – am liebsten mit einem Heimsieg gegen Eintracht Frankfurt. ·

Bremen - Nein, ein Paradiesvogel ist dieser junge Mann wahrlich nicht. Er trägt gerne sportliche Klamotten von seinem persönlichen Sponsor Nike oder der US-Trendmarke Abercrombie & Fitch. Genauso, wie viele seiner Altersgenossen. Damit fällt er nicht auf.

Und er ist in der Öffentlichkeit äußerst zurückhaltend. Er wirkt sehr auf sich selbst fokussiert, spricht nicht oft und wenn dann ziemlich emotionslos mit der Presse – und ist nach dem Training in der Regel in Rekordzeit verschwunden. Häufig braust er in die belgische Heimat. Lange hieß es, Kevin De Bruyne werde mit Werder und Bremen nicht so richtig warm. Doch in letzter Zeit entstand ein anderer Eindruck. Der 21-Jährige hängt sich im Abstiegskampf vorbildlich rein. Und der Weggang aus Bremen, wo er morgen (15.30 Uhr) gegen Frankfurt sein wohl letztes Heimspiel bestreitet, wird ihm nicht leicht fallen.

„Nach dem Spiel werde ich den Fans und den Leuten hier auf Wiedersehen sagen. So ein Abschied ist immer eine spezielle und auch ein bisschen merkwürdige Sache. Aber so etwas gehört eben zum Leben“, sagt De Bruyne und resümiert schon mal: „Ich hatte ein fantastisches Jahr mit der Mannschaft, habe hier Freunde fürs Leben gefunden. Das ist super.“

Als bester Beleg für die gewachsene Identifikation mit dem Verein, der ihn für ein Jahr vom FC Chelsea ausgeliehen hat und den er (das hat er selbst mehrfach betont) nach der Saison wieder verlassen wird, taugt eine Szene vom vergangenen Samstag. Nach dem bitteren 2:2 gegen Hoffenheim hatte De Bruyne, zuvor auf dem Feld unheimlich engagiert und deshalb mal wieder mit hochrotem Kopf, Tränen in den Augen. Der junge, rotblonde Belgier, der bei jedem Prinz-Harry-Double-Wettbewerb ganz weit vorne landen würde, war fix und fertig. Er musste getröstet werden. Wäre ihm völlig egal, was aus Werder wird, wäre so ein Gefühlsausbruch nicht passiert.

Vor einigen Monaten hatte De Bruyne noch mit Interviews in belgischen Medien für Aufsehen gesorgt, in denen er unter anderem die deutsche Mentalität kritisierte und beklagte, dass ihm in Bremen die Wärme fehle. Solche Äußerungen waren zuletzt nicht mehr zu hören oder zu lesen. Scheinbar hat er sich inzwischen mit seinem Umfeld arrangiert.

Doch nun naht der Abschied, De Bruyne steht morgen Nachmittag vor seinem finalen Auftritt im Weserstadion – vorausgesetzt, Werder schafft den direkten Klassenerhalt und entkommt den Relegationsspielen. „Ich glaube nicht, dass wir in die Relegation müssen. Ein Punkt aus den letzten beiden Spielen sollte uns reichen“, meint De Bruyne, fügt aber an: „Natürlich wollen wir gegen Frankfurt gewinnen, auch für unsere Fans. Sie haben es verdient, waren gegen Hoffenheim einfach unglaublich und werden es auch gegen Frankfurt sein. Sie werden wieder 100 Prozent geben, wie wir auch. Ein Sieg im letzten Heimspiel wäre für alle eine schöne Sache nach einer schwierigen Saison. Leider stehen wir nicht da, wo wir eigentlich hingehören. Wir hatten eben Ups and Downs.“

Er selbst hatte – anders als sein Club – deutlich mehr Ups, war in vielen Spielen einer der herausragenden, wenn nicht der herausragende Bremer und liefert in seiner Premierensaison in der Bundesliga Topwerte (siehe Kasten). „Ich bin glücklich, dass ich mich hier so gut weiterentwickelt habe. Ich habe viel gespielt und deutliche Fortschritte gemacht. Das habe ich auch in der Nationalelf gemerkt“, sagt de Bruyne.

Zweikampf-Training an Himmelfahrt

Zweikampf-Training an Himmelfahrt

Weil er so viel gespielt hat (31 von 32 Bundesliga-Partien/nur ein Mal ausgewechselt), ist er zudem für Werder offenbar ein echtes Schnäppchen. Laut „Sport Bild“ fiel die Ausleihgebühr nach dem 25. Einsatz dank einer Klausel im Vertragswerk mit Chelsea von 500 000 auf null Euro. So günstig wird er, dazu gehört wenig Fantasie, nie mehr zu haben sein.

Wohin der elfmalige Nationalspieler geht, ob Chelsea ihn erneut verleiht oder verkauft, ist offen. Leverkusen hat bereits starkes Interesse angemeldet, auch Dortmund und Schalke beschäftigen sich angeblich mit dem dynamischen Edeltechniker aus Drongen in Ostflandern. Alles Clubs, in denen De Bruyne international spielen kann. Über seine Zukunft mag er momentan aber „nicht so gerne reden. Das werden wir nach der Saison sehen. Erst mal wollen wir hier für ein gutes Ende sorgen.“ · mr

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