Werder-Sportchef erhöht den Druck, glaubt aber noch fest an Coach Schaaf

Für Eichin ist ein Trainerwechsel kein Tabu

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Rückt Thomas Eichin (rechts) schon ein wenig von Trainer Thomas Schaaf ab? Noch nicht, aber der Sportchef eröffnet sich die Option eines Trainerwechsels, was in Bremen eigentlich undenkbar ist. ·

Bremen - Gut einen Monat ist Thomas Eichin nun in Bremen. In dieser sportlich wahrlich nicht leichten Zeit hat der neue Werder-Geschäftsführer versucht, als Stimmungsmacher die Wende zu bringen. Nach dem enttäuschenden 2:2 gegen Schlusslicht Fürth ist bei Eichin aber Schluss mit lustig.

Gestern Morgen redete der 46-Jährige Tacheles und ging in der Trainerfrage sogar auf Konfrontationskurs zu den anderen Clubverantwortlichen, die Thomas Schaaf einen Freifahrtschein für alle Zeit ausgestellt haben und jegliche Trainerdiskussion strikt ablehnen.

„Ich bewerte Thomas Schaaf nicht als Institution, sondern nach dem, was er jeden Tag leistet“, sagte Eichin am Rande des Vormittagstrainings und fügte durchaus überraschend an: „Es ist nicht so, dass hier ein Trainerwechsel, so wie das immer behauptet wird, völlig ausgeschlossen ist.“ Auf die sich anschließende Frage, ob Schaaf auch am Saisonende noch im Amt sein wird, antwortete Eichin: „Davon gehe ich aus.“

Totale Rückendeckung klingt zwar etwas anders, es ist aber auch noch kein echtes Abrücken vom Coach. Eichin will mit seinen gestrigen Aussagen in erster Linie Handlungsfähigkeit und noch mehr Unabhängigkeit demonstrieren. Bei seiner Vorstellung hatte es geheißen, er sei vornehmlich für das Aushandeln von Verträgen mit neuen Spielern zuständig, jetzt mischt er intensiv im sportlichen Tagesgeschäft mit.

So wie er es bei den Kölner Haien gemacht hat. Und bei dem Eishockey-Club gehörte es zu seinem Job, Trainer zu bewerten und im schlimmsten Fall zu feuern. So lebt er es jetzt auch in Bremen – ohne Rücksicht darauf, dass Schaaf seit 14 Jahren im Amt ist und als Double-Gewinner von 2004 sowie als einstiger Dauergast in der Champions League Vereinsgeschichte geschrieben hat. „Wir spielen nicht gut und gewinnen keine Heimspiele mehr – da ist es normal, dass du eine Trainerdiskussion hast“, gestand Eichin. Noch ist er aber davon überzeugt, dass Schaaf der richtige Mann auf der Trainerbank ist: „Ich bewerte das, was er jeden Tag tut – und das ist sehr, sehr gut. Thomas gibt alles, er analysiert alles, er versucht alles, mehr kann er nicht machen.“

Also wird die Hauptschuld noch bei den Spielern gesucht. „Wir müssen auf dem Platz 90 Minuten durchziehen, was der Trainer vorgibt. Und wir müssen jeden Tag zeigen, dass wir Profis sind. Das wird nicht konsequent genug gemacht“, kritisierte Eichin und knöpfte sich einen Spieler besonders vor, ohne ihn namentlich zu nennen: „Mir hat vieles nicht gefallen, was ich gesehen habe – auch bei den Einwechslungen, wie sich der eine oder andere verhalten hat.“ Auf den Hinweis, dass gegen Fürth nur zwei Spieler eingewechselt wurden und der eine davon (Aaron Hunt) zwei Tore geschossen, der andere (Marko Arnautovic) zwei Tore nicht geschossen habe, erwiderte der Sportchef: „Dann wissen Sie ja, was ich meine.“

Noch muss Arnautovic keine Konsequenzen fürchten, er ist seit gestern wie viele andere Nationalspieler weit weg von Bremen. Aber Eichin kündigte schon einmal an, was er spätestens nach der Länderspielpause von seinen Profis erwartet: „Der Einzelne muss sich ganz gewaltig zurücknehmen, es zählt nur das Team. Jeder muss begriffen haben, wo wir hier jetzt sind und was in den nächsten vier Wochen zu tun ist.“ Bei nur noch sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz heißt das für den Tabellen-14. nichts anderes als Abstiegskampf.

Als persönliche Einstimmung besuchte Eichin gestern das Bundesliga-Spiel der U 19 gegen Hertha BSC – gemeinsam mit Schaaf. Sie sahen einen hart umkämpften 3:2-Sieg, wie sie ihn von den Profis schon seit fünf Spielen nicht mehr erlebt haben. · kni

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