Polen hat seinen verletzten Deutschland-Import nicht vergessen

Ehrengast Boenisch

Seit einem Jahr verletzt: Sebastian Boenisch verpasst heute auch ein Spiel, das sicherlich zu seinen persönlichen Highlights gehört hätte.

Bremen / Danzig · Ja, er ist mittendrin. Und doch nicht dabei. Wenn die polnische Nationalmannschaft heute in Danzig auf Deutschland trifft, bleibt Sebastian Boenisch nur die Rolle des betrübten Zuschauers.

„Wirklich sehr traurig“ sei es, dass er die Partie verpasst. Denn für Boenisch – den polnischen Deutschen oder deutschen Polen, ganz wie man will – ist die Begegnung so etwas wie das Spiel der Spiele. In Polen ist er geboren, in Deutschland aufgewachsen. Mit der U 21 des DFB gewann der Profi von Werder Bremen den EM-Titel, wechselte dann aber ob der besseren Perspektiven, Nationalspieler werden zu können, zum polnischen Verband.

Es war mit Blick auf die EM 2012 in Polen und der Ukraine eine wohl kalkulierte Entscheidung. Boenisch debütierte am 4. September 2010 für das Land seiner Vorfahren, es folgte noch ein weiteres Länderspiel. Dann schlug das Pech zu: Knieverletzung, Knorpelschaden, Karriere in Gefahr. Die Pause dauert nun schon ein Jahr. Aber die Polen haben Boenisch nicht vergessen. Er wird heute mit der Mannschaft essen, mit dem Teambus zum Spiel fahren – nur spielen kann er halt nicht. „Aber es wird für mich noch genügend andere Möglichkeiten geben, mich auszuzeichnen“, sagt Boenisch.

Daran ist zu erkennen: Seine Karriere wird weitergehen. Und die EM im „eigenen“ Land hat er als großes Ziel. „Bis dahin dauert es noch einige Monate. Körperlich schaffe ich das“, beteuert Boenisch.

Die schwerwiegende Verletzung sei vollständig auskuriert, sagt er: „Der Knorpel ist nachgewachsen, alles ist in Ordnung.“ Seit acht Monaten absolviert er in Düsseldorf bei Physiotherapeut Bernd Restle Reha und Aufbautraining, in zwei Wochen steht die Rückkehr nach Bremen an. Bis der Linksverteidiger aber wieder spielen kann, wird’s jedoch noch dauern. „Man sieht es ja an Naldo, wie viel Zeit es braucht, bis man wieder richtig fit ist. Ich konzentriere mich voll auf die Winter-Vorbereitung“, erklärt der 24-Jährige.

Dann ist es noch ein halbes Jahr bis zur EM – genug Zeit, um sich für einen Platz im EM-Kader anzubieten. Hofft Boenisch jedenfalls. Heute kann der „Ehrengast“ immerhin schon als Daumendrücker helfen: „Ich hoffe auf einen Sieg unserer Mannschaft.“ Und „uns“ – das ist Polen: „Alles andere ist für mich nicht mehr relevant.“ · csa

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