Pulverfass Werder Bremen: Frings vermisst den Teamgeist, Allofs knöpft sich die Reservisten vor

Per Egotrip in die Krise

Bankdrücker (v.l.): Tim Borowski, Daniel Jensen, Marko Arnautovic und Hugo Almeida .

Bremen - Von Björn Knips · „Wie wär’s mit einem gemeinsamen Besuch in der Badeanstalt“, schlug ein Journalist vor – und Klaus Allofs konterte: „Oder wir gehen einen trinken.“ Die Rufe nach teambildenden Maßnahmen sind in Krisenzeiten besonders laut.

Und Werder Bremen steckt nach dem 1:4-Desaster in Hannover tief im Schlamassel. Vier mickrige Pünktchen nach fünf Spieltagen und ein Torverhältnis von 6:12 – noch nie ist der Club in der über elfjährigen Ära Thomas Schaaf so schlecht in die Bundesliga gestartet. Der Trainer steht dabei – wie immer – nicht zur Debatte, dafür die Spieler am Pranger.

Das Training nach dem Debakel

Das Training nach dem Hannover-Debakel

Der Vorwurf ist hart – und er wird nicht von einem Offiziellen, sondern vom Kapitän erhoben. „Viele Spieler nehmen sich zu wichtig. Bei denen steht nicht die Mannschaft im Vordergrund“, kritisierte Torsten Frings am Dienstagabend in Hannover und forderte eine schnelle Aussprache. Die gab’s prompt: Gestern Morgen saßen Team, Trainerstab und Clubchef Allofs 80 Minuten zusammen. „Es ist wichtig, sich die Wahrheit zu sagen, alles anzusprechen und nicht drumherum zu reden“, meinte Allofs. Auf die Inhalte wollte er nicht eingehen, so eine Zusammenkunft sei vertraulich. Aber er deutete zumindest den Ablauf an: „Klar ist, dass der Anteil der Rede von mir und dem Trainer größer war als der der Spieler. Und wir haben versucht, den richtigen Ton zu treffen – der ist nicht immer gleich . . .“

Es dürfte also laut geworden sein. Denn die Werder-Profis lassen in diesen Tagen fast alles vermissen, was gefordert ist. „Wir sind nicht bereit, an unsere Grenzen zu gehen“, meinte Allofs. Das begann vor einer Woche in der ersten Halbzeit gegen Tottenham (und konnte noch repariert werden/2:2), setzte sich gegen Mainz fort (0:2) und gipfelte nun mit dem 1:4 im kleinen Nordderby. „Wir sind nicht kompakt, wir arbeiten nicht wirklich, und der eine rettet dem anderen nicht mehr den Arsch“, fand Frings für die Defizite deutliche Worte. Aber wie holte diese Mannschaft nur zehn Tage zuvor beim Meister FC Bayern ein verdientes 0:0? „Weil man sich da präsentieren konnte“, untermauerte Frings noch einmal seine These vom Bremer Egotrip. Dazu passte auch Allofs’ Vorwurf an die Reservisten: „Die Spieler, die draußen sitzen, müssen begreifen, dass sie sich nicht hängen lassen und auch nicht schlechte Stimmung verbreiten dürfen.“ Wer von den „Bankangestellten“ gemeint war, ließ der Ex-Profi offen. Die Kandidaten heißen Hugo Almeida , Marko Arnautovic, Tim Borowski und Daniel Jensen.

Personelle Konsequenzen – wie zum Beispiel die Verbannung eines Spielers aus dem Kader – schloss Allofs vorerst aus: „Wir verfallen jetzt nicht in Aktionismus.“ Den Besuch in der Badeanstalt und das natürlich nicht ernst gemeinte Trinkgelage wird es ebenfalls nicht geben. Der Boss vertraut seinem wichtigsten Angestellten: „Es ist Aufgabe des Trainers, die Mannschaft nach guten Spielen noch besser und nach schlechten Spielen wieder besser zu machen. Aber das geht nicht immer so schnell.“ Sollte es aber, denn schon am Samstag kommt der HSV.

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