Ein echtes Heimspiel für den Werder-Profi – nur 50 Meter von zu Hause entfernt

Als Bargfrede noch Balakov war

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Philipp Bargfrede kommt auch heute noch gerne ins Waldstadion von Heeslingen, um seinen Freunden in der Oberliga zuzuschauen.

Heeslingen - Diesmal muss es einfach klappen – das große Heimspiel des Philipp Bargfrede. Der Werder-Profi ist in Heeslingen aufgewachsen, nur 50 Meter entfernt vom Waldstadion, wo der Bundesligist am Freitag (17.30 Uhr) ein Testspiel gegen den Oberligisten Heeslinger SC bestreitet. Im Mai 2014 war Werder schon einmal zu Gast, doch Bargfrede fehlte wegen einer Knieoperation. Nun ist der 26-Jährige fit und nimmt sich vor der Partie viel Zeit für einen Ortstermin. Im Interview erinnert er sich an seine Zeit als Balakov, an Schäden im Garten – und er beschreibt den Vorteil, ein Profi aus der Region zu sein.

Herr Bargfrede, wann haben Sie hier im Waldstadion zum letzten Mal gespielt?

Philipp Bargfrede: In der Sommerpause mit ein paar Freunden. Aber nur auf dem Nebenplatz, auf dem Hauptplatz hätten wir Ärger bekommen (lacht).

Können Sie sich noch an Ihr letztes Spiel hier erinnern?

Bargfrede: Ich denke mit Werders U19 gegen die erste Herren-Mannschaft von Heeslingen. Aber fragen Sie mich jetzt bitte nicht nach dem Ergebnis.

Aber nach Ihrem letzten Auftritt hier im Trikot des TuS Heeslingen, wie der Verein damals noch hieß.

Bargfrede: Puuh, da war ich 15, das ist lange her. Ganz ehrlich, das weiß ich nicht mehr. Aber ich habe hier wirklich tolle Spiele erlebt, das war eine super Zeit.

Ihr Elternhaus steht direkt vorm Waldstadion. Wo waren Sie häufiger – in Ihrem Zimmer oder hier auf dem Platz?

Bargfrede: Eindeutig mehr auf dem Platz. Es war jeden Tag der gleiche Ablauf: Nach der Schule habe ich den Tornister zu Hause in die Ecke geworfen, und dann ging es mit den Freunden rüber zum Kicken. Bis es dunkel wurde.

Wie fand das Ihre Mutter, mussten Sie zum Abendessen nach Hause getragen werden?

Bargfrede: Nein, das nicht. Sie war ja froh, dass wir unseren Spaß hatten. Es gab mal eine Zeit, da haben wir nicht auf dem Sportplatz gespielt, sondern bei uns im Garten. Das fand meine Mutter nicht so gut, weil der Rasen ramponiert war.

Was war entscheidender dafür, dass Sie Fußball-Profi geworden sind – der nahegelegene Platz oder ein Ex-Profi als Papa?

Bargfrede: Ich denke beides. Wenn sich im Elternhaus vieles um Fußball dreht, dann wächst man da rein. Und der Platz nebenan war ja auch eine Einladung…

Sie hatten also gar keine Chance, eine andere Sportart kennenzulernen?

Bargfrede: Doch. Ich habe früher Tennis-Unterricht bekommen. Das hat zwar auch Spaß gemacht, aber Fußball war interessanter. Darin bin ich auch besser. Aber ich spiele immer noch gerne Tennis, das ist ein guter Ausgleichssport. Genauso wie Golf.

Ihre Brüder spielen auch Fußball, sind aber keine Profis geworden.

Bargfrede: Die waren nicht so extrem wie ich und nicht jeden Tag hier auf dem Platz. Ich hatte einfach Bock auf Fußball und einen Fußball verrückten Freundeskreis.

Was ist aus den Fußballverrückten geworden?

Bargfrede: Einige spielen in Heeslingen, andere haben aufgehört.

Ihr Vater war Profi und stadtbekannt. Was hat das für Sie als Kind bedeutet?

Bargfrede: Gar nichts. Er war ganz normal mein Vater.

Wollten Sie ihm nicht nacheifern?

Bargfrede: Doch, das war natürlich mein Kindheitstraum. Aber das war immer weit weg, selbst, als ich mit 14 die ersten Gastspiele bei Werder gemacht habe und auch, als ich dann bei Werder in der Jugend war.

Heeslingen liegt fast genau in der Mitte zwischen Bremen und Hamburg – warum Werder und nicht der Hamburger SV?

Bargfrede: Wir haben damals einfach öfter gegen Werder gespielt. Dadurch entstand der Kontakt.

Waren Sie als Kind eher Werder-Fan oder HSV-Fan?

Bargfrede: Ich hatte gar keinen Verein.

Aber Sie hatten bestimmt Lieblingsspieler, wer waren Sie hier als Kind auf dem Platz?

Bargfrede: Verschieden. Giovane Elber, Krassimir Balakov – das magische Dreieck vom VfB Stuttgart war schon gut. Mario Basler fand ich auch gut, genauso wie Mehmet Scholl.

Sie sind mit 15 Jahren zum SV Werder gewechselt, war das im Rückblick der richtige Zeitpunkt?

Bargfrede: Ich hätte schon mit 13, 14 Jahren gehen können, da wollten das meine Eltern nicht. Wir hatten hier eine gute Mannschaft, mein Vater war der Trainer. Der hat ja auch ein bisschen Ahnung vom Fußball. Es war richtig. Man muss nicht so früh zu einem großen Verein gehen. Die heimische Umgebung und die Freunde sind wichtig. Mir hat das gut getan. Da ich nicht im Internat war, sondern hier wohnen bleiben konnte, blieb der Kontakt zu den Freunden bestehen. Viele davon habe ich noch heute.

Wie schwer ist es als Fußball-Profi, der am Wochenende im Rampenlicht steht, bei den Freunden der ganz normale Philipp zu sein?

Bargfrede: Ich muss mich da nicht verstellen. Meine Kumpel sind da auch ganz offen, motzen natürlich, wenn wir verloren haben. Das ist okay.

Sie wohnen inzwischen in Bremen, wie oft kommen Sie noch nach Heeslingen?

Bargfrede: Seit mein Sohn da ist natürlich mehr wegen Oma und Opa. Ich bin auch gerne hier, um Fußball zu gucken. Meine Kumpel spielen hier, mein Papa ist Trainer.

Interview auf der Ersatzbank: Philipp Bargfrede und Sportredakteur Björn Knips hatten dabei viel Spaß.

Ist es als Profi nicht schwierig, Fußball auf diesem Niveau zu sehen?

Bargfrede: Natürlich sieht man den Unterschied. Aber darum geht es gar nicht. Ich freue mich einfach, meine Freunde zu sehen.

Was ist der größte Unterschied?

Bargfrede: Wir sind Profis, wir leben und arbeiten für die Spiele am Wochenende. Amateure machen das in ihrer Freizeit, um Spaß zu haben.

Wenn Sie spontan beim Heeslinger SC in der Oberliga mitspielen könnten, würden Sie dann auffallen?

Bargfrede: Na klar (lacht). Aber ich würde ganz anders spielen, die taktischen Dinge wären mir dann nicht so wichtig (lacht).

Das kann aber unangenehm werden, wenn der Papa Trainer ist.

Bargfrede: Das stimmt auch wieder.

Noch mal ernsthaft gefragt: Haben Sie geplant, am Ende Ihrer Karriere noch mal für Heeslingen zu spielen?

Bargfrede: Auf jeden Fall, wenn der Körper das mitmacht.

Spielen Sie bis dahin ausschließlich bei Werder?

Bargfrede: Das wäre auf jeden Fall außergewöhnlich in dieser Zeit. Es ist optimal für mich, dass so ein großer Verein direkt vor meiner Haustür ist. Ich habe oft die Möglichkeit, zu Hause zu sein – also bei meinen Großeltern, meinen Eltern, meinen Freunden. Das kann nicht jeder Profi von sich behaupten. Das ist schon etwas Besonderes.

Den Heimvorteil haben Sie auch am Freitag: Wo ziehen Sie sich denn um, im Elternhaus oder in der Kabine?

Bargfrede: (lacht) Ganz sicher in der Kabine.

Aber anschließend gibt es für die Mannschaft ein Grillfest bei Bargfredes im Garten, oder?

Bargfrede: Wir haben tatsächlich überlegt, die Mannschaft in unser Restaurant in Zeven einzuladen. Aber da wir Samstag und Sonntag frei haben, sind die meisten froh, schnell nach Hause zu kommen.

Das ist dann wohl der größte Unterschied zum Amateurfußball, denn mit einem freien Wochenende vor der Brust wäre so eine Einladung ein Traum…

Bargfrede: (lacht) Das stimmt. Aber das ist auch der Unterschied zu mir. Ich kann meine Familie jeden Tag sehen, meine Kollegen nicht – und die freuen sich dann auf so ein Wochenende, um in die Heimat zu fahren.

Auf wen freuen Sie sich am Freitag am meisten?

Bargfrede: Eigentlich auf Sebastian Sautner – das ist mein Trauzeuge. Der ist aber leider verletzt. Das ist echt schade, weil wir schon viel gefrotzelt haben, was auf dem Platz passieren wird. Aber es gibt da ja auch noch ein paar andere Bekannte.

Wird es womöglich unangenehm für Sie, müssen Sie aufpassen, nicht getunnelt zu werden?

Bargfrede: Die eine oder andere Drohung ist schon da (lacht). Nein, das ist alles nur Spaß, ich freue mich darauf.

kni

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