Werder-Coach lobt seinen Ex-Assistenten aus Freiburg – das Verhältnis ist aber nicht mehr so innig

Dutts Streicheleinheiten

+
Die gemeinsamen Anfänge in Freiburg: Als Robin Dutt (l.) 2007 das Kommando übernahm, beförderte er Christian Streich zum Assistenzcoach. Morgen treffen die Beiden in der Bundesliga zum zweiten Mal als Chefs aufeinander – Dutt von Werder, Streich von Freiburg. · Archivfoto: imago

Bremen - Die besonderen Wochen für Robin Dutt gehen weiter. Erst der Auftritt in Stuttgart, wo der neue Werder-Coach bisher wohnte und sozusagen ein Auswärtsspiel vor der Haustür hatte. Und morgen (15.30 Uhr) geht es im Weserstadion gegen den SC Freiburg.

Jenen Club, bei dem der 48-Jährige 2007 seine Karriere als Bundesliga-Trainer startete, den er zum Aufstieg führte und dem er noch immer eng verbunden ist. „In Freiburg hatte ich meine vier schönsten fußballerischen Jahre, das kann man schon so sagen. Es bestehen bis heute viele Freundschaften und Bekanntschaften.“ Der Draht zu Coach Christian Streich, der morgen auf der Freiburger Bank sitzt, glüht jedoch nicht mehr.

Noch länger als Dutt kennt Werders Sportchef Thomas Eichin den Trainer des Gegners. „Wir haben in der Jugend beim Freiburger FC zusammengespielt. Er war schon früher ein ungemein motivierender Typ und ein Klasse-Teamkollege“, erinnert sich der gebürtige Freiburger Eichin. Der etwas ältere Streich habe sich „ein bisschen um mich gekümmert. Es war nur ein Jahr, aber ich habe diese Zeit sehr genossen“, sagt Eichin.

Später, als Streich längst die U 19 des SC Freiburg trainierte, lernte auch Dutt den 48-Jährigen näher kennen. Im Sommer 2007 verließ der jetzige Werder-Coach die Stuttgarter Kickers und trat in Freiburg die Nachfolge von Urgestein Volker Finke an. Eine der ersten Amtshandlungen: Dutt krempelte das Trainerteam um und holte Damir Buric, mit dem er nun auch in Bremen zusammenarbeitet. Und Streich, der weiterhin die U 19 unter seinen Fittichen hatte, wurde zum Assistenzcoach befördert. „Bei drei Einheiten in der Woche war er dabei. Als Schnittstellentrainer, so haben wir das genannt. Um den Transport des Wissens von den Profis in die Fußballschule tagesaktuell zu haben“, erklärt Dutt: „Und natürlich war er dabei, wenn wir jeden Tag über Fußball diskutiert haben.“

So impulsiv oder auch schräg, wie Streich häufig am Spielfeldrand oder anschließend in Mediengesprächen auftritt, scheint er – zumindest hinter verschlossenen Türen – damals nicht gewesen zu sein. „Nach außen sieht es doch oft anders aus, als es tatsächlich ist. Er war immer ein sehr angenehmer Kollege und Fußballfachmann, dessen Meinung mir sehr wichtig war“, meint Dutt und ergänzt: „Wir haben vier Jahre lang hervorragend zusammengearbeitet, es hat richtig viel Spaß gemacht. Und seitdem schätzen wir uns.“

Werder-Training: Mielitz bekommt Ball ins Gesicht

Werder-Training: Mielitz bekommt Ball ins Gesicht

2011 trennten sich jedoch die Wege. Dutt folgte dem Lockruf von Bayer Leverkusen, Streich blieb in Freiburg und assistierte fortan Marcus Sorg. Als dieser Ende Dezember wegen Erfolglosigkeit gefeuert wurde, rutschte Streich in die erste Reihe und kriegte mit dem Abstiegskandidaten die Kurve. Unter anderem durch ein 2:0 in Leverkusen am 31. März 2012, dem einzigen Aufeinandertreffen der morgigen Gegner als Cheftrainer und Dutts letztem Spiel als Bayer-Coach. Noch während der Partie wurde er von den eigenen Fans übel verhöhnt („Robin Dutt, auf Wiedersehen. Oh, wie ist das schön!“), was Streich auf die Palme brachte. „Der Mensch soll anderen Menschen so etwas nicht antun. Ich habe gedacht: Was ist das denn jetzt, höre ich richtig? Ich hoffe, dass die Menschen reflektieren, wenn sie nach Hause gehen, weil: Das geht nicht!“, polterte er. Geholfen hat die Rückendeckung nicht, am Tag darauf musste Dutt seine Sachen packen. Er verschwand von der Bundesliga-Bildfläche, ging als Sportdirektor zum DFB und ist erst seit seinem Wechsel zu Werder wieder zurück.

Kontakt zwischen den Beiden gibt es mittlerweile aber nur noch selten. Wohl auch, weil Streich alles andere als amüsiert war, als Werder im Mai Führungsspieler Cedric Makiadi aus Freiburg wegkaufte – ganz kurz vor Ablauf von dessen Ausstiegsklausel. „Ein Schock“ sei das gewesen, gestand Streich damals. Inzwischen beißt er sich auf die Zunge, sagte im „kicker“: „Ich will kein Öl ins Feuer gießen.“

„Sie werden es

wieder schaffen“

Obwohl das einst so innige Verhältnis inzwischen abgekühlt scheint, verfolgt Dutt das Wirken seines ehemaligen Co-Trainers mit großem Interesse und lobt: „Es ist richtig gut, wie er Freiburg weiterentwickelt hat.“

Natürlich weiß der Bremer Coach auch, „wie der Kollege grundsätzlich über Fußball denkt“. Ein Vorteil sei das für morgen aber nicht unbedingt, denn: „Sein taktisches Repertoire ist sehr breit. Ich kann nur versuchen zu antizipieren, welches Register er zieht.“

Bislang sind Streichs Ideen in dieser Saison noch nicht so recht aufgegangen. Mit vier Punkten und noch ohne Sieg ist der SCF Vorletzter. „Sie haben aber schon gegen Bayern, Dortmund und Leverkusen gespielt – und gegen Bayern sogar einen Punkt geholt“, betont Dutt. Dass im beschaulichen Breisgau der Trainer, der seinen Vertrag im Mai langfristig verlängert hat, ins Wackeln gerät, glaubt der Werder-Coach ohnehin nicht: „Wie in Bremen wird auch in Freiburg die Ruhe bewahrt. Dieser Verein hat schon viele schwierige Situationen überstanden. Sie werden es wieder schaffen und im Mittelfeld landen. Da mache ich mir gar keine Sorgen.“ · mr

DHB-Team bei WM als Gruppensieger in K.o.-Runde

DHB-Team bei WM als Gruppensieger in K.o.-Runde

Amtseinführung von Donald Trump: Die Fotos vom Kapitol

Amtseinführung von Donald Trump: Die Fotos vom Kapitol

Werder-Abschlusstraining am Freitag

Werder-Abschlusstraining am Freitag

Korallen und Wesen aus der Tiefsee in Berlin zu sehen

Korallen und Wesen aus der Tiefsee in Berlin zu sehen

Meistgelesene Artikel

Knackige Gegner, knackige Sätze: Werder mit "richtig Bock" gegen den BVB

Knackige Gegner, knackige Sätze: Werder mit "richtig Bock" gegen den BVB

Neue Chance für Maximilian Eggestein

Neue Chance für Maximilian Eggestein

Janek Sternberg darf bleiben

Janek Sternberg darf bleiben

Nouri trotz Personal-Sorgen optimistisch: "Wir sind bereit!"

Nouri trotz Personal-Sorgen optimistisch: "Wir sind bereit!"

Kommentare