Dutts Heim-Auswärtsspiel

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Zwei, die sich gut verstehen: Fredi Bobic (r.), Sportvorstand beim VfB Stuttgart, ist Werder-Coach Robin Dutt immer noch dankbar, dass der ihm vor einigen Jahren in einer schwierigen Situation geholfen hat. ·

Bremen - Heimspiel oder Auswärtsspiel? Eine eindeutige Antwort darauf kann Robin Dutt nicht geben. Wenn der Fußball-Lehrer morgen (15.30 Uhr) mit Werder Bremen beim VfB Stuttgart antritt, muss er natürlich auf der Gästebank Platz nehmen.

So gesehen ist es ein Auswärtsspiel für den 48-Jährigen. Aber: Zwischen Stadiontor und der Haustür des Anwesens Dutt im benachbarten Leonberg sind es nur wenige Kilometer. „Vielleicht eine Viertelstunde mit dem Auto“, sagt Dutt. Also doch ein Heimspiel für den Werder-Trainer?

Weil er sich selber nicht entscheiden kann, nennt Robin Dutt die Partie beim VfB einfach „ein besonderes Spiel“. Besonders, weil anders als in München, Hamburg, Berlin oder Hannover morgen wohl die komplette Familie Dutt auf den Rängen sitzt. Die Eltern, Ehefrau Daniela, dazu Freunde und Bekannte – „vorher“, sagt Dutt, „sind andere Emotionen dabei als sonst. Aber ich kann versichern, dass sich auch dieses Spiel bei Anpfiff anfühlt wie jedes andere Spiel auch“, erklärt der Wahl-Bremer.

Dann ist es eben Fußball, Kampf um den Ball, Kampf um die Punkte. Und den will Dutt gewinnen. Mit dem SC Freiburg ist ihm das in vier Versuchen zweimal gelungen, mit Bayer Leverkusen endete der einzige Anlauf unentschieden (2:2).

Morgen wird es ein Duell zweier Teams, die sich im Aufwind befinden – der VfB vielleicht mehr als Werder. Seit dem Trainerwechsel – Bruno Labbadia musste gehen, Thomas Schneider wurde vom U 17-Coach zum Cheftrainer befördert – haben die Stuttgarter zehn Punkte in vier Partien gesammelt. „Sie haben“, sagt Dutt, „so gesehen mehr Wind unter den Flügeln als wir. Aber wir sind mittlerweile auch so weit, dass man in Stuttgart nicht mehr wie selbstverständlich von einem Sieg gegen uns ausgeht.“

Er wird wissen, ob die VfB-Verantwortlichen zur Überheblichkeit neigen oder nicht. Schließlich kennt er viele seit Jahren. Sportvorstand Fredi Bobic zum Beispiel – kurioserweise gestern in Bremen für die DFB-Traditionself im Einsatz – durfte sich 2005 bei den Stuttgarter Kickers unter Trainer Robin Dutt fit halten. Bobic hat ihm das bis heute nicht vergessen: „Das war nach meiner Zeit bei der Hertha und meinem Bandscheibenvorfall. Da hat er mir sehr geholfen, weil es mir damals wirklich nicht gut ging.“ Da sich auch die Ehefrauen der beiden gut kennen, herrscht zwischen dem VfB-Funktionär und dem Werder-Trainer eine Freundschaft.

Es ist nicht die einzige Bande zwischen Dutt und dem Club aus seiner Heimatstadt. Auch Co-Trainer Tomislav Maric erfreute sich einst der Duttschen Gastfreundschaft bei den Kickers. Und mit Nachwuchs chef Ralf Becker „habe ich zusammen auf dem Bolzplatz gestanden. Den kenne ich 30 Jahre und länger“, verrät der Bremer Coach, der auch mit Vertretern aus VfB-Aufsichtsrat und -Präsidium bestens vertraut ist.

Bei derart vielen Verknüpfungspunkten verwundert es fast, dass Robin Dutt nie VfB-Trainer geworden ist. Er grinst bei diesem Thema, sagt vorsichtig: „Es gab häufiger Kontaktpunkte. Aber die Situation war nie so, dass es von meiner Seite zu finalen Gesprächen kam. Ich weiß auch nicht, ob es geklappt hätte. Denn als Bundesliga-Trainer gibst du 90 Prozent deines Privatlebens auf, das ist einfach so. Aber wenn du dann auch noch Trainer in deiner Heimatregion bist, sind auch die letzten zehn Prozent wahrscheinlich weg. Deswegen muss man sich das gut überlegen.“

Klingt so, als hätte Robin Dutt („Ich hoffe, dass man mich noch ganz, ganz lange in Bremen behalten will“) keine Lust, vor der eigenen Haustür zu arbeiten. So, wie es Thomas Schaaf 14 Jahre lang in Bremen gemacht hat. Und so, wie es jetzt auch Thomas Schneider in Stuttgart erlebt. Denn Schneider stammt – so klein ist die Fußballwelt im Schwabenland – aus Dutts Wohnort Leonberg, ist dort aufgewachsen. · csa/ck

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