Peer Jaekel ist der Videoanalyst bei Werder und entschlüsselt die Geheimnisse der Gegner

Dutts drittes Auge

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Der Dreh am Trainingsplatz gehört auch zu den Aufgaben von Peer Jaekel. Vornehmlich ist er aber damit beschäftigt, die Stärken udn Schwächen der kommenden Werder-Gegner zu analysieren und für seine Kollegen im Bremer Trainerteam aufzubereiten. ·

Bremen - Die Zeit der Alleinunterhalter auf den Trainerbanken der Bundesliga ist vorbei. Die Zahl der Co-Trainer wächst seit Jahren stetig. Eine der neuesten Errungenschaften ist die Arbeit der Videoanalysten.

Der gebürtige Bremer Peer Jaekel trägt als zusätzliches Auge des Trainers einen gehörigen Teil dazu bei, dass bei Werders Taktik ein Rädchen ins andere greift.

Kein Bundesligist kann es sich noch leisten, auf die Zuarbeit der Videoanalysten zu verzichten, manche haben sogar zwei. Die Männer mit dem geschulten Blick sind sogar bereits zu Transferobjekten geworden. So warb etwa der FC Bayern München im Sommer Lars Konetka vom FC Schalke 04 ab. Die Berufssparte zeigt, wie weit die Verwissenschaftlichung des eigentlich von Kampf und Leidenschaft getragenen Sports gediehen ist. „Fußball ist zu einem Geschäft geworden, in dem man es sich nicht leisten kann, einen noch so kleinen Stein vorher nicht umgedreht zu haben“, sagt Jaekel.

Der 31-Jährige ist im Sommer von Chefcoach Robin Dutt in den Trainerstab berufen worden. Seine Aufgaben sind es, das Spiel des Gegners am Bildschirm zu sezieren oder die Stärken und Schwächen des eigenen Teams zu analysieren. „Der neue Trainer hatte den Wunsch, das alles noch mehr zu intensivieren, er wollte gerne einen noch kürzeren Informationsweg haben“, erklärt Jaekel.

Seitdem glüht täglich der Draht zwischen dem 31-Jährigen, dem Torwarttrainer Marco Langner, dem Cheftrainer und Damir Buric – Dutts rechter Hand. „Da Peer Jaekel bei uns mit im Büro sitzt, kriegt er auch immer Imput von mir und Buric“, sagt Dutt, der bereits bei seinen Trainertätigkeiten in Freiburg und Leverkusen Videospezialisten im Team hatte. „Viele haben die Vorstellung, dass da ein Videoanalyst sitzt, der als einziger die bewegten Bilder analysiert. Aber so ist das bei uns definitiv nicht. Wir arbeiten Hand in Hand“, sagt Jaekel.

Das Gros der Analyse liegt aber eben doch im Aufgabenbereich Jaekels. Der 31-Jährige filmt für die Eigenanalyse Werders Trainingseinheiten, das Rohmaterial für die Spiel-Analysen bekommt er dagegen geliefert. „Es ist mittlerweile so, dass die DFL (Deutsche Fußball Liga, Anm. d. Redaktion) aus allen Bundesliga-Stadien bewegte Bilder von oben liefert. Dort sind immer alle 20 Feldspieler drauf, für Analytikzwecke perfekt“, erklärt Jaekel. Daraus lasse sich nicht nur das Geschehen in Ballnähe ableiten, sondern auch, wie sich jene bewegen, die nicht direkten Kontakt zum Ball haben, Laufwege, das Verhalten gegen den Ball oder Verschiebesituationen.

Jaekel schneidet taktische Sequenzen zusammen, die er für wichtig erachtet, und erstellt daraus zwei Präsentationsvorlagen, eine für Dutt mit dem Schwerpunkt Taktik des Gegners, die andere für Buric mit den individuellen Stärken und Schwächen.

Was daraus am Ende wird, ob er richtig beobachtet hat oder nicht, bekommt Peer Jaekel selten live mit. Denn ausgerechnet wenn Dutts Elf im Weserstadion spielt, fehlt er. Der ehemalige U 23-Spieler des SV Werder widmet sich dann der Gegner-Spionage. „Ich bin zu 99 Prozent immer in Dortmund oder Braunschweig“, sagt Jaekel. Der Spielplan-Zyklus wollte es in diesem Jahr so, dass diese beiden Mannschaften immer gegen Werders künftige Gegner spielen. „Das mit Dortmund ist für uns ungünstig, weil jedes Team gegen den BVB anders spielt als normal. Da stehen die Gegner hinten drin, werden die ganze Zeit gepresst. Da ist es hinterher vielleicht einfach zu sagen, Spieler X ist schlecht. Aber wenn ich Spieler X richtig Platz zur Entfaltung gebe, ist er vielleicht richtig gut“, erklärt Jaekel die Crux. Trotzdem ist das Videostudium unabdingbar. „Wir wollen immer mindestens die letzten beiden Spiele unseres kommenden Gegners analysiert haben“, sagt Dutt.

Drei bis vier Stunden dauere es, ein Spiel in seine Einzelteile zu zerlegen, sagt Jaekel: „Ich überlege mir, was sagt mir die Sequenz? War es gut oder schlecht? Lohnt es sich, die Szene nochmal anzuschauen? Wenn ich sie für wichtig erachte, überlege ich mir, in welche Kategorie ich die Sequenz ablege.“

Viel Detailarbeit, die sich im Optimalfall auszahlt. So wie beim Siegtreffer von Zlatko Junuzovic beim Spiel in Braunschweig, den Sebastian Prödl nur scheinbar mit einem blinden Befreiungsschlag vorbereitet hatte. Denn Zufall war es nicht, behauptet Jaekel: „Wenn man vorher Braunschweig analysiert hat, fiel einem auf, dass sie bei langen Bällen durchaus Verbesserungspotential in der Abwehrformation haben.“ Doch Jaekel würde nie sagen, dass es sein Erfolg gewesen sei. „Wir geben uns auch ein paar Prozentpunkte, wenn es mit dem Erfolg klappt. Aber letztlich sind es nun einmal die Spieler, die auf den Platz stehen“, sagt Jaekel.

So bleibt wohl, trotz aller Technisierung im Millionengeschäft Fußball, Alfred „Adi“ Preißlers Erkenntnis für die Ewigkeit bestehen: „Grau ist alle Theorie – entscheidend ist aufm Platz.“ · wie

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