Dutt versucht Werder aus der Krise zu kommunizieren – und Eichin eiert rum

Reden ist Silber, Siegen ist Gold, Verlieren das Ende

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Viel Redebedarf! In der Kabine erklärte Robin Dutt seinen Spielern, wie eine Krise zu bewältigen ist, auf der Pressekonferenz versuchte der Coach, die Journalisten von seiner Arbeit zu überzeugen.

Bremen - Robin Dutt griff in seinen bestens gefüllten Wortschatz und bastelte eine passende Weisheit zusammen. „Alle Lösungen in dieser Welt – ob sportlich oder nicht-sportlich – liegen im Bereich der Kommunikation. Nur in Extremsituationen wird nicht kommuniziert. Den Fehler machen wir nicht“, sagte der Coach des SV Werder gestern auf der Pressekonferenz zum heutigen Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Köln (20.30 Uhr/Sky). Er habe in dieser Woche sehr viel mit seinen Spielern gesprochen, und er redete auch sehr viel mit den Journalisten. Doch helfen wird ihm heute nur eines: ein Sieg. Ansonsten dürfte er seinen Job beim Tabellenletzten los sein.

Ein gewagter Ausblick? Thomas Eichin hätte gestern für Klarheit sorgen können. Und einen Moment lang sah es auch danach aus, als würde er dem neben ihm sitzenden Robin Dutt langfristig das Vertrauen aussprechen. Doch es kam anders – und zwar so:

Nachdem Dutt einmal mehr seinen Deal mit der Mannschaft („Ich kritisiere euch nicht öffentlich, dafür wird es intern umso deutlicher“) erklärt hatte, fragte ein Journalist: „Herr Eichin, haben Sie auch einen Deal mit Robin Dutt, der beinhaltet, wir richten uns nicht nach acht Spieltagen, sondern wir sehen das Entwicklungspotenzial, wir stehen das durch, egal was kommt?“ Die Antwort folgte sogleich: „Das ist kein Deal. Das ist die Art und Weise, wie wir seit 15, 16 Monaten miteinander arbeiten.“ Nachfrage: „Und beibehalten?“ Eichins Sofortantwort: „Natürlich.“

Was sich wie eine Jobgarantie anhörte, ist aber gar keine. Denn es wurde weiter gefragt, und dann irgendwann auch etwas anders geantwortet. „Ich bin doch kein Prophet. Was soll ich jetzt schon über Dinge sprechen, die passieren könnten – morgen Abend um 22.15 Uhr“, erwiderte Eichin auf die Was-wäre-wenn-Werder-verliert-Frage. Und den Verdacht, er sei auf den „worst case“ – also den Rauswurf von Dutt – längst vorbereitet und habe bereits mit anderen Trainern gesprochen, wollte er auch nicht ausräumen: „Die Frage wird mir seit fünf, sechs Tagen gestellt – und ich beantworte sie auch heute nicht.“

Dutt saß daneben und zeigte sich davon unbeeindruckt. Er beteuerte mehrfach, dass ihn die immer größer werdende mediale Kritik nicht störe: „Ich habe nicht das Gefühl, dass hier überzogen kritisiert wird. Das sind die ganz normalen Mechanismen, wenn ein Traditionsverein auf dem 18. Platz steht.“ Außerdem dürfe es ihn auch gar nicht belasten und verändern. „Wenn du in die Kabine kommst, wirst du von 50 Augen angeschaut. Die wollen wissen, wie ist der Trainer drauf, hat er noch Zuversicht. Da darf ich den Kopf nicht unten haben“, berichtete der 49-Jährige. Und seine Therapie? „Gespräche, Gespräche, Gespräche – im Büro, auf dem Platz, mit einem alleine, mit zwei Spielern, mit der ganzen Gruppe. Der kleinste Teil in dieser Woche war das Training.“ Den Erfolg seiner Sprechstunden habe er schon entdeckt, behauptete Dutt: „Wir haben wieder ein Funkeln in den Augen der Spieler hingekriegt.“

Das, so der Trainer, dürfe nun aber nicht durch das Publikum gleich wieder gelöscht werden. Denn auch bis zum Coach hat sich durchgesprochen, dass die Fans etwas ungeduldig geworden sind. Und so richtete Dutt einen flammenden Appell an die Zuschauer: „Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass die Mannschaft 90 Minuten lang vorbehaltlos unterstützt wird. Alles andere macht die Mannschaft nicht besser.“ Nach dem Spiel dürften die Fans ihren Emotionen freien Lauf lassen – und auch pfeifen.

Aber dazu soll es nicht kommen. Dutt hofft, dass „wir alle endlich mal wieder fröhlich sind“. Wie das sportlich gelingen soll, ist noch etwas unklar. Der Cheftrainer bastelt weiter an seiner Aufstellung, überlegt, welchen Einfluss das Bayern-Desaster auf seine Personalentscheidungen haben darf und welche Profis dem Druck nach acht sieglosen Partien gewachsen sind. Bei ihm sei das kein Problem, er mache sich den Druck selbst, weil er sich mit dieser Negativserie nicht abfinden könne, meinte Dutt und sprach aus, was in Bremen und umzu ohnehin alle denken: „Es gibt keine Alternative zum Sieg.“

kni

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