Dutt: Das sind die Leiden einer Übergangssaison

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Trost statt Kritik: Werder-Trainer Robin Dutt ging nach der 0:3-Pleite in Wolfsburg ziemlich nachsichtig mit Clemens Fritz und Co. um. ·

Bremen - Als nach einer Viertelstunde auch noch die Frage nach der 2:9-Schlappe der U 23 in Hannover kam, da seufzte Robin Dutt gestern Mittag laut auf: „Es reicht mir schon, unser schlechtes Ergebnis erklären zu müssen – sonst muss ich irgendwann auch noch etwas zu unseren D-Junioren sagen.“

Die Journalisten schmunzelten. Der Coach des SV Werder hatte es wieder einmal geschafft, sich wortgewandt und unterhaltsam aus einer kniffligen Situation zu befreien. Eine Daueraufgabe am Wochenende, denn die hochverdiente 0:3 (0:1)-Pleite am Samstag beim VfL Wolfsburg hatte durchaus Schockwirkung. So harmlos, so hilflos war der Bremer Auftritt gewesen. Platz 13 scheint in dieser Verfassung kaum zu halten zu sein.

Doch da widersprach Dutt vehement. „Warum soll es so bleiben?“, fragte er in den Katakomben des Weserstadions in die Runde und gab die Antwort sofort selbst: „Nach Saarbrücken haben wir in Braunschweig zurückgeschlagen – und nach Frankfurt in Hamburg. Es gibt also keinen Grund für mich, pessimistisch zu sein. Die Mannschaft hat immer gezeigt, dass sie sehr analytisch, sehr selbstkritisch, sehr kämpfersich mit diesen Situationen umgeht.“

Die Mannschaft scheint allerdings auch überfordert zu sein. Gegen spielstarke Wolfsburger liefen die Bremer von Beginn an nur hinterher. Dutts Maßnahme, in Ermangelung eines gesunden Stürmers zwei Mittelfeldspieler (Hunt und Junuzovic) als „falsche Neuner“ aufzubieten, konnte das Team nicht wie gewünscht umsetzen. „Der Plan ging nicht auf“, gestand Dutt. Gleiches galt für das Pressing und den Spielaufbau, der wegen einer gewaltigen Lücke zwischen Abwehr und Angriff irgendwann nur noch eine Variante kannte: lange Bälle. Sehr zur Freude von Naldo. „Das war einfach für mich“, verkündete der lange Ex-Bremer, der das Wolfsburger Tor quasi allein verteidigen konnte.

Mit nur neun erzielten Treffern nach zehn Spieltagen ist Werder so angriffsschwach wie seit 39 Jahren (Saison 1974/75: sieben Tore) nicht mehr. „Dass wir in der Offensive Nachholbedarf haben, das wissen wir“, meinte Dutt. Gleiches gelte für die Defensive. „Es gibt nach der letzten Rückrunde, nach den letzten drei Jahren hier einfach eine gewisse Arbeit“, erklärte Dutt zum wiederholten Mal und stellte klar: „Wir wollen nicht Deutscher Meister werden, sondern wir haben eine Übergangssaison – mit vielen Spielern, die sich sehr gut entwickeln werden.“

Dieser Entwicklungsprozess sieht momentan noch Zuspruch und keine öffentliche Schelte vor. So nahm Dutt sein Personal gegen die üblichen Verdächtigungen nach einer 0:3-Pleite ausdrücklich in Schutz. „Wir hatten kein läuferisches Problem, kein Mentalitätsproblem und auch kein Einstellungsproblem“, sagte der Coach und fügte erklärend an: „Das Verhältnis Laufstrecke/Ballbesitz hat nicht gepasst. Wir sind zuviel falsch gelaufen. Das war ein taktisches Problem.“ In der Tat hatte Werder am Ende drei Kilometer mehr auf dem Tacho als die Gastgeber.

Sein junges Team ohne Stars, die ein Spiel alleine entscheiden können, sei extrem darauf angewiesen, die Ordnung zu halten, philosophierte Dutt: „Das kann ich von meiner Mannschaft noch nicht an jedem Spieltag erwarten.“ Gegen Wolfsburg habe man gesehen, „wie zart dieses Gerüst ist, wenn bei drei, vier Spielern die Tagesform nicht stimmt. Dann kommt das Ganze ins Wackeln.“

Aber muss in diesen Momenten nicht der Trainer eingreifen und etwas auf dem Platz verändern? „Wenn das so wäre, dass wir mit ein, zwei Anweisungen noch ein perfektes Spiel hinkriegen, dann würden wir nicht seit drei Monaten über diese schwierige Situation hier sprechen“, verteidigte sich Dutt und holte sich Unterstützung bei seinem Mainzer Kollegen: „Thomas Tuchel hat neulich gesagt: Pep Guardiola ist einer der wenigen, die mit ein, zwei Anweisungen, das Spiel komplett verändern können. Das sehe ich auch so, das ist mit Bayern München möglich, mit Werder nicht.“

Die Noten der Spieler

Die Einzelkritik zum Werder-Spiel in Wolfsburg

So bittet Dutt einmal mehr um Geduld und verbietet Panikmache und Abstiegsangst. Zwölf Punkte aus zehn Spielen seien sicher nicht optimal, „und ich würde auch lieber in der oberen Tabellenhälfte stehen“, aber in der neuen Drei-Klassen-Gesellschaft der Bundesliga fühlt sich der Coach im Mittelfeld durchaus wohl: „Damit kann ich in dieser Übergangssaison ganz gut leben.“ · kni

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