Co-Trainer Rolff nimmt seine Beurlaubung professionell zur Kenntnis

„Dutt ist eine gute Entscheidung für Werder“

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Wolfgang Rolff blickt optimistisch in die Zukunft von Werder, obwohl er sie nicht mehr mitgestalten darf. ·

Bremen - Nach Thomas Schaaf nun also auch seine Assistenten: Die Co-Trainer Wolfgang Rolff, Matthias Hönerbach und Michael Kraft sind seit heute beurlaubt. Ihre Verträge laufen noch ein Jahr. Lediglich Athletikcoach Reinhard Schnittker darf bei Werder bleiben und unter dem neuen Coach Robin Dutt arbeiten. Wie Wolfgang Rolff darüber denkt und was er von Werder erwartet, verrät der 53-Jährige im Interview.

Herr Rolff, sind Sie traurig, dass Ihre Zeit bei Werder nach neun Jahren abgelaufen ist?

Wolfgang Rolff:Natürlich, es war eine schöne Zeit. Da ist auf jeden Fall eine Träne im Auge. Es wäre schöner gewesen, man hätte weiterarbeiten können.

Haben Sie Verständnis für die Entscheidung des Vereins?

Rolff:Die Ergebnisse stimmten in den letzten 13 Spielen nicht, wir haben nicht gewonnen. Dann muss man so eine Entscheidung akzeptieren.

Auch wie sie gefallen ist, direkt nach dem Klassenerhalt, einen Spieltag vor Schluss?

Rolff:Fußball ist kein Wunschkonzert. Der Verein hat so entschieden. So ist das Geschäft. Damit kann ich gut umgehen.

Wie geht es für Sie weiter?

Rolff:Die Beurlaubung war keine Überraschung für mich. Denn Trainer bringen heutzutage meistens ein Trainerteam mit. Robin Dutt hatte in Freiburg und Leverkusen sein Team.

Sie haben schon Ihren Umzug nach Köln verkündet, wo Sie sich kürzlich ein Spiel des Regionalligisten Viktoria Köln angeschaut haben. Werden Sie dort Trainer?

Rolff:Ich habe mit niemandem von Viktoria gesprochen. Ich war wegen des Benefizspiels von Per Mertesacker in Köln und habe mir bei dem Spiel den Sohn einer Bekannten angeschaut. Nach Köln gehen wir zurück, weil das immer mein erster Wohnsitz war, da haben wir ein Haus, da ist unser Domizil.

Werden Sie abwarten, was Thomas Schaaf macht?

Rolff:Wir werden uns natürlich absprechen, wie es weitergeht. Ich würde gerne als Cheftrainer arbeiten. Aber ich hätte auch Lust, mit unserem Team weiterzumachen.

Haben Sie aktuell noch Kontakt zu Thomas Schaaf?

Rolff:Wir telefonieren, aber nicht täglich.

Wie geht es ihm?

Rolff:Natürlich muss er das verarbeiten. Wie er das macht, das muss nicht über Dritte in die Öffentlichkeit gelangen.

Warum ist Werder in den vergangenen drei Jahren abgestürzt?

Rolff:Viele Spieler sind nicht an ihre Leistungsgrenze gekommen. Und es haben uns auch viele wichtige Spieler verlassen. Im Sommer haben wir dann etwas Neues probiert, auch ein neues System. In der Hinrunde wurde das noch als neuer Bremer Stil gefeiert. Doch nach der Winterpause war davon nicht mehr viel zu sehen. Da muss sich der eine oder andere Spieler hinterfragen, ob er auch alles dafür getan hat, sich für die Gemeinschaft einzubringen. Da hatten wir Probleme im Team.

Die Trainer sollen die Spieler an ihre Leistungsgrenze bringen. Welche Schuld hat also das Trainerteam?

Rolff:Wenn man nicht erfolgreich ist, haben alle Fehler gemacht.

Sie haben neulich gesagt, dass die Mannschaft zu langsam war, um das neue System erfolgreich umzusetzen. Hätten Sie schnellere Spieler verpflichten müssen?

Rolff:Die Spieler sind nicht zu langsam. Es geht darum, wie schnell man ein Spiel nach vorne bringen kann. Das beste Beispiel ist da Kevin De Bruyne, der ist nicht super schnell, aber er kann das Spiel lesen, den Ball super mitnehmen und damit gleich auf Tempo gehen. Viele andere konnten das nicht.

War De Bruyne zu gut für diese Mannschaft?

Rolff:Man muss schon mitlaufen, wenn einer auf Tempo geht. Da hatten wir Probleme.

Waren die anderen zu schlecht?

Rolff:Zu schlecht nicht. Aber wenn man nicht versucht, die Vorgabe des Trainers zu 100 Prozent umzusetzen, dann funktioniert es nicht.

Demnach sind Sie enttäuscht, was einige Spieler abgeliefert haben.

Rolff:Das kann man so sagen.

Hätten die Außenstürmer Marko Arnautovic und Eljero Elia das Spiel schneller machen können?

Rolff:Die Qualität dafür haben sie. Wir konnten sie als Trainer leider nicht so unter Druck setzen, weil uns auf den Außen die Alternativen gefehlt haben. Das brauchen sie aber, um auf einem hohen Level zu bleiben.

Kommen wir zu den vielen Gegentoren: War es zu riskant, mit sechs Offensiven spielen zu lassen?

Rolff:Nein. In der Hinrunde hat das funktioniert, da haben alle gut nach hinten gearbeitet. Aber in der Rückrunde wurden ein, zwei Schritte weniger gemacht – und dann funktioniert es eben nicht mehr.

Sie haben dann defensiver spielen lassen – war das kein Eingeständnis?

Rolff:Nein. Wenn man keinen Erfolg hat, dann muss man etwas verändern.

Nun verändert Werder die Besetzung des Trainerpostens. Was haben Sie gedacht, als Sie gehört haben, dass Robin Dutt der Schaaf-Nachfolger wird?

Rolff:Dass das eine gute Entscheidung für den Club ist. Er hat in Freiburg eine gute Mannschaft aufgebaut. Wenn er die Zeit hier bekommt, eine Mannschaft zu entwickeln, dann wird der Weg wieder ins internationale Geschäft führen.

Was muss noch passieren, damit Werder wieder erfolgreich ist?

Rolff:Drei, vier Schlüsselpositionen in der Mannschaft müssen neu besetzt werden. In der Innenverteidigung wurden viele individuelle Fehler gemacht. Nach dem Wechsel von Sokratis muss man da sowieso etwas machen. Auch Kevin De Bruyne geht weg, das ist ein großer Verlust – gerade, was die Tempowechsel betrifft. Da muss man sicher zwei Spieler holen. Und neben Nils Petersen muss noch ein weiterer Stürmer her, weil Denni Avdic verletzt ist und Joseph Akpala im Juni zum Confed-Cup nach Brasilien fliegt.

Meinen Sie mit Schlüsselpositionen auch den Torwart?

Rolff:Nein. Es war nicht leicht für Sebastian Mielitz als Nachfolger eines Nationaltorwarts. Er hat seine Sache gut gemacht – und er wird sicher auch in den nächsten Jahren die Nummer eins von Werder sein.

Was werden Sie vermissen?

Rolff:Die zahlreichen Mitarbeiter, aber auch die vier, fünf Rentner, die fast immer beim Training waren. Mit denen hatte ich viel Spaß. Ich bin einfach zufrieden mit der Zeit hier. · kni

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