Unerwarteter Bremer Torwart-Tausch

Dutt degradiert Mielitz – ein Neuer kommt aber nicht

Ungewohnte Perspektive: Sebastian Mielitz (Mitte) auf der Werder-Bank – doch daran muss sich der bisherige Stammkeeper in den kommenden Wochen gewöhnen. ·
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Ungewohnte Perspektive: Sebastian Mielitz (Mitte) auf der Werder-Bank – doch daran muss sich der bisherige Stammkeeper in den kommenden Wochen gewöhnen.

Bremen - Thomas Eichin kann den ganzen Rummel nicht verstehen. „Es hat schon so viele Torwartwechsel gegeben, da wollen wir kein großes Bohei draus machen“, sagte Werders Sportchef.

Die Bremer Verantwortlichen wollen die überraschende Degradierung vom bisherigen Stammkeeper Sebastian Mielitz und die Beförderung von Raphael Wolf möglichst kleinhalten – ein hoffnungsloses Unterfangen. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten zum brisanten Rollentausch der beiden Schlussmänner:

Wie und wann kam die Entscheidung zustande?

„Wir haben innerhalb der Mannschaft schon am Anfang der Woche relativ deutlich die Entscheidungsprozesse besprochen. Sebastian Mielitz und die Mannschaft wussten, was im Laufe der Woche passieren kann“, sagt Dutt. Im Trainerteam habe man „rauf und runter diskutiert, das Für und Wider abgewogen“. Wichtiger Ratgeber war dabei Torwartcoach Marco Langner, der laut Dutt „sportlich weiter zu 100 Prozent von ,Miele‘ überzeugt“ ist. Bei der Pressekonferenz am Donnerstag gab Dutt Mielitz zwar keine Einsatzgarantie – es entstand aber der Eindruck, als ob er den Torhüter nicht wechseln würde. Doch er tat es: Am Freitag vor dem Abschlusstraining fällte der Coach die endgültige Entscheidung und informierte seine beiden Keeper.

Warum muss Mielitz nach 47 Bundesliga-Spielen hinterein-ander plötzlich raus aus seinem Tor?

Die beiden Patzer gegen Mainz sollen angeblich nicht der Hauptgrund sein. Werder argumentiert mit dem großen Druck, der seit anderthalb Jahren auf Mielitz laste. „Die Pause wird ihm gut tun. Er braucht jetzt Zeit zur Selbstreflektion. Ihm Ruhe zu geben, ist das Beste für seine Entwicklung“, glaubt Dutt: „Warum wir ihn konkret schützen, werde ich aber nicht öffentlich sagen. Da kommen viele Faktoren zusammen.“ Offensichtlich gibt es inzwischen Zweifel an der mentalen Stärke des 24-jährigen Torwarts.

Welches Ziel verfolgt Werder?

Der grobe Fehler in Gladbach (als er einen Ball nach vorne abprallen ließ und Raffael traf) und das Abschiedsspiel von Torsten Frings (als Vorgänger Tim Wiese lautstark gefeiert wurde) waren zwei unangenehme Situationen für Mielitz. „Da standen wir als ganzer Verein wie eine Felswand hinter ihm. Da hat er eine gute Reaktion gezeigt“, findet Dutt. Nun aber denkt der Coach um und setzt auf den „Ulreich-Effekt“. Stuttgarts Keeper Sven Ulreich wurde im Februar 2011 von Trainer Bruno Labaddia auch mal aus dem Tor genommen, musste aber schon nach einem halben Spiel wieder rein, weil sich Marc Ziegler verletzt hatte. „Seitdem hält Ulreich anders. Er ist ein herausragender Torhüter geworden“, sagt Dutt.

Wie geht es Mielitz nach der Degradierung?

Das sagt er nicht. Nach dem Hoffenheim-Spiel und auch gestern lehnte er Gesprächsanfragen ab. „Er konnte die Entscheidung verstehen“, behauptet Dutt: „Aber dass er nicht Hurra geschrien hat, ist klar.“

Was passiert nach der Bundesliga-Hinrunde?

Das ist offen. „Bis Weihnachten bleibt Raphael Wolf im Tor, dann bewerten wir die Sache neu“, kündigt Dutt an: „Beide machen die Vorbereitung, werden ihre Spiele bekommen. Und danach treffen wir eine Entscheidung.“ Die Hoffnungen des Trainers: Wolf hält bis dahin stark – und Mielitz greift mit frischer Kraft wieder an. „Wenn ich mich dann schweißtreibend für einen entscheiden muss, ist unser Weg aufgegangen. Ich glaube, dass beide gestärkt aus dieser Situation herauskommen, mindestens aber einer.“

Holt Werder im Winter einen neuen Torwart?

„Das kann ich ausschließen“, versichert Dutt: „Es gibt keinen Wunsch oder Auftrag von mir an Thomas Eichin, der besagt: ,Such mir einen neuen Torhüter.‘ Ich bin von Mielitz und Wolf überzeugt.“

Die Noten der Werder-Spieler

Raphael Wolf: Ein äußerst undankbares Bundesliga-Debüt. Erst zwei gute Taten, dann aber vier Gegentore. © nordphoto
Bei dreien war der 25-Jährige absolut machtlos, beim 2:3 durch Vollands Kopfball etwas zu zögerlich beim Herauskommen. Note 3,5 © nordphoto
Theodor Gebre Selassie: Sejad Salihovic machte mit dem Tschechen, was er wollte. Der Hoffenheimer schlug von links immer wieder brandgefährliche Bälle rein, der Bremer konnte fast keinen davon verhindern. Auf seiner Lieblingsposition als Rechtsverteidiger erschreckend schwach in Defensive und Offensive. Note 5,5 © nordphoto
Assani Lukimya: Hatte viel Arbeit und einige Mühe mit TSG-Sturmbulle Sven Schipplock. Note 4 © nordphoto
Luca Caldirola: Der Italiener hat im Abwehrzentrum schon deutlich souveränere Spiele gezeigt. Zu passiv bei Vollands Kopfball zum 3:2 für Hoffenheim. Note 4 © nordphoto
Santiago Garcia: Stümperhaft, wie er den ersten Elfmeter verursachte. Auch sonst wackelte der argentinischer Linksverteidiger bedenklich. Nach vorne wenig Impulse. Note 5 © nordphoto
Clemens Fritz: In der ersten Halbzeit ging der Kapitän als einer von zwei „Sechsern“ mit unter. Dann immerhin mit großem Einsatz – und er bereitete das 3:4 vor. Note 4 © nordphoto
Cedric Makiadi: Schaffte es nicht, Ordnung ins Spiel zu bekommen. Wirkte fahrig und leistete sich einige krasse Fehlpässe. Zudem Verursacher des zweiten, allerdings umstrittenen Elfmeters. Note 5 © nordphoto
Eljero Elia (bis 45.): Viel war vom Rechtsaußen nicht zu sehen, aber dann stand er ein Mal richtig und staubte zum 2:2 ab (45.+1). Zur Halbzeit gelb-rot-gefährdet ausgewechselt. Note 4 © nordphoto
Aaron Hunt: Ein Elfmetertor zum 1:2, eine Vorlage zum 2:2, dazu per Ecke am 4:4 beteiligt. Der Vizekapitän war der unermüdliche Antreiber bei den beiden Aufholjagden. Note 2 © nordphoto
Mehmet Ekici (bis 70.): Farblos in der ersten, lebendig in der zweiten Halbzeit. Hatte beim Comeback in der Startelf einige gute Offensivaktionen. Note 3,5 © nordphoto
Franco Di Santo: Als einzige Spitze hing er vor der Pause ziemlich in der Luft. Aber auch später an der Seite von Nils Petersen war der Argentinier kaum gefährlich. Seine beste Aktion: Der Doppelpass mit Hunt vor dem 2:2. Note 4 © nordphoto
Nils Petersen (ab 46.): Brachte nach sechswöchiger Verletzungspause (Innenbandanriss) gleich ordentlich Schwung rein – und war effektiv. Das Tor zum 3:4 (59.), die Vorlage zum 4:4: starkes Comeback. Note 2,5 © nordphoto
Philipp Bargfrede (ab 70.): Furiose Rückkehr des Bremer Sorgenkinds. © nordphoto
Vier Monate hatte er verletzt gefehlt, nun meldete er sich mit seinem ersten Bundesligator zurück und bescherte Werder mit dem späten 4:4 einen Punkt. Note - © nordphoto

Muss Mielitz um einen neuen Vertrag zittern?

Ja. Zwar sagt Sportchef Thomas Eichin über den Torwartwechsel: „Für die Perspektive bedeutet das nichts.“ Er sagt aber auch: „Jetzt ist nicht der Zeitpunkt, um über eine Verlängerung zu sprechen.“ Der 47-Jährige will Leistung sehen – und die wird Mielitz, dessen Kontrakt im Sommer 2014 ausläuft, bis zur Winterpause nicht zeigen können. Wahrscheinlich, dass erst während der Rückrunde über Mielitz’ Zukunft entschieden wird.

Gibt es eine Rotation in der Rückrunde?

Unwahrscheinlich, dass Dutt ständig wechselt: „Mein Wunsch ist es, einen stabilen Torwart zu haben, der die Saison durchspielt.“

Was sagt die Mannschaft zum Torwartwechsel?

Kritik gibt es nicht. „Wir stehen alle hinter ,Miele‘, aber auch hinter ,Rapha‘“, sagt Eljero Elia brav. „Beide sind positive Kerle“, ergänzt Philipp Bargfrede. Nils Petersen kennt „keinen feineren Sportsmann als ,Miele‘. Er hat wirklich Teamgeist, wird die Entscheidung akzeptieren und respektieren. Es ist natürlich nicht einfach für ihn, aber er muss damit klarkommen. Jetzt hat Raphael seine Chance.“ · mr

Irres Spiel: Hoffenheim - Werder Bremen 4:4

Werder Bremen hat in einem Wahnsinnsspiel mit drei Elfmetern und acht Toren den Sturz in die Krise abgewendet. Bei 1899 Hoffenheim kamen die Hanseaten nach einem 0:2 und 2:4 zurück - sie erkämpften sich durch das erste Bundesligator von Philipp Bargfrede (90.+1) am Ende ein 4:4 (2:2). © dpa
Werder Bremen hat in einem Wahnsinnsspiel mit drei Elfmetern und acht Toren den Sturz in die Krise abgewendet. Bei 1899 Hoffenheim kamen die Hanseaten nach einem 0:2 und 2:4 zurück - sie erkämpften sich durch das erste Bundesligator von Philipp Bargfrede (90.+1) am Ende ein 4:4 (2:2). © dpa
Werder Bremen hat in einem Wahnsinnsspiel mit drei Elfmetern und acht Toren den Sturz in die Krise abgewendet. Bei 1899 Hoffenheim kamen die Hanseaten nach einem 0:2 und 2:4 zurück - sie erkämpften sich durch das erste Bundesligator von Philipp Bargfrede (90.+1) am Ende ein 4:4 (2:2). © dpa
Werder Bremen hat in einem Wahnsinnsspiel mit drei Elfmetern und acht Toren den Sturz in die Krise abgewendet. Bei 1899 Hoffenheim kamen die Hanseaten nach einem 0:2 und 2:4 zurück - sie erkämpften sich durch das erste Bundesligator von Philipp Bargfrede (90.+1) am Ende ein 4:4 (2:2). © dpa
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