Dufner: „Ich freue mich wahnsinnig“

+
In Freiburg gab es für Robin Dutt und Dirk Dufner jede Menge zu bejubeln. ·

Bremen - Von Björn Knips. Gemeinsam haben sie den SC Freiburg zurück in die Bundesliga gebracht, nun wollen sie zwei norddeutschen Clubs helfen: Robin Dutt als Trainer des SV Werder Bremen und Dirk Dufner als Sportchef von Hannover 96.

Dufner hat dabei sicher den leichteren Job, weil es den Niedersachsen sportlich und finanziell etwas besser geht. Aber gerade in den vergangenen Tagen war auch bei „96“ nicht alles so einfach, wie der 45-Jährige im Interview vor dem Duell mit Werder am Sonntag (17.30 Uhr/Weserstadion) verrät.

Herr Dufner, ich soll Sie schön von Ihrem Freund Robin Dutt grüßen und Ihnen sagen, dass die Punkte am Sonntag in Bremen bleiben.

Dirk Dufner:Das sagt er? Klingt ziemlich nassforsch! (lacht) Ich meine, wir können beide die Punkte gerade sehr gut gebrauchen. Deshalb werden wir vor dem Spiel keine Einigung hinbekommen.

Sie haben in Freiburg gemeinsam großen Erfolg gehabt – was zeichnet Ihr Verhältnis aus?

Dufner:Der Club und die Fans waren zerrissen in Pro-Volker-Finke und Contra-Volker-Finke. Wenn man in so einer Phase gemeinsam zu einem Verein kommt, dann lernt man sich intensiv kennen und schätzen.

Ärgern Sie sich, dass Sie Werder vor einem Jahr als Allofs-Nachfolger abgesagt haben, schließlich würden Sie jetzt wieder mit Robin Dutt zusammenarbeiten?

Dufner:Ob ich da abgesagt habe oder nicht, dazu möchte ich mich nicht äußern. Ich hätte nichts dagegen, irgendwann mal wieder mit Robin zusammenzuarbeiten. Und ich gehe davon aus, dass wir beide noch ein bisschen im Business tätig sein werden. Wir müssen ja jetzt nicht innerhalb von kürzester Zeit zueinander finden.

Werder würde Dutt sicher auch nicht hergeben.

Dufner:Verständlicherweise. Robin kann sehr, sehr gute Aufbauarbeit leisten und ist sehr akribisch. Er hat auch eine gute Ansprache an die Spieler. Werder hat einen Toptrainer bekommen.

Dutt hat Freiburg 2011 verlassen, Sie im April 2013 – warum?

Dufner:Ich war sechs Jahre dort. Ich habe in dieser Zeit immer wieder Angebote abgelehnt. Aber irgendwann denkst du dann doch mal darüber nach, einen weiteren Schritt zu machen, zu einem größeren Verein zu gehen. Bei Hannover hat alles gestimmt. Und in Freiburg war es auch so, dass der Trainer (Christian Streich, Anm. d. Red.) in einigen Dingen lieber alleine entscheiden wollte.

Was konnten Sie in Hannover schon bewegen – und was haben Sie mit 96 vor?

Dufner:Die Mannschaft hatte für hannoversche Verhältnisse sehr großen Erfolg, war aber altersmäßig über dem Zenit. Da ging es erst einmal darum, die Mannschaft zu verjüngen - soweit das in einer Transferperiode möglich ist. Das werden wir fortsetzen. Zudem haben wir im Jugendbereich noch viel Potenzial. Wir werden einen zweistelligen Millionenbetrag in ein neues Nachwuchsleistungszentrum investieren, denn wir müssen noch mehr Talente im Profi-Bereich integrieren. Das ist unsere Zukunftsaufgabe.

Das ist auch Werders Ansatz: Bringen die beiden Ex-Freiburger Dufner und Dutt den norddeutschen Clubs bei, wie man Talente in die Bundesliga bringt?

Dufner:Das Freiburger Modell kann man weder auf Hannover noch auf Werder eins zu eins übertragen, weil wir viel größere Vereine sind. Bei Freiburg ist es auch die Hauptphilosophie des Vereins. Die Jugendarbeit, Ausbildung und Durchlässigkeit zu den Profis ist dort vorbildlich.

Warum kann das Freiburg besser als Hannover?

Dufner:Hannover macht das auch schon ganz gut. Aber die Durchlässigkeit zu den Profis war nicht gerade vorbildlich. Das ist aber enorm wichtig – auch für das Empfinden im Unterbau. Du brauchst Beispiele, damit der Ehrgeiz der Spieler und Trainer angefeuert wird. Und du musst oben im Verein das Vertrauen schaffen, dass die Talente so gut ausgebildet sind, dass sie weiterhelfen. Das ist ein unglaublich positiver Weg, der den Verein näher zusammenrücken lässt. Die Fans finden das auch toll. Man kann auf dem Transfermarkt Geld sparen und auch mal gut ausgebildete Spieler für eine große Summe verkaufen. Und es gibt noch einen wichtigen Vorteil.

Welchen?

Dufner:Ich will uns jetzt wahrlich nicht mit dem FC Barcelona vergleichen. Aber die bilden ihre Jungs genau so aus, wie sie sie in der ersten Mannschaft haben wollen. Damit haben sie einen gewaltigen Vorteil gegenüber Neuzugängen.

Dafür benötigt man als Club aber die eine Spielphilosophie – hat Hannover die?

Dufner:Daran arbeiten wir.

Hannover 96 hat Werder in den letzten Jahren in der Tabelle überholt – wie würden Sie die beiden Clubs in der Bundesliga einordnen?

Dufner:Bremen ist nach wie vor der größere Club, hat eine ganz andere, erfolgreichere Historie. Bremen war immer auch ein Stück weit Vorbild für Hannover. Momentan hat Werder eine schwierige Phase. Hannover 96 hat deutlich aufgeholt und ist mitten in einer guten Entwicklung, die wir aktiv gestalten wollen.

Allerdings nicht auswärts: Vier Spiele, null Punkte, null Tore – warum ist Hannover in dieser Saison in der Fremde so schwach?

Dufner:Es soll keine Ausrede sein, muss aber erwähnt werden: Wir haben in Gladbach, bei den Bayern, in Dortmund und in Leverkusen gespielt. Spektakulärer geht’s kaum, oder?

Also beginnt Ihre Saison auswärts erst in Bremen?

Dufner:So würde ich das natürlich nie sagen. Aber klar: Wir wollen unbedingt auswärts punkten – und Bremen ist nicht Dortmund oder Bayern.

Ihr Team hat große Probleme im Sturm: Didier Ya Konan ist verletzt, Mame Diouf gesperrt, nur zwölf Tore in zehn Spielen – was wollen Sie da tun?

Dufner:Wir sind schon auf der Suche, um uns im Winter im Sturm zu verstärken.

Das Wir deutet Einigkeit an. Die gab es zuletzt in der Führungsebene nicht. Präsident Martin Kind hat Sie und Trainer Slomka für die Verschwörungstheorien nach dem Hoffenheim-Spiel und die Lüge im Zuge des Cherundolo-Ausfalls öffentlich kritisiert. Wie angespannt ist die Stimmung?

Dufner:Dass der Präsident sich Journalistenfragen nicht verweigert, das weiß man. Ich bin aber mehr ein Freund davon, dass man Dinge intern regelt. Wenn meine Angestellten einen Fehler machen, dann trage ich das nicht nach außen, sondern schütze sie eher noch. Das ist der bessere Weg. Wir haben die vergangenen Tage intern kritisch aufgearbeitet und unsere Schlüsse gezogen. Das waren richtig gute Gespräche.

Also hängt diese Geschichte noch nach?

Dufner:Der Präsident hat ja mit vielen Dingen auch Recht. Für mich ist wichtig, dass man aus Fehlern die richtigen Schlüsse zieht.

Warum haben Sie behauptet, Cherundolo könne verletzungsbedingt nicht spielen, obwohl eine fehlende Spielberechtigung der Grund war?

Dufner:Du erfährst das ein paar Minuten vor dem Spiel, willst keinen Wirbel und triffst unter Zeitdruck eine falsche Entscheidung. Das war totaler Blödsinn.

Kind hat auch Ihre harte Kritik am Schiedsrichter nach der 1:4-Pleite angeprangert.

Dufner:Es gab aus unserer Sicht eine klare Tendenz auf dem Platz. Das habe ich kommentiert – selbstverständlich unter dem emotionalen Eindruck des Spiels.

Sie haben gesagt, dass es Hannovers Pech war, als erster Club nach dem Phantomtor gegen Hoffenheim zu spielen. Der Schiedsrichter würde nach der Geschichte sicher alles tun, damit Hoffenheim nicht wieder Unrecht erfahre. Hat Werder nun das Pech, auf Hannover zu treffen?

Dufner:Nein, es sieht ja offensichtlich niemand so, dass wir Unrecht erfahren haben, wenn ich so die Medien verfolge. Auch wenn Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel die Schiedsrichterleistung öffentlich kritisiert hat.

Noch mal zurück zu Robin Dutt: Sie haben ihn 2004 bei der EM in Portugal zufällig kennengelernt, weil sie dieselbe Unterkunft hatten. Gibt es zehn Jahre danach in Brasilien ein Revival?

Dufner:Das ist eine gute Idee, das müssen wir mal besprechen. Damals hat ein gemeinsamer Bekannter ein Ferienhaus gemietet. Da sind wir uns das erste Mal über den Weg gelaufen, hatten aber nicht dasselbe Zimmer . . . (lacht).

Wollen Sie Robin Dutt vorab auch noch einen Gruß schicken?

Dufner:Lieber Robin, ich freue mich wahnsinnig auf unser Wiedersehen am Sonntag in Bremen. Auch wenn es ein bisschen komisch für uns beide sein wird, dass wir dann Konkurrenten sind. Ich habe die Überzeugung, dass Du mit Damir Buric und Marco Langner, die ich ja auch noch bestens kenne, Dein Team sehr gut vorbereiten wirst. Ich komme allerdings mit Hannover 96 zu Dir, um das Spiel zu gewinnen.

Mehr zum Thema:

Honey als Känguru, Kakerlakenregen und viele Tränen: Tag elf im Dschungelcamp

Honey als Känguru, Kakerlakenregen und viele Tränen: Tag elf im Dschungelcamp

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Wie werde ich Fitnesskaufmann/-frau?

Wie werde ich Fitnesskaufmann/-frau?

Meistgelesene Artikel

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Borussia Dortmund im Schnellcheck

Borussia Dortmund im Schnellcheck

Kommentare