Düsseldorf-Coach Meier freut sich auf den Abstiegskampf mit seinem Ex-Club Werder

„In Bremen ist man verwöhnt“

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Norbert Meier hat in seiner Werder-Zeit fast nur Otto Rehhagel als Trainer erlebt.

Bremen - Er spielte fast ein ganzes Jahrzehnt (1980 - 1989) für Werder Bremen und wurde 1988 Deutscher Meister mit den Grün-Weißen, doch am Samstag ist Norbert Meier ein ganz unangenehmer Gegner: Der 54-jährige Trainer will Aufsteiger Fortuna Düsseldorf mit einem Sieg in Sicherheit bringen – und er könnte damit Werder extreme Abstiegssorgen bereiten.

Wie Meier darüber denkt, ob er zuletzt mit seinem Ex-Spieler Assani Lukimya gelitten hat und was er von seinem Ex-Bremer Leon Balogun erwartet, erklärt der Coach im Interview.

Woran denken Sie als erstes, wenn Sie auf Werder treffen?

Norbert Meier:Werder gehört eben auch zu den Gegnern, die wir diese Saison bespielen. Das hat nichts mit irgendwelchen privaten Banden oder meiner Geschichte als Ex-Spieler zu tun. Wir bereiten uns auf dieses Spiel vor wie auf jedes andere.

Hätten Sie damit gerechnet, dass Sie am 29. Spieltag mit Werder um den Klassenerhalt kämpfen?

Meier:Grundsätzlich ist es erst einmal so, dass wir vor einigen Jahren noch in der Dritten Liga bzw. in der Regionalliga gespielt haben und Werder damals in der Champions League war. Dass wir jetzt aufeinandertreffen, zeigt doch, dass unsere Entwicklung nicht so schlecht war. Es ist schön, dass man sich mit solchen Mannschaften messen darf, die den deutschen Fußball in den letzten Jahren so gut in Europa vertreten haben.

Bei Werder ist das allerdings einige Jahre her – und in Bremen ist man alles andere als erfreut, mit Düsseldorf um die Klasse zu kämpfen.

Meier:Das ist nicht mein Problem. Wir freuen uns auf diese Partie. Es war schon im Hinspiel ziemlich knapp. Dass Werder punktemäßig nicht so weit ent-eilt ist, beweist doch, dass wir als Aufsteiger bislang ganz gut mitgehalten haben.

Kann Ihre Fortuna besser Abstiegskampf als Werder?

Meier:Das weiß ich nicht. Wir sind Last-Minute-Aufsteiger, haben eine ganz neue Mannschaft zusammengestellt, die sich erst finden musste. Bislang haben wir das ganz gut gelöst. Natürlich gibt es da Dellen in einer Saison. Aber unser oberstes Ziel ist es ja auch, die Klasse zu halten. Wenn wir das schaffen, dann ist das genauso viel wert wie der Aufstieg.

Ist die Fortuna deshalb besser auf diese psychologisch schwierige Situation im Tabellenkeller vorbereitet als Werder mit den internationalen Ansprüchen?

Meier:Natürlich ist man in Bremen verwöhnt durch gewisse Jahre, als es gut lief, als vieles in die richtige Richtung ging. Aber es ist nun mal so: Werder war schon zu meiner Zeit ein sehr gut geführter Verein, der nie über seine Verhältnisse gelebt hat. Und dementsprechend verhält sich der Verein jetzt und stellt sich auf die Gegebenheiten ein.

Sind Sie überrascht, dass es bei Werder in dieser Saison so schlecht läuft?

Meier:Ich weiß nicht, ob ich überrascht sein soll. Wir schauen in erster Linie auf uns.

Ihre Mannschaft kann mit einem Sieg einen entscheidenden Schritt zum Klassenerhalt machen – wie bedeutend ist die Partie am Samstag?

Meier:Natürlich können wir das. Aber ich sehe das ganz gelassen. Wenn man uns vor der Saison gesagt hätte, wir haben vor dem 29. Spieltag einen Vorsprung von fünf Punkten auf den Relegationsplatz, dann hätten wir das dankend unterschrieben. Vielleicht haben einige nach der Hinrunde mit 21 Punkten gedacht, dass schon das Wesentliche geklärt ist. Aber wir wussten, dass dem nicht so ist. Darauf haben wir uns eingestellt.

Glauben Sie, dass Augsburg und Hoffenheim noch herankommen?

Meier:Natürlich ist das möglich. Im Fußball kann vieles passieren. Da muss man immer schön ruhig auf dem Teppich bleiben und dann die nötigen Punkte einsammeln.

Sie haben sicher die folgenschweren Fehler von Werder-Verteidiger Assani Lukimya in Mainz und gegen Schalke gesehen. Leidet man da als Ex-Trainer mit?

Meier:Nein. Es ist nicht meine Aufgabe, ehemalige Spieler zu kritisieren oder aufzubauen. Es gibt da einen Trainer in Bremen, der schon so lange dabei ist, der wird schon genau wissen, wie er mit Assani umzugehen hat.

Sie sprechen die lange Amtszeit von Thomas Schaaf an. Blickt man als Trainer ein bisschen neidisch nach Bremen, wo der Club dem Coach stets den Rücken stärkt?

Meier:Das liegt doch an dem Erfolg, den Thomas mit Werder hatte. Das hat den Verein in seiner Sichtweise doch immer bestätigt. Ist er eigentlich schon länger da als Otto Rehhagel?

Nein, noch nicht, das wäre erst im Juli der Fall.

Meier:Okay, das ist ja nicht mehr lange. Das wäre wirklich eine Leistung – auch vom Verein. Da verliert man nicht sofort die Nerven und neigt nicht zu irgendwelchen Panikgeschichten.

Ihr Sportchef Wolf Werner war auch viele Jahre in Bremen – wird bei der Fortuna mehr über Werder als über andere Clubs gesprochen?

Meier:Na ja, da, wo man gespielt hat, das bleibt einem schon nahe. Es war ja auch eine wunderschöne Zeit für mich. Thomas Schaaf gehört ja auch zu der Spielergeneration, die bei Werder diese Aufbauarbeit betrieben hat. Werder war abgestiegen, da bin ich dazugekommen. Wir sind sofort wieder aufgestiegen, haben dann jedes Jahr international gespielt und sind Meister geworden. Das ging alles recht zügig. Das vergisst man natürlich nicht.

Haben Sie noch Kontakt zu Thomas Schaaf?

Meier:Bei Trainertagungen sieht man sich. Aber wenn Sie in diesem Job tätig sind, dann leidet so mancher Kontakt schon einmal.

Sie haben einen Bremer in Ihrer Mannschaft, Leon Balogun – wie hat er sich entwickelt?

Meier:Leon ist durch Verletzungen anderer Spieler in die Mannschaft gekommen und hat seine Sache bisher ganz ordentlich gemacht. Auch bei ihm ist noch nicht die Spitze erreicht. Mit ihm muss man weiter arbeiten. Aber das ist völlig normal bei uns. Wir haben sehr viele Spieler, die noch nicht in der Bundesliga gespielt haben, da ist jede Partie ein besonderes Ereignis.

Worauf müssen sich die Werder-Profis am Samstag einstellen, wird es brennen auf dem Rasen?

Meier:Das weiß ich nicht. Aber die Spiele werden weniger und deshalb auch immer wichtiger. Unsere Mannschaft wird hier sehr gut unterstützt, die Zuschauer können die Dinge sehr gut einschätzen.

Ist es ein Duell auf Augenhöhe?

Meier:Grundsätzlich ist der Kader vom SV Werder ganz anders bestückt als unserer, aber das können wir eigentlich jede Woche sagen. Es ist schön, dass wir das wissen, aber trotzdem wollen wir punkten. Dafür werden wir am Samstag alles tun. · kni

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