Wie Ignjovski, Bargfrede und Ekici ihr Leben als Reservisten ertragen / Allofs ist glücklich

Die Drei in der Warteschleife

Glücklich sieht anders aus: Für Aleksandar Ignjovski, Mehmet Ekici und Philipp Bargfrede (Bild) verlief die Saison bislang völlig unbefriedigend – da hilft der Zuspruch von Trainer Thomas Schaaf auch nur bedingt. n Fotos: nph, imago

Bremen - Klaus Allofs zuckt mit den Schultern. „Es können eben nur 18 Spieler in den Kader und nur elf beginnen“, sagt der Sportchef des SV Werder Bremen und spricht von „harten Entscheidungen“, wenn Trainer Thomas Schaaf vor Bundesliga-Spielen aussortiert. 

Drei hat es in dieser Saison besonders hart getroffen: Aleksandar Ignjovski, Philipp Bargfrede und Mehmet Ekici – einst Kandidaten für die Startelf, nun können sie über jede Einsatzminute froh sein.

Allofs sieht es ganz pragmatisch: „Wir waren schon lange nicht mehr so gut besetzt. Da gibt es keinen Qualitätsverlust bei einem Ausfall. Darüber sind wir sehr glücklich.“ Die Spieler finden es nicht so toll – ihre Saisonbilanz:

Aleksandar Ignjovski

1 BL-Spiel (66 Minuten)

1 Pokal-Spiel (120 Minuten)

„Es ist nicht einfach für mich“, gesteht der 21-Jährige. Hinter ihm liegt eine Achterbahnfahrt. In der Vorbereitung schien er ohne Chance auf die Startelf zu sein, dann war der junge Serbe plötzlich als linker Verteidiger drin – und nach nur zwei Partien wieder draußen. Es folgten „sieben Spiele, null Minuten“, wie Ignjovski sichtlich enttäuscht anmerkt: „Ich weiß nicht woran es liegt, da müssen Sie den Trainer fragen.“

Aleksandar Ignjovski

Gesagt, getan. „Vom Einsatz her ist das bei ihm immer okay“, lobt Schaaf den giftigen Defensivspezialisten. „Es ist eine schwierige Situation, wenn man warten muss“, fügt der Coach noch verständnisvoll an. Aber eine genaue Erklärung, warum Ignjovski zwar immer im Kader, aber nie auf dem Platz steht, bleibt der 51-Jährige schuldig – öffentliche Einzelkritik gibt es von ihm eben nur äußerst dosiert. Dafür klärt Allofs auf: „Iggy hatte am Anfang einfach einen Hänger, war körperlich nicht so gut drauf. Das ist aber gerade in seinem Spiel ganz wichtig.“ Ein Qualitätsproblem sieht Allofs nicht, das würden auch die vielen Einsätze in der serbischen Nationalmannschaft beweisen. Dort ist Ignjovski in der WM-Qualifikation Stammspieler – als Sechser. Nationaltrainer Sinisa Mihajlovic sei sehr zufrieden mit ihm, berichtet Ignjovski. Sein Blick wird fröhlicher – und wie es seiner aggressiven Spielweise entspricht, fügt er noch an: „Ich gebe nicht auf, ich gebe Gas.“

Philipp Bargfrede

6 BL-Spiele (133 Minuten)

1 Pokal-Spiel (30 Minuten)

Auf den ersten Blick sind die Zahlen prima: Der 23-Jährige gehörte immer zum Kader und kam bei sieben von neun Pflichtspielen zum Einsatz. Allerdings insgesamt nur 163 Minuten. Das ist viel zu wenig für einen, der zwei Jahre lang Stammspieler vor der Abwehr war. „Das ist keine befriedigende Situation“, sagt Bargfrede: „Aber da muss ich durch.“ Allofs findet‘s „schade“, wie er sagt: „Philipp war zu einem ungünstigen Zeitpunkt verletzt und hat dann nicht so gut gespielt.“ Eine Innenbanddehnung im Knie Ende Juli kostete ihn nicht nur knapp zwei Wochen Vorbereitung, sondern auch den Stammplatz. Den hat sich Zlatko Junuzovic geschnappt – und in der Form des Gladbach-Spiels ist der Österreicher nur schwer zu verdrängen. „Die Mannschaft hat gut gespielt“, weiß auch Bargfrede und nennt seine wichtigste Aufgabe: „Ich darf jetzt nicht nachlassen.“

Mehmet Ekici

2 BL-Spiele (17 Minuten)

Mehmet Ekici

Ein freundliches Lächeln, ein kurzes Kopfschütteln – mehr Kommunikation lässt der 22-Jährige dieser Tage nicht zu. Dabei liegt ein gutes Wochenende hinter Ekici. Gegen Gladbach gab es endlich Einsatz Nummer zwei in dieser Saison. „Er schlägt die Ecke zum 4:0“, hebt Allofs zudem hervor: „Es ist wichtig, auf sich aufmerksam zu machen.“ In sieben Minuten ist das gar nicht so einfach. Und sieben Minuten entsprechen so gar nicht dem Anspruch eines Mehmet Ekici, für den Werder vor einem Jahr rund fünf Millionen Euro Ablöse bezahlt hat. Nur vier Mal hat er es in dieser Saison in den Kader geschafft. Da ist es schon erstaunlich, dass er in dieser Zeit genauso oft bei der türkischen Nationalmannschaft dabei war und ihn Trainer Abdullah Avci zuletzt in der WM-Quali gegen Ungarn sogar von Beginn spielen ließ. Bei Schaaf ist das aktuell undenkbar. Allofs hat darüber mit dem Coach gesprochen und folgende Hausaufgabe an Ekici verteilt: „Er muss sich aufdrängen und dem Trainer zeigen, dass er es besser als die anderen macht.“ · kni

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