Heute gegen Werder letztes Heimspiel für BVB-Trainer Jürgen Klopp / Der Liebeskummer wird groß sein

Zeit zu gehen für den größten Dortmunder Star

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Jürgen Klopp

Dortmund - Von Jürgen Koers. An einem nasskalten Dezemberabend 2014, Borussia Dortmund fremdelte gerade mit Tabellenplatz 16, schwärmte Jürgen Klopp: „Es wird den Moment geben in meinem Leben, wo ich nicht mehr Trainer dieser Mannschaft bin. Dann werde ich nichts mehr vermissen, als diese Fans und diese großartige Atmosphäre.“ In Krisenzeiten wähnten manche Beobachter diese warmherzige Einlassung bereits als Anzeichen einer gewissen Amtsmüdigkeit. Doch der Trainer schob die Nachfragen beiseite. Er habe nur einmal mehr seine „echte Liebe“ zum BVB und seinem Publikum bezeugen wollen.

Diese Episode mag nach klebrigem Pathos riechen. Doch Klopp sprach aufrichtig in diesem Moment. Wenn er nach sieben Jahren als Cheftrainer der Borussia heute zum letzten Mal in das pickepackevolle Stadion einläuft, dann ist Gänsehaut bei 80000 Zuschauern garantiert. Weil dieser fabulier-freudige Fachmann aus dem Süden so wunderbar überein passte mit dem immer noch gefühlten Malocherclub aus der westfälischen Metropole. Weil Klopp ehrliche Arbeit und „Vollgasveranstaltungen“ versprach und diese Ankündigungen auch einhielt. Weil der 47-jährige den wankenden Riesen dank seines erfolgreichen und mitreißenden Fußballs sportlich und dadurch auch wirtschaftlich in die internationale Beletage führte. Klopp verwandelte den eben noch beinahe insolventen BVB zu einer Adresse, die das englische Fachmagazin 4-4-2 zum „heißesten Club Europas“ kürte.

Klar, dass die Menschen ihm in Dortmund und Umgebung zu Füßen lagen. Klasse Fußball, flotte Sprüche, pure Emotionen – dieser Dreiklang verfing bei den fußballverrückten Ruhrpottlern. Beinahe von Beginn an war in dieser Beziehung der Trainer der Star. Auf dem Rasen reüssierten Barrios, Kagawa, Götze, Lewandowski, Reus. Im Fokus der Scheinwerfer stand meist Klopp. Weil er jeden einzelnen Spieler und die gesamte Mannschaft stetig besser machte. Solange die Ergebnisse stimmten, wurde auch kaum jemand der Rhetorik des diplomierten Sportwissenschaftlers überdrüssig. Doch dann, nach zwei Meisterschaften, einem DFB-Pokalsieg, dem Einzug ins Endspiel der Champions League und während zweier weiterer Vize-Meisterschaften, implodierte dieses vermeintlich so gefestigte Gebilde.

Klopps Art, Fußball spielen zu lassen, wurde dekodiert. Seine Worte fanden nicht mehr unwidersprochen Gehör bei seinen Spielern. Im vergangenen Sommer und Herbst vergrößerten verletzte und unfitte Spieler die Probleme der Borussia. Der Trainer fand die „Reset“-Taste nicht, einen echten „Plan B“ zum höchstintensiven „BVB-Fußball“ gibt es bis heute nicht. In Klopp reifte zusehends die Erkenntnis, „nicht mehr zu 100 Prozent davon überzeugt zu sein“, dass er der perfekte Trainer für diese Mannschaft sei.

Ist es ein nun Ende mit Schrecken? Mitnichten. Auf elegante Weise verhinderten der Fußballlehrer und BVB-Boss Hans-Joachim Watzke eine unangenehme Konfrontation unter Freunden. Watzke hatte Tränen in den Augen, als Klopp seinen Abschied ankündigte. Und das „moderne Fußball-Märchen“, das Manager Michael Zorc in der siebenjährigen Ehe gesehen hat, hat noch zwei Chancen auf ein glückliches Ende. Im letzten Bundesliga-Heimspiel gegen Bremen, dann im DFB-Pokalfinale gegen Wolfsburg. Holt Klopp für den BVB dort noch einen Titel, gibt es ein rauschendes Fest rund um den Borsigplatz und in der ganzen Stadt. Wenn nicht, wird der Liebeskummer umso größer ausfallen. Denn geliebt haben sie sich, die Borussen auf der Südtribüne und der Einpeitscher am Spielfeldrand. Sie werden sich vermissen.

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