Werder startet mit einem „Finale“ in den Liga-Endspurt / Allofs bremst Erwartungen

Dortmund überholen, Leverkusen jagen!

Von Carsten Sander · Schalke gegen Bayern, Dortmund kontra Werder – heute Nachmittag brodelt’s im „Pott“. Das Ruhrgebiet erlebt zeitgleich zwei absolute Fußball-Knaller. Während in Gelsenkirchen möglicherweise eine Vorentscheidung im Titelkampf fällt, zanken nur wenige Kilometer entfernt die Schwarz-Gelben mit den Grün-Weißen um das, was übrigbleibt.

Im besten Fall wäre das ein Platz in der Champions League, im schlechteren das Ticket für die Europa League. Letzteres hat Werder Bremen durch den Einzug ins DFB-Pokalfinale schon sicher, folglich bleibt nur die Champions League als Ziel für die restlichen sechs Bundesliga-Spieltage. Einige Spieler haben das schon klar artikuliert – und natürlich sind die Aussagen auch bis zu Dortmunds Coach Jürgen Klopp vorgedrungen. Sein Eindruck: „Die Bremer wollen bei uns nur kurz den Sieg mitnehmen und dann weiter Leverkusen jagen.“

Präzise erkannt, Herr Klopp! Aus dem einen Punkt Rückstand auf den BVB soll heute ein Vorsprung von zwei Zählern werden. Und mit der Unterstützung der Frankfurter Eintracht, die den aus der Erfolgsspur geratenen Tabellendritten Bayer Leverkusen empfängt, könnte der Abstand auf den dritten Champions-League-Platz von fünf auf drei oder zwei Zähler schmelzen.

Das wäre der Idealfall. Doch weil Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs diese Planspiele radikal-optimistisch erscheinen, dreht er an der Erwartungsschraube. „Erstmal geht es für uns nur darum, auf Platz vier zu kommen – das ist unsere unmittelbare Aufgabe. Wenn uns das gelungen ist, können wir immer noch schauen, was darüber hinaus möglich ist“, sagt er.

Kleines Plus: Die Bremer können das Restprogramm ziemlich entspannt angehen. Denn das Auffangnetz Europa League ist längst gespannt. Das macht locker. Und weil sich Werder in der laufenden Saison der Zusatzbelastung des internationalen Wettbewerbs – fraglos unfreiwillig – entledigt hat, ist auch der Kopf frei für den Liga-Endspurt. Trainer Thomas Schaaf: „Wir haben auch mal zwei Tage ausspannen können. Das ist wichtig. Zuletzt sind wir ja nur von Spiel zu Spiel gehetzt, da bleibt auch mal ’was auf der Strecke.“

Die Konzentration für Dortmund ist jetzt aber „voll da“, beteuert Schaaf. Bei ihm sogar ausschließlich auf die Borussia und nicht auf Fernziele wie die Champions League. So viel Zeit hat er dann doch nicht, meint der 48-Jährige: „Da bin ich nicht mit meinen Gedanken.“

Jürgen Klopp geht’s angeblich nicht anders. „Übergeordnete Dinge spielen bei mir keine Rolle“, behauptet er. Amüsant findet er es sogar, dass die Partie bei einigen Werder-Profis finalen Charakter besitzt. „Und hinterher“, schmunzelt Klopp, „stellt man dann – egal wie es ausgegangen ist – doch fest, dass noch alles möglich ist…“

Andere Voraussetzungen würden da schon im nahen Gelsenkirchen gelten. Klopp: „Wenn die Schalker sich mit fünf Punkten von den Bayern absetzen, ja, dann kann man sicherlich von einer Vorentscheidung im Titelrennen sprechen.“

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