Der Meister zwischen Brillanz und Schonkost – da platzt Coach Klopp schon mal der Kragen / Spiel in Bremen wird wegweisend

Dortmund leidet am Sahin-Vakuum und der Kagawa-Krise

Shinji Kagawa steckt im Leistungsloch – auch das ist ein Grund, weshalb Meister Borussia Dortmund bislang wenig meisterlich auftritt. ·

Dortmund · Chris Löwe (22), BVB-Neuzugang vom Chemnitzer FC, hatte an diesem Abend schlicht Pech. Borussia Dortmund hatte sich in der Länderspiel-Pause gerade zu einem 2:1-Sieg im Testspiel gegen den Fünftligisten SF Siegen gequält, da platzte Trainer Jürgen Klopp (44) ob der blutleeren Vorstellung der Elf der Kragen.

Der Vulkan in Klopp brodelte, und sein Zorn ergoss sich wie heiße Lava über den armen Löwe, der nach Spielschluss rein zufällig in der Nähe des Dortmunder Trainers stand. Die Kopfwäsche hatte es in sich, und Löwe, der gegen Werder den weiter verletzten Marcel Schmelzer (Muskelfaserriss) vertreten wird, schlich wie ein begossener Pudel in die Kabinen.

Nun lässt sich trefflich über die Aussagekraft eines Tests streiten, den der Deutsche Meister ohne zehn bei ihren Länderauswahlmannschaften weilende Nationalspieler bestritt. Die Szene entbehrte dennoch nicht einer gewissen Symbolkraft.

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Nach dem Gewinn der siebten deutschen Meisterschaft (Klopp: „Da haben wir Gesetzmäßigkeiten außer Kraft gesetzt!“) ist der BVB wieder in der Normalität angekommen. Beim Saisonstart gegen Hamburg (3:1) brillierte er, doch schon drei Niederlagen nach acht Spieltagen zeugen auch von Fußball-Schonkost. Zwei Bundesliga-Siege in Serie (2:1 in Mainz, 4:0 gegen den FC Augsburg) haben zuletzt den schwachen Saisonstart einigermaßen abgefedert. „Mit den Punkten aus dem verlorenem Spiel gegen Berlin“, sagt Klopp, „wäre es sogar ein guter Saisonstart.“

Das Spiel des Meisters hat sich dennoch verändert. Dortmund zelebriert nicht mehr Fußball und zaubert nur noch sporadisch. Die Situationen, in denen sich auf der Tribüne Raunen mit Staunen paart, sind selten geworden. Stattdessen quittierten die Anhänger die Darbietungen wie beim 1:2 gegen Berlin zur Pause auch schon mal mit Pfiffen – das hatte es in der Ära Jürgen Klopp schon lange nicht mehr gegeben.

Nach wie vor schlägt Borussia Dortmund zu wenig Kapital aus seinen Möglichkeiten. Das „kicker“-Sportmagazin führte den BVB schon im Meisterjahr in der Kategorie der Chancenverwertung nur im unteren Drittel der Liga. Vor dem Sieg in Mainz war Dortmund in dieser Statistik Schlusslicht. Dass Stürmer Lucas Barrios (26) nach seinem Muskelbündelriss, den er sich Ende Juli im Finale der Copa America im Trikot Paraguays zugezogen hatte, bislang über Kurzeinsätze nicht hinaus gekommen ist, ist jedoch nur vordergründig eine Erklärung.

Dortmunds Spiel krankt in der kreativen Zentrale, in der Shinji Kagawa (22) ausdauernd im Formtief steckt. Seine Saisonbilanz klingt bislang ernüchternd: Nur ein Saisontor und keine Tor-Vorbereitung. Doch im Trikot der japanischen Nationalelf holte sich Kagawa am Dienstag Selbstvertrauen zurück. Beim 8:0 im WM-Qualifikationsspiel gegen Tadschikistan traf er zweimal und atmete auf: „Das gibt mir Auftrieb. Mental sind diese Tore eine Befreiung.“

Das wird Mario Götze, Deutschlands derzeit größtes Talent, gerne hören. Denn bis dato hatte der 19-Jährige die offensive Last nahezu komplett allein tragen müssen. Links steckt Kevin Großkreutz (23) wie Kagawa im Tief, rechts ist der Pole Jakub Blaszczykowski (25), seines Zeichens Kapitän bei EM-Gastgeber Polen, zum Einwechselspieler verkümmert. Immerhin hat Neuzugang Ivan Perisic (kam für 5,5 Millionen Euro aus Brügge) angedeutet, dass er eine offensive Verstärkung sein kann.

Die größte Baustelle beim Meister aber hat sich durch den Weggang von Nuri Sahin (23) aufgetan. Sahin war der Kopf des Meisterteams, auch erst 22 Jahre jung, aber schon mit fünf Profijahren und über 100 Bundesliga-Spielen auf dem Buckel. Er lenkte von der Doppel-Sechs aus das Dortmunder Spiel, er hatte den Blick für die freien Räume. Sahins Pässe kamen zentimetergenau, mit ihnen hebelte er die Abwehrreihen scheinbar mühelos aus. Ilkay Gündogan (20) traut Borussia Dortmund eine ähnliche Entwicklung zu. Noch aber ist der Neuzugang vom 1. FC Nürnberg mit dieser Rolle überfordert und trägt schwer an den permanenten Vergleichen mit Sahin.

Das Spiel in Bremen ist für den BVB ein wegweisendes Spiel. Niemand von der Führungstroika hat dem 4:0 gegen überforderte Augsburger allzu hohen Stellenwert beigemessen. Erst an der Weser wird sich zeigen, ob der Deutsche Meister wieder nach oben blicken darf. · dkr

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