Doppelspitze doppelt gefordert

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Lange hieß es: Entweder oder. Jetzt stehen Nils Petersen (li.) und Franco Di Santo seit drei Spielen gemeinsam auf dem Platz. Eigentlich schafft so eine Doppelspitze mehr Räume und damit mehr Tore. Doch davon ist bislang nichts zu sehen. „Das müssen wir uns ankreiden lassen“, sagt Petersen. ·

Bremen - Sie ist nicht ganz unumstritten, aber doch meist als Erstes zur Hand, wenn sich Fragezeichen auftun: die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Schlägt man in ihr mal unter dem Begriff „Stürmer“ nach, stößt man gleich auf zwei Scharfsinnigkeiten.

Die erste lautet: „Der Stürmer wird nach seiner Chancenverwertung beurteilt.“ Und bei der zweiten heißt es: „Stürmer helfen in der Regel nicht übermäßig bei der Verteidigung.“

Beide Grundwahrheiten dürften weder Nils Petersen noch Franco Di Santo derzeit gerne hören, denn bei Werders Angreifern herrscht seit sieben (Petersen) bzw. neun (Di Santo) Einsätzen Flaute auf dem Tore-Konto. Und da Trainer Robin Dutt die beiden seit drei Partien im Spielsystem als Doppelspitze einsetzt, rennen die Stürmer auch noch gegen den latenten Vorwurf an, dass nun in der Defensive ein Mann fehlen würde. Und in diesem sensiblen Bremer Bereich wird schließlich jeder dringend gebraucht.

„Man kann nicht sagen, dass wir beide lauffaule Spieler sind, die nicht mit nach hinten arbeiten“, stellt Petersen klar, „wir machen schon viel.“ Und Di Santo fügt hinzu: „Gerade die Stürmer müssen sich auch um die Defensive kümmern, und das klappt mit uns beiden sehr gut.“ Einig sind sie sich bereits und vielleicht schon auf dem Weg zu einer festen Einheit. Denn nach Meinung der Beteiligten funktioniert das System Doppelspitze bisher – auch wenn sich das noch nicht an Einschlägen im gegnerischen Tor ablesen lässt.

Petersen und Di Santo haben schnell gemerkt, wie sehr sie voneinander profitieren. „Für mich ist es immer besser, wenn ein zweiter Stürmer dabei ist“, erklärt Petersen, „denn der bindet Gegenspieler, und ich habe dadurch mehr Platz. Franco ist ein großer Typ, daher wird sich der größere Innenverteidiger eher zu ihm orientieren.“ Mehr Raum also für den Nebenmann, um sich selbst Chancen zu erarbeiten, während der Kollege die Abwehr beschäftigt.

Schon Werders ewiger Publikumsliebling Claudio Pizarro hatte diesen wichtigen Aspekt immer betont und leidlich für sich ausgenutzt. Und so war damals der Verlust seines Sturmpartners Hugo Almeida ein echter Tiefschlag für den Peruaner, der sich in mangelnder Torausbeute niederschlug. Es war eben kein fleischgewordener Bulldozer mehr da, der Pizarro den Strafraum frei räumte.

„Franco ist auch ziemlich massig“, meint Petersen mit einem Augenzwinkern, dennoch konnte das Duo noch nichts Zählbares zu den zwei Unentschieden und einem Sieg aus den letzten drei Partien beitragen. „Bei uns ist in der Offensive jeder für ein Tor gut“, glaubt Petersen dennoch. Der fünffache Saisontorschütze räumt aber auch ein: „Das haben wir in der Rückrunde noch nicht nachgewiesen und das müssen wir uns auch ankreiden lassen.“ Stürmer, die nicht treffen, müssen sich immer verteidigen. Doch Di Santo (nur ein Treffer in 13 Einsätzen) glaubt daran, dass die Tore schon von ganz alleine kommen, wenn die Mannschaft insgesamt noch ein bisschen besser zusammenfindet. Der Anfang sei gemacht. „Und ich würde gerne auch weiterhin mit Nils spielen“, sagt der Argentinier.

Versprechen kann ihm das Dutt nicht, obwohl auch er die Vorteile der Doppelspitze erkannt hat. „Wir können viel mehr Druck ausüben, was das offensive Mittelfeld angeht“, meint Dutt. Doch er habe sich davon verabschiedet, „in dieser Saison systemorientiert in die Zukunft zu schauen“. Immer wieder durchkreuzten Ausfälle seine Pläne. Aber obwohl Aaron Hunt gegen den Hamburger SV in die Startelf zurückkehrte, beließ es Dutt bei der Doppelspitze – obwohl sie eigentlich eine Notlösung während Hunts Verletzungsphase gewesen sein sollte. Nun wird aus der Not offenbar eine Tugend. Umso mehr, falls irgendwann auch noch die Chancen- und Torquote des Sturmduos steigen sollte. Derzeit ist es allerdings nicht wirklich vorstellbar, dass aus dem Duett Petersen/Di Santo einmal eine Erfolgskombination wird, wie es einst die Tor-Twins Miroslav Klose/Ivan Klasnic oder zuvor Pizarro/Ailton waren. · phi

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