Werder-Coach wirkt wie befreit und ist total entspannt

Dieser Schaaf macht Spaß

Schaaf lachend: Das gibt es inzwischen häufiger zu sehen. „Der Trainer lacht mehr als sonst, geht sehr positiv mit uns um“, urteilt Aaron Hunt. ·

Bremen - Es war eine DER Szenen der Vorbereitung. Im Trainingslager in Donaueschingen übten Kevin De Bruyne und Mehmet Ekici nach einer Einheit noch ein paar Torschüsse – und im Mittelkreis lag Thomas Schaaf (51) in der Sonne. Ganz entspannt auf der Seite, auf den rechten Ellbogen gestützt, mit seinem Handy hantierend. Erst telefonierend, dann vermutlich eine SMS schreibend oder Mails checkend. Eine Freibad-Pose. Fehlten eigentlich nur noch ein Handtuch, eine Badehose und ein kühles Getränk. Alle staunen über Schaaf!

Schaaf erklärend: Ob auf dem Trainingsplatz oder während des Spiels – der 51-Jährige kommuniziert sehr viel mit seinen Profis, hier (v.l.) Kevin De Bruyne, Johannes Wurtz und Mehmet Ekici.

Denn solche Sachen macht der Werder-Coach sonst nie. Auf dem Platz telefonieren? Es zulassen, dass sich dort, jenseits der Absperrung schon Fans tummeln, die Autogramme von den Stars wollen – wie im dritten Trainingslager geschehen? Eigentlich unvorstellbar! Aber dieser Moment auf dem satten und perfekten Grün von Donaueschingen zeigt wunderbar, wie sich der Dauerbrenner auf der Bremer Trainerbank (seit 1999 verantwortlich für die Profis) verändert hat. Schaaf hat wieder richtig Spaß an der Arbeit, ist total locker und offen. Er ist nach wie vor ehrgeizig, wirkt dabei aber nicht mehr so verbissen. Und er ist beliebt. In Donaueschingen brauchte der Coach meistens am längsten, um vom Feld zu kommen. Er schrieb geduldig Autogramme, plauschte noch ein wenig mit den Fans. Danach sprach er ausführlich mit den Journalisten. Eine Aufgabe, die er sonst – so der Eindruck – eher als lästig empfand. Da wirkte er oft knurrig, kurz angebunden, abkanzelnd. Nun streut er auch mal ein paar Sprüche ein.

Alle Fakten zu den Spielern

Werder Bremen: Alle Fakten zu den Spielern

Schaaf wirkt irgendwie wie befreit. So, als hätte er komplett auf Null gestellt und all den Ballast der vergangenen beiden Jahre abgeworfen. Die Sorgen, die er hatte in den schwachen Spielzeiten, die auf den Plätzen 13 und neun endeten – und eben nicht im sonst gewohnten internationalen Geschäft: wie weggewischt. Die sicher vorhandenen Ängste um „sein“ Werder Bremen und eine gute Zukunft: scheinen vertrieben. Der eisige Wind, der ihm vor gerade mal zwei Monaten ins Gesicht blies: hat sich gelegt.

Der „neue“ Schaaf ist gerade dabei, es seinen Kritikern so richtig zu zeigen. Denjenigen, die ihm vorwarfen, er sei taktisch zu versteift, könne nur die Raute aufbieten – und sonst nichts. Jetzt spielt Werder moderner und erinnert in der Offensive mit frischem Tempofußball schon wieder ein bisschen an alte Glanzzeiten.

Schaaf straft diejenigen Lügen, die es ihm nicht mehr zugetraut hatten, diese Mannschaft auch wirklich zu einer Manschaft zu machen, die ihm das Fingerspitzengefühl absprachen – vor allem im Umgang mit dem jungen Personal. Jetzt nimmt er seine Spieler viel häufiger zur Seite oder mal in den Arm, führt auf dem Platz oft und lange Einzelgespräche. Nicht nur mit einigen Wenigen, nicht nur mit den Stammkräften.

Schaaf arbeitend: Der Coach überwacht alles, sein Ehrgeiz ist ungebrochen. Regen? Egal!

Die Profis sind begeistert. Einst traute sich fast niemand, überhaupt etwas über den Coach und sein Auftreten zu sagen. Nun schwärmen sie. „Der Trainer gibt uns ein gutes Gefühl, seit dem ersten Tag der Saison“, hat Stümer Marko Arnautovic kürzlich gesagt und dabei wohl für alle seine Kollegen gesprochen. Aaron Hunt, seit 2004 bei den Werder-Profis und der beste Schaaf-Kenner aus dem aktuellen Kader, äußert sich ähnlich: „Der Trainer lacht mehr als sonst, geht sehr positiv mit uns um – das ist auffällig. Die Voraussetzung ist, dass wir gut spielen und trainieren. Das machen wir. Natürlich ist es angenehmer, wenn alle zufrieden sind. Etwas Besseres gibt es nicht in so einer Gruppe.“

Schaaf selbst würde nicht zugeben, dass er sich großartig verändert hat oder einiges anders macht. Doch es ist unverkennbar. Woher aber kommt dieser Wandel?

Vielleicht hat sein Umfeld auf ihn eingewirkt. Vielleicht setzt der gewaltige Umbruch, den er zu schultern hat, neue, frische Kräfte in ihm frei. Er meint: „Die Gemeinschaft funktioniert. Alle Neuen sagen, dass sie hier sensationell aufgenommen worden sind“ – offenbar auch von ihm. Vielleicht liegt es aber einfach nur daran, dass derzeit alles gut klappt. „Ich reagiere auf das, was ich erlebe“, erklärt der Coach: „Wenn gut gearbeitet wird, kann ich mich mehr daran erfreuen.“ Beim „Tag der Fans“ am Samstag wirkte er mächtig stolz auf sein neues Team, grinste ununterbrochen, als die Spieler nacheinander auf die Bühne traten. Ob er insgesamt mehr lacht? „Das weiß ich nicht. Ich kontrolliere nicht abends vor dem Spiegel, ob ich mehr Lachfalten bekommen habe.“ Ein trockener, aber amüsanter Schaaf.

Spannend bleibt aber die Frage, wie es aussieht, wenn es mal Probleme und ein paar Niederlagen am Stück gibt – und die momentane Super-Stimmung abflaut. Dann wird sich zeigen, ob sich Schaaf wieder verwandelt. · mr

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