Mielitz steigt extra früher ins Training ein, denn nun trägt er die Nummer eins bei Werder

„Diesen Traum muss ich festigen“

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Flugstunden am Weserstadion: Schon vor dem offiziellen Trainingsstart ließ sich Sebastian Mielitz eine Woche lang die Bälle um die Ohren hauen.

Bremen - Die Antwort ist ein typischer Mielitz: „Der Urlaub war ziemlich lang, meine Freundin musste wieder arbeiten, ich war allein zu Hause, da habe ich mir gedacht: Dann kann ich auch was tun.“ Sebastian Mielitz liebt einfache Erklärungen, und weil er sie – wie in diesem Fall – gerne mit einem Grinsen garniert, ist nicht immer ganz klar, ob er nicht nur einen Spaß macht.

Diesmal ist es ein halber Spaß. Denn neben der Einsamkeit trieb den 22-Jährigen noch etwas anderes eine Woche früher als die Kollegen auf den Platz: Nach dem Weggang von Stammkeeper Tim Wiese trägt Mielitz nun die Nummer eins beim SV Werder Bremen.

„Das ist das entscheidende Jahr für mich. Da will ich bestmöglich vorbereitet sein“, gesteht der Schlussmann. Zunächst hatte er sich von Michael Jürgen, dem Torwarttrainer der U 23, die Bälle um die Ohren hauen lassen. In den vergangenen Tagen übernahm dann Profi-Torwartcoach Michael Kraft den Ferienjob und lobte: „Das zeigt doch, wie heiß Sebastian ist.“

Auf diese Gelegenheit hat Mielitz schließlich sein Leben lang gewartet. „Ich war schon als kleiner Junge Werder-Fan und habe immer davon geträumt, in der Bundesliga im Tor zu stehen. Diesen Traum muss ich jetzt festigen“, sagt Mielitz, der seit 2005 im Verein ist. Eine Bilderbuchkarriere für den jungen Mann aus Brandenburg. Es ging immer voran, bis auf die Bank der Profis. Aber dann galt, so erinnert sich Mielitz: „Wenn Tim Wiese fit ist, spiele ich nicht. Aber jetzt ist Tim weg, jetzt sind die Chancen gut, dass ich richtig loslegen kann.“

Es ist nicht seine Art, so Sprüche zu klopfen wie „Jetzt bin ICH die Nummer eins.“ Aber an Selbstbewusstsein mangelt es ihm trotzdem nicht: „Ich habe in vielen Spielen bewiesen, dass ich es kann. Ich muss mich nicht verstecken.“ 15 Bundesliga-Partien hat er absolviert – und auch deshalb einen Vorteil gegenüber Raphael Wolf (24), der vom österreichischen Erstliga-Absteiger Kapfenberger SV geholt wurde. „Konkurrenz lauert nun mal an jeder Ecke“, sagt Mielitz ganz allgemein zum neuen Kollegen: „Es liegt an mir. Ich muss meine Leistung bringen und mich weiterentwickeln.“

Letzteres nicht nur sportlich, wie er zugibt: „Ich muss mich noch mehr präsentieren, den Vorderleuten noch deutlicher sagen, was ich will. Ich muss auch noch mehr Ruhe ausstrahlen, damit jeder weiß: Auf den da hinten im Tor können wir uns absolut verlassen.“ Kritikern ist er manchmal zu ruhig, besitzt zu wenig Ausstrahlung. Sie zeigen dann gerne auf Typen wie Tim Wiese oder Oliver Kahn, bei denen gelegentliche Vulkanausbrüche zum Programm gehören. „Ich mache keine Mitspieler fertig. Ich versuche, immer positiv zu sein, Und ich werde mich nicht verstellen, sondern so bleiben, wie ich bin. Der Trend geht doch ohnehin zum sachlichen Torwart“, behauptet Mielitz und verweist auf junge Kollege wie Ron-Robert Zieler (Hannover), Bernd Leno (Leverkusen) oder Sven Ulreich (Stuttgart). Die haben es geschafft. Sind die Nummer eins in ihren Clubs. „Eine verantwortungsvolle Aufgabe“, weiß Mielitz: „Natürlich werden jetzt alle Leute auf mich schauen. Jeder Fehler wird aufgedeckt. Aber dem stelle ich mich gerne. Ich danke Werder für das Vertrauen und freue mich auf die Aufgabe.“ Die dann heute auch ganz offiziell für ihn mit dem Trainingsauftakt beginnt. · kni

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