„Die Jungs müssen auf den Tag X vorbereitet sein“

Debütant: Lannart Thy.

Werder-Bremen - BREMEN (flü) · Manchmal geht alles ganz schnell. Als Lennart Thy am vergangenen Freitag um 14.30 Uhr aus der Schule kam, erhielt er eine SMS. Inhalt: „Du fährst mit den Profis nach Dortmund. Treffen am Bahnhof um 15.30 Uhr!“

„,Oh, geil‘, habe ich zuerst gedacht. Ich musste mich ganz schön beeilen“, schmunzelt der 18-Jährige, „eigentlich sollte ich am Wochenende in der U 19 spielen. Dass ich mit zum Bundesliga-Spiel fahren durfte, war der Hammer.“

Doch Thy war nicht nur Tourist im Signal-Iduna-Park. Der Offensivspieler wurde in der 70. Minute eingewechselt und feierte damit sein Bundesliga-Debüt, nachdem er vor einigen Wochen bei Tottenham Hotspur bereits wenige Minuten Champions-League-Luft geschnuppert hatte. „Es ist eine riesengroße Ehre für mich, dass ich jetzt zwei Einsätze bekommen habe“, strahlt Thy: „Am Anfang war ich schon ein wenig nervös, doch wenn du dann auf dem Platz stehst, blendest du das aus.“

Doch ganz so cool wie der U 17-Europameister scheint, ist er dann doch nicht: „Ich glaube, ich brauche noch eine Weile, bis ich realisiert habe, was da gerade mit mir passiert. So recht glauben kann ich es noch nicht.“ Familie und Freunde jedenfalls „sind alle sehr stolz auf mich und hoffen, dass ich noch weitere Einsätze bekomme“, sagt Thy, „ich werde weiter fleißig trainieren, und dann sehen wir mal, ob ich jetzt gegen Kaiserslautern wieder dabei bin.“ Doch egal, ob Profikader, U 23 oder U 19: „Ich konzentriere mich auf jedes Spiel gleich, jedes Spiel ist für mich wichtig.“

Eine Einstellung, die Thomas Wolter lobt. Der Nachwuchscheftrainer von Werder Bremen, übrigens der Absender der SMS an Thy am vergangenen Freitag, hält große Stücke auf den jungen Offensivspieler, der 2007 vom JFV Norden an die Weser gewechselt war. „Er ist bodenständig, ein Ostfriese eben“, schmunzelt Wolter, „einer, der mit so jungen Jahren schon mit beiden Beinen im Leben steht. Er überdreht nicht, er weiß, was er will.“ Dabei sei es nicht einfach für Thy, den Spagat zwischen Schule und Fußball zu meistern. Wolter: „Ich weiß nicht, wie oft wir ihn schon aus der Schule rausgeholt haben, und dennoch schreibt er nur 13 oder 14 Punkte.“ Nun, das wollte Thy nicht ganz so bestätigen, „aber es läuft ganz gut in der Schule, auch wenn ich so oft fehle. Das zieh’ ich jetzt durch“. Am Ende sollen im Frühjahr das Abitur und die Zugehörigkeit zum Bremer Profikader stehen. Thy: „Das wäre perfekt.“

Dass der Nachwuchskicker beides schaffen wird, davon ist Wolter überzeugt. „Er wird seinen Weg gehen“, sagt der 47-Jährige – und das mit ein wenig Stolz. Denn in Lennart Thy hat nach Dominik Schmidt (23) und Felix Kroos (19) der dritte Spieler aus der Bremer Nachwuchsabteilung in dieser Hinrunde sein Debüt in Werders Profikader gefeiert. „Natürlich liegt auch ein Grund darin, dass es bei den Profis so viele Verletzte gab“, weiß Wolter, doch diese Situationen seien es nun einmal, die den jungen Spielern die Chancen ermöglichen. „Es klingt zwar ein bisschen blöd, aber für viele junge Spieler bietet sich die große Möglichkeit, wenn im Profikader Probleme auftreten“, weiß Wolter – und er spricht aus eigener Erfahrung: „Auch ich bin so Bundesliga-Spieler geworden.“

In der Saison 1985/86 habe Werder „unheimlich großes Verletzungspech gehabt. Zuerst hatten sich Benno Möhlmann und Günter Hermann im ersten Spiel gegen Schalke verletzt, dann schied auch noch Wolfgang Sidka in der zweiten Partie gegen Hannover 96 aus“, erinnert sich Wolter: „Ich kam nach 20 Minuten rein und habe gezeigt, dass ich Bundesliga spielen kann.“ Was folgte, waren insgesamt 312 Erstligaspiele (zwölf Tore).

„Was ich damit sagen will, ist: Die Jungs müssen vorbereitet sein auf diesen Tag X, sie müssen bereit sein an diesem Tag. Ich hatte meinen Tag X damals gegen Hannover, ein Dominik Schmidt beispielsweise hatte ihn jetzt in Tottenham“, so Wolter.

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