Serie - 8. Teil: Wo spielt eigentlich . . . ? Marco Reich

„In Deutschland bin ich verbrannt“

Marco Reich beim Torjubel – das war beim Jagellonia Bialystok in Polen – seiner achten von mittlerweile zehn Profi-Stationen.

Werder-Bremen - KLAGENFURT · Die Frage wird Marco Reich immer wieder gestellt. Ob er nicht mehr aus seinem Talent hätte machen können? Die Antwort lautet stets: „Ich hätte mit Sicherheit mehr daraus machen können.“

Der Ex-Bremer startete furios in Kaiserslautern, erlebte in Köln sein Waterloo und kam bei Werder nicht auf die Beine. Der danach folgende sportliche Absturz führte ihn bis in die österreichischen Regionalliga, wo er aktuell für Austria Kärnten kickt.

Vom Talent her stand Marco Reich Ende der 90er Jahre auf einer Stufe mit Michael Ballack. Der gebürtige Pfälzer wurde Meister mit Kaiserslautern und debütierte 1999 unter Erich Ribbeck in der Nationalelf. „Ich habe gedacht, alles ist rosarot und schön“, sagte der heute 33-Jährige einst im Rückblick auf die gute Zeit. Danach ging es jedoch fast nur noch bergab. Für drei Millionen Euro ging Reich 2001 zum 1. FC Köln und zerbrach an dem Druck der damals hohen Ablösesumme. Werder zahlte ein Jahr später zwar nur noch einen Bruchteil (rund 250 000 Euro) für den äußerst sensiblen Profi, aber auf dem Rasen lief es für den Rechtsfuß auch nicht besser. Nur 17 Einsätze in anderthalb Jahren standen zu Buche. In 16 Partien wurde er dabei eingewechselt. Dennoch blickt der Familienvater gerne auf seine grün-weiße Zeit zurück: „Werder war spitze. Der Trainer, die Mannschaft, Klaus Allofs. Wir haben uns alle gut verstanden. Ich habe zwar nicht so oft gespielt, bekam aber das Gefühl, gebraucht zu werden.“

Ein halbes Jahr vor dem Double-Gewinn 2004 wechselte Reich in die englische 2. Liga und startete damit eine Odyssee durch England, der deutschen 2. Liga, Polen und Österreich (siehe Info-Kasten links). Seit diesem Sommer geht der gute Freund von Tim Borowski und Fabian Ernst nun für Austria Klagenfurt in der Regionalliga Mitte, der österreichischen 3. Liga, auf Torejagd.

Am vergangenen Freitag erzielte er beim 4:0 über DSV Leoben zwei Treffer. Ganze 400 Zuschauer im Klagenfurter EM-Stadion sahen den Doppelpack. Doch Marco Reich ist glücklich mit seiner Rolle. Keine Reue, aber auch kein Druck mehr. Der einmalige Nationalspieler erklärt: „Ich könnte nach wie vor in anderen Ländern in der ersten Liga spielen, wenn auch nicht in Deutschland. Da bin ich verbrannt. Aber ich fühle mich hier in Kärnten sehr wohl, bin glücklich und sehr dankbar für das, was ich bisher erleben durfte.“ · bis

Lesen Sie auch die bisherigen Folgen der Serie:

Serie Teil 6: Tjikuzu – der arbeitslose Abstiegs-Experte Serie Teil 5: Carlos Alberto - Der gescheiterte Wandervogel Serie Teil 4: Aymen Abdennour – auf dem Sprung zu Arsenal?
Serie Teil 3: Van Damme ist ein Star – aber nur in seiner Heimat
Serie Teil 2: Boubacar Sanogo in der Versenkung verschwunden
Serie Teil 1: Dusko Tosic – wieder ein Missverständnis?

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