0:3 - Werder wie ein Absteiger

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Der Anfang vom Ende: Lukas Podolski bejubelt seinern Treffer zum 1:0

Köln - Von Arne Flügge - Wo war er nur geblieben, der neue Geist, den Werder Bremen nach dem 2:1-Sieg gegen Hoffenheim heraufbeschworen hatte? Spötter würden sagen, er ist irgendwo zwischen Bremen und Köln auf der A1 aus dem Bus gefallen.

Denn was die Hanseaten gestern Abend im Auswärtsspiel beim 1. FC Köln zeigten, spottete jeder Beschreibung. Am Ende hagelte es eine verdiente 0:3-Niederlage, mit der die Bremer nun wieder ganz tief im Abstiegskampf stecken. In den letzten fünf Auswärtsspielen hat Werder zudem nicht mehr gewonnen. Vier Niederlagen, ein Remis, 0:14 Tore lautet die niederschmetternde Bilanz in der Fremde seit dem 4:1-Sieg am 23. Oktober in Mönchengladbach. Vor 45 100 Zuschauern im RheinEnergieStadion erzielten Lukas Podolski (7./84.) und Adam Matuschyk (33.) die Tore für die Kölner, die nun im Abstiegskampf wieder Hoffnung schöpfen dürfen. Werder ist in dieser Verfassung – das muss man so deutlich sagen – ein Abstiegskandidat.

Das Debakel in Bildern

0:3 in Köln - Werder weiter in der Krise

Bevor die Bremer überhaupt ins Spiel finden konnten, führte Köln schon mit 1:0: Fabrice Ehret war hinter dem Rücken von Clemens Fritz entwischt, sein Pass in den Rücken der Werder-Abwehr landete bei Lukas Podolski, und der Nationalspieler konnte den Ball völlig freistehend aus elf Metern per Linksschuss versenken. Bremens Philipp Bargfrede hatte „Poldi“ in der Strafraummitte auch nicht eng genug markiert (7.).

Die Bremer Antwort? Es gab keine. Werder war völlig verunsichert, ließ einen konstruktiven Spielaufbau komplett vermissen. Kein Druck, keine Ideen, keine Torchancen. Gefährlich wurde es nur einmal, als Kölns Abwehrspieler Pedro Geromel fast ins eigene Tor geköpft hatte (11.). Die Bremer Offensive war an Harmlosigkeit kaum zu übertreffen. Und die zuletzt beim 2:1 gegen Hoffenheim so gelobte Defensive? Sie ließ sich Doppelpack von „Poldi“ von der allgemeinen Verunsicherung anstecken. So geschehen in der 33. Minute, als Kölns Adam Matuschyk zunächst Petri Pasanen narrte, dann auch noch Torsten Frings entwischte und zum 2:0 der Gastgeber vollstreckte. Da blieb Trainer Thomas Schaaf auf der Bank angesichts dieses tölpelhaften Abwehrverhaltens nur fassungsloses Kopfschütteln.

Und es war eine zu diesem Zeitpunkt auch verdiente Führung der in allen Belangen überlegenen Gastgeber, denn der FC, vor der Partie mit 16 Punkten Tabellen-17., lebte den Bremern den Abstiegskampf mit Engagement und Willen vor. Werder (22/14.) reagierte nur, ließ die nötige Leidenschaft vermissen. Für ein Team, das unten drin steckt, war das viel zu wenig. Noch vor der Pause (39.) brachte Werder-Coach Thomas Schaaf für den jungen Felix Kroos (19) den offensiveren Marko Marin. Der wurde – wie schon beim 4:2 im Hinspiel – von den Kölner Fans mit üblen Schmährufen („Marin, du Sohn einer Hure“) empfangen.

Doch anstatt nun mehr Druck zu entwickeln, sahen sich die Bremer in die Defensive gedrängt. Und Werder hatte Glück, dass Slawomir Peszko seinen eigenen Mitspieler Milivoje Nowakowic anschoss – ansonsten wäre die Partie schon nach 50 Minuten entschieden gewesen. Erinnerungen wurden wach an die Bremer Spiele in Stuttgart (0:6), in Hannover (1:4) und auf Schalke (0:4).

Schaaf setzte nun alles auf eine Karte, brachte für den gelb-rot-gefährdeten Marko Arnautovic Neuzugang Denni Avdic und später auch noch Stürmer Sandro Wagner für Mittelfeldspieler Aaron Hunt. Doch Chancen erspielte sich Werder weiterhin kaum. Immer wieder war ein Fuß der Kölner dazwischen, unterband den Pass oder die Flanke. Einzig der eingewechselte Marko Marin mit einigen gelungenen Dribblings sowie Claudio Pizarro mit Balleroberungen aus der Tiefe stemmten sich gegen die Niederlage, die erneut Lukas Podolski in der 84. Minute endgültig besiegelte: Nach einem weiteren Abwehrfehler ging zunächst Peszko auf und davon, spielte zurück auf seinen Kapitän, und der versenkte den Ball cool zum 3:0. Werder war nicht nur geschlagen, Werder wurde wieder einmal auf des Gegners Platz regelrecht gedemütigt.

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