Gebre Selassie hat noch Umstellungsschwierigkeiten / Allofs: „Er muss Erfahrungen sammeln“

„Der Stil ist das größte Problem“

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Theodor Gebre Selassie hat in Bremen noch nicht gezündet.

Bremen - Zwischendurch wechselt er mal ganz kurz und mit einem Lächeln die Sprache, um zu zeigen, was er schon gelernt hat. „Zwei Mal in der Woche 90 Minuten“ habe er Deutschunterricht, sagt Theodor Gebre Selassie (25), der eigentlich lieber noch Englisch spricht, ausnahmsweise auf Deutsch.

Der Tscheche mit äthiopischen Wurzeln ist fleißig und arbeitet intensiv an seiner Integration – das klappt auf der Schulbank momentan aber besser als auf dem Fußballfeld. Beim 1:1 in Fürth war Werders Rechtsverteidiger schwächster Bremer.

Fotos vom Freimarkt

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„Theo hat nicht gut gespielt, er hat nicht so die Sicherheit und die Form“, urteilt Werder-Sportchef Klaus Allofs über den Neuzugang, für den er im Sommer 1,5 Millionen Euro an den tschechischen Meister Slovan Liberec überwiesen hat. Gebre Selassie ist ebenfalls nicht zufrieden mit sich: „Ich weiß, dass ich besser spielen kann und weiter an mir arbeiten muss.“

Mangelndes Engagement ist ihm dabei gewiss nicht vorzuwerfen. Im Sommer hatte er die EM gespielt, war mit Tschechien ins Viertelfinale (0:1 gegen Portugal) eingezogen. Doch anstatt danach mal richtig abzuschalten und sich von der zusätzlichen Belastung zu erholen, verkürzte Gebre Selassie seinen Sonderurlaub auf eigenen Wunsch und stieß schon während des Norderney-Trainingslagers zu seiner neuen Mannschaft. Möglicherweise war das zu viel des Guten, rächt sich dieser Ehrgeiz gerade ein bisschen.

Hauptgrund dafür, dass Gebre Selassie in Bremen noch nicht so richtig gezündet hat, ist aber nicht die EM oder deren Nachwirkungen, nicht Müdigkeit oder mangelnde Kraft – da sind sich Spieler und Sportchef einig. Vielmehr hat der Tscheche noch Schwierigkeiten, von Liberec auf Bremen und von der Gambrinus Liga auf die Bundesliga umzuschalten. „Ich denke, der andere Stil ist das größte Problem. Werder spielt anders – nicht so, wie ich es bisher kannte“, sagt Gebre Selassie und ergänzt mit Blick auf die Ligen: „In Tschechien gibt es nur ein paar gute Teams und nicht diese Qualität wie in der Bundesliga – vielleicht habe ich mich deswegen dort stärker gefühlt. In der Bundesliga ist alles auf einem höheren Level: Es gibt viele gute Spieler, und es geht viel körperbetonter zu. Da ist es normal, dass noch nicht alles perfekt läuft.“ Allofs sieht es genauso: „,Theo‘ hat noch nicht diese Routine. Er ist nicht mit allen Wassern gewaschen, sondern muss Erfahrungen sammeln.“ Die Bundesliga sei „Woche für Woche eine andere Gangart“.

Und Gebre Selassie scheint noch nicht so richtig abgehärtet zu sein. Die besten Noten, die er von dieser Zeitung in der Bundesliga bekam, waren gleich zu Beginn zwei Dreien. In Dortmund, wo er sein erstes und bislang einziges Tor für Werder köpfte – und danach gegen Hamburg. Es folgten nur noch durchwachsene bis schwache Auftritte. In Fürth, wo er sich eine Prellung am kleinen rechten Zeh zuzog und deshalb am Sonntag nur Fahrrad fuhr, gab’s die „5“ – weil er sich im Spiel nach vorne (ganz anders als bei der EM) fast nichts zutraute und hinten einige Fehler (wie beim 0:1) machte. Doch Allofs nimmt Gebre Selassie ein wenig in Schutz: „Das Gegentor wird von einigen an ,Theo‘ festgemacht, aber die Aktion kommt schon woanders ins Rollen, ,Theo‘ muss dann zu stark einrücken – deshalb steht der Vorlagengeber (Fürths Zoltan Stieber, Anm. d. Red.) frei.“

Gebre Selassie übt trotzdem Selbstkritik und meint, dass er den Querpass auf Torschütze Edu hätte verhindern können: „Ich hatte allerdings ein bisschen Pech, dass ich den Ball direkt durch die Beine bekomme.“ Insgesamt fand der 25-jährige seinen Auftritt „nicht so gut – aber auch nicht so schlecht, wie er teilweise in den Medien gemacht wurde“.

Dass es bald bergauf geht, steht für Allofs („Er wird wieder zu sehr guter Form finden“) und Gebre Selassie außer Frage. „Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ich den neuen Stil richtig umsetzen kann“, glaubt der Tscheche und ergänzt: „Ich gebe weiter mein Bestes, was kann ich mehr machen?“ · mr

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