Wie Thomas Eichin zu den Kölner Haien kam, sie vor der Insolvenz bewahrte und später zum Spitzenteam formte

„Der Architekt des Untergangs“ startet durch

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Ist das Werders neuer Sponsor? Nein, es ist Thomas Eichin im Karneval. ·

Werder-Bremen - Von Thomas Schulz. Mönchengladbach, Bökelberg, 16. Dezember 1998, 68. Minute: Beim Stand von 0:2 gegen den großen FC Bayern endet die Fußballer-Karriere von Thomas Eichin.

Im Abstiegskampf hatte Borussen-Trainer Rainer Bonhof den rechten Verteidiger noch einmal überredet, zum 180. Mal in der Bundesliga zu spielen, nachdem Eichin seine Laufbahn eigentlich schon 1996 beendet hatte. In Mönchengladbach war er damals nur geblieben, um als Assistent der Marketing-Abteilung die ersten Erfahrungen für die Karriere nach der Karriere zu sammeln.

Schon während seiner Zeit als Profi hatte der gebürtige Freiburger von 1993 bis 1995 am Institut für Sport, Freizeit und Touristik in Düsseldorf erfolgreich ein Sportmanagement-Studium absolviert. Als 32-Jähriger war der Einstieg in die Führungsebene eines Fußballvereins allerdings etwas schwierig, in der Bundesliga sogar unmöglich. So war 1999 das Angebot des Eishockey-Clubs Kölner Haie (KEC) eine gute Alternative. Gemeinsam mit Holger Rathke, dem ehemaligen Pressesprecher des 1. FC Köln, führte Eichin die Geschäfte des Traditionsvereins. Bis 2003, dann wurde Rathke geschasst. Eichin stieg zum alleinverantwortlichen Geschäftsführer auf.

Dass der Vater zweier Töchter vom Fußball kam, störte bei den Haien nur die Fans, vor allem wegen der bekannten Abneigung gegenüber Borussia Mönchengladbach. Eichin verstand es aber geschickt, zunächst auf sportliche Äußerungen zu verzichten. Er beschränkte sich auf die Sponsorensuche. Dafür ist Eishockey-Sachverstand kaum erforderlich. Doch nach und nach machte sich der Fußballer auch mit den Besonderheiten seiner neuen Sportart vertraut Ein totaler Novize war er ohnehin nicht: Schon in den 80er-Jahren hatte er auf Schlittschuhen gestanden und beim Kölner Journalisten-Eishockey auch immer zu den technisch Besseren gehört.

Am Schreibtisch des KEC erlebte der heute 46-Jährige Höhen und Tiefen. Mit dem eigenwilligen Trainer Hans Zach gestaltete sich die Zusammenarbeit in der Saison 2004/05 sehr schwierig. Im Dezember 2009 wurde Eichin dann nach den Verpflichtungen der glücklosen Übungsleiter Igor Pawlow und Bill Stewart schon als „Architekt des Untergangs“ bezeichnet.

Das war die Zeit, in der die Haie nach dem Rückzug ihres Hauptgeldgebers Heinz-Hermann Göttsch kurz vor der Insolvenz standen. Eichin lagen Angebote von Schalke 04 und Hannover 96 vor, die Flucht zum geliebten Fußball schien beschlossene Sache. Der Manager aber bewies Loyalität und Stehvermögen, blieb und beschaffte mit akribischer Akquise neue Gesellschafter. Mit dem Einstieg eines auf ärztliche Software spezialisierten Unternehmens aus Koblenz gelang ihm ein „Königstransfer“.

Plötzlich war Eichin der „Baumeister des Glücks“, denn der KEC konnte den Gang zum Amtsgericht vermeiden. Mehr noch, es stand Geld zur Verfügung, mit denen Spieler verpflichtet wurden, die den KEC in dieser Saison um den Titel mitspielen lassen. Dass dieser Erfolg in erster Linie dem schillernden Trainer Uwe Krupp zugeschrieben wird, empfindet Thomas Eichin als ungerecht. Vielleicht war es dieser Punkt, der ihn nun zum geliebten Fußball abspringen lässt – aus Loyalität natürlich erst, wenn für die Haie die Saison beendet ist.

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