Neuzugang über das Ziel Europa und Spaß mit Moisander

Klaassen im Interview: „In Werder steckt eine Menge Ajax“

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Davy Klaassen hat sich bei Werder umgeguckt und ist zufrieden mit seiner neuen Mannschaft.

Grassau - Rekord-Neuzugang Davy Klaassen spricht im ersten Interview mit der DeichStube über mutige Bremer, das Ziel Europa und Spaß mit Niklas Moisander.

Es ist schon dunkel in Grassau, als der Termin mit Davy Klaassen im Mannschaftshotel ansteht. Der Werder-Profi hat zwei Trainingseinheiten in den Knochen, wirkt aber trotzdem gut gelaunt. Freundlich die Begrüßung, offen seine Art. Der Bremer Rekordtransfer, den Werder für eine Ablöse von 13,5 Millionen vom FC Everton losgeeist hat, spricht ausführlich über seinen Neuanfang bei Werder, aber auch über sich persönlich.

Und zwar so ausführlich, dass die DeichStube dieses exklusive Interview mit dem 25-Jährigen in zwei Teile gepackt hat. Im ersten Teil geht es vor allem ums Sportliche, um seine besondere Verbindung zu Ajax Amsterdam, wo er fast sein ganzes Leben gespielt hat. Und Klaassen berichtet, wie gut ihn Coach Florian Kohfeldt auf Werder vorbereitet hat.

Herr Klaassen, wie viel Ajax steckt schon in Werder?

Davy Klaassen: Schon eine Menge. Man muss nur auf die Spieler gucken, die sind den Ajax-Profis von den Typen her schon sehr ähnlich. Das war auch einer der Gründe, warum ich zu Werder gewechselt bin.

Sportchef Frank Baumann hat verraten, dass die Spielweise von Ajax ein Vorbild für Werder ist. Was zeichnet den Ajax-Fußball aus?

Klaassen: Du willst immer den Ball haben, du willst immer Druck auf den Gegner ausüben, du hast eine klare Idee, was du mit der Mannschaft machen willst. Florian Kohfeldt hat mir erzählt, dass dies auch seine Idee vom Fußball ist. Er hat den Mut, so zu spielen, und ist nicht ängstlich.

In Deutschland trauen sich nicht viele Mannschaften diese Art des Fußballs zu, sie agieren vorsichtiger.

Klaassen: Das ist auch eine Möglichkeit. Aber ich will lieber so spielen wie Werder. Es macht mir einfach mehr Spaß (lacht).

Welche Rolle nehmen Sie dabei ein?

Klaassen: Ich bin im Mittelfeld, muss dort sicherlich auch verteidigen, aber vor allem angreifen – und ein paar Tore machen. Vorlagen wären auch nicht schlecht. Ich will einfach wichtig sein für die Mannschaft.

Schon beim ersten Test in Bielefeld wussten Sie genau, wo Ihre Räume auf dem Spielfeld sind – und das nur wenige Stunden nach Ihrer offiziellen Vorstellung.

Klaassen: Es war tatsächlich sehr einfach für mich. Ich kannte das System, musste mich nicht groß einfinden. Okay, gegenüber meiner Zeit in England war es schon eine große Umstellung.

Warum?

Klaassen: Da wurden fast nur lange Bälle gespielt. Dafür war die Intensität des Spiels sehr groß.

Als Ihr Landsmann Ronald Koeman noch Trainer von Everton war, wurde da nicht anders gespielt?

Klaassen: Nicht wirklich. Er musste sich dem englischen Fußball anpassen. Das geht auch gar nicht anders. Eigentlich ist nur Manchester City in der Lage, anderen Fußball zu spielen.

Hätten Sie vor Ihrem Wechsel nicht wissen müssen, dass dies gar nicht Ihr Fußball ist?

Klaassen: Vielleicht. Aber als ich mich für den Wechsel entschieden habe, dachte ich: Das wird schon. Aber so ist es leider nicht gekommen. Der Weg, den Ajax oder auch Werder gehen, passt einfach besser zu mir. Ich denke, es war eine gute Lehrzeit für mich in England.

Sie sind erst seit zwei Wochen bei Werder und schon im Mannschaftsrat. Waren Sie überrascht?

Klaassen: Nicht wirklich. Als Florian Kohfeldt mich in Manchester besucht hat, haben wir auch darüber gesprochen. Er hat mir gesagt, dass ich ein wichtiger Spieler sein werde, der auf und neben dem Platz Verantwortung übernehmen soll. Ich soll ein Führungsspieler sein.

War das wichtig für Sie?

Klaassen: Ich spiele besser, wenn ich diese Rolle habe. Es treibt mich an und gibt mir Sicherheit, wenn ich für das Team verantwortlich bin. Ich mag es, mich total auf das Spiel zu fokussieren. Da bin ich irgendwie reingewachsen. Seit ich 18 Jahre alt bin, habe ich schon darüber nachgedacht. Nach ein paar Jahren bin ich dann tatsächlich Kapitän bei Ajax geworden.

Florian Kohfeldt hat Ihnen in besagtem Treffen seinen Fußball erklärt. Lässt er wirklich so spielen?

Klaassen: Ja, auf jeden Fall. Ich hatte mir am Tag vor unserem Treffen zwei Spiele von Werder komplett angeschaut.

Welche Spiele waren das?

Klaassen: Leipzig (1:1, Anm. d. Red) und Frankfurt (2:1). Da habe ich gesehen, dass der Keeper den Ball nicht weit nach vorne schlägt, sondern in die Lücken zum Abwehr- oder Mittelfeldspieler spielt. Da wusste ich: Diese Jungs wollen Fußball spielen. Genau das ist es, was ich mag.

Bei Kohfeldt gibt es eine Videoanalyse während des Trainings am Spielfeldrand in einem Zelt. Kannten Sie das?

Klaassen: Nein, das war neu für mich. Bei Ajax haben wir das immer erst nach dem Training gemacht.

Was haben Sie gedacht, als Sie plötzlich in dem Zelt standen?

Klaassen: Ich war nicht überrascht, der Trainer hatte mir auch davon berichtet. Ich finde es gut. Es ist nicht immer einfach, auf dem Platz zu sehen, was gerade nicht so gut läuft. Wir hatten jetzt oft diese Spiele über zwei Mal 20 Minuten. In der Halbzeit wurden dann in dem Zelt einige Dinge angesprochen. Anschließend konnte man deutlich sehen, dass es besser läuft. Wir wussten, was wir tun müssen.

Wie weit ist die Mannschaft?

Klaassen: Sehr weit. Aber ich habe schon so viele verschiedene Vorbereitungen erlebt mit vielen Siegen und Niederlagen – und dann kam alles irgendwie doch anders. Wir haben auf jeden Fall eine richtig gute Gruppe – mit vielen erfahrenen und vielen jungen Spielern. Das ist ein guter Mix.

Interview im Teamhotel: Davy Klaassen stellt sich den Fragen von DeichStuben-Reporter Björn Knips.

Die Fans träumen schon von Europa, Sie auch?

Klaassen: Ja, Europa ist möglich. Aber wir werden nicht schnipsen können und dann haben wir es geschafft. Das ist harte Arbeit, wir müssen alle zusammenhalten und eine richtig gute Saison spielen. In der Bundesliga wollen so viele Mannschaften nach Europa, das wird verdammt schwierig.

Vor allen Dingen für einen Club, der fünf Jahre gegen den Abstieg gespielt hat. Hat Sie das nicht abgeschreckt?

Klaassen: Ein bisschen vielleicht. Aber das letzte halbe Jahr war richtig gut. Auf diesem Weg müssen wir bleiben.

Sie haben in Niklas Moisander einen Ex-Kollegen von Ajax im Team. Wie unterhalten Sie sich eigentlich miteinander – auf Englisch, Holländisch, Deutsch oder Finnisch?

Klaassen: Wir brauchen alles (lacht). Wenn wir alleine sind, reden wir Holländisch. Niklas kann das richtig gut. Manchmal sind wir plötzlich bei Englisch – und dann auf einmal bei Deutsch.

Können Sie auch Finnisch?

Klaassen: Nein, nein – das ist viel zu schwer.

Wie wichtig war und ist Moisander für Sie bei Werder?

Klaassen: Vor meiner Entscheidung für Werder habe ich ihn angerufen, und wir haben 20 Minuten lang gesprochen. Er hat mir alles über die Stadt, den Verein, die Spieler, das Leben dort erzählt. Das war wichtig für mich. Bei Niklas wusste ich auch, dass seine Einschätzung zu mir passt, weil wir uns sehr gut kennen und ähnlich sind. In den ersten Tagen konnte er mir natürlich auch ganz gut helfen.

Gibt es einen Spieler, der Sie bei Werder überrascht hat?

Klaassen: Nein, das konnte auch keiner. Denn der Trainer hat mir wirklich eine ganze Menge erzählt. Ich kannte hinterher jeden Spieler, wusste, wer vielleicht auch ein bisschen verrückt ist.

Wer?

Klaassen: Das verrate ich nicht. Aber es ist wirklich wichtig, das zu wissen, wenn du in eine neue Mannschaft kommst. Ich war perfekt vorbereitet.

Also kannten Sie auch sofort alle Namen Ihrer neuen Kollegen?

Klaassen: Eigentlich schon. Als ich dann aber beim Testspiel in Bielefeld auf dem Platz stand, waren die Namen irgendwie weg (lacht). Ich habe sie dann im Spiel neu gelernt.

Im zweiten Teil des Interviews geht es unter anderem um Klaassens besondere Begegnung mit Johan Cruyff und sein Hobby Dartspielen.

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Davy Klaassens Karriere begann in der Jugend bei HVV de Zebra's. 2003 spielte er ein Jahr für HSV Wasmeer, bevor ihn Ajax Amsterdam verpflichtete. © imago
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Dort spielte Klaassen seit seinem elften Lebensjahr... © imago
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Nach 13 Jahren verabschiedete sich Klaassen von Ajax und wechselte für 27 Millionen Euro zum FC Everton in die Premier League.
Nach 13 Jahren verabschiedete sich Klaassen von Ajax und wechselte für 27 Millionen Euro zum FC Everton in die Premier League. © imago
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Bei den „Toffees“ kam er aufgrund des mehrfachen Trainerwechsels innerhalb der vergangenen Saison nur auf 16 Pflichtspieleinsätze, stand sogar die meiste Zeit nicht im Kader. © imago
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Die Bremer zahlten 13,5 Millionen Euro (Bonuszahlungen möglich) an den FC Everton. Noch nie hatten die Hanseaten so viel Geld für einen Spieler ausgegeben. © Carmen Frisch

Quelle: DeichStube

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