Neuzugang über eine besondere Hilfe und Essen mit den Darts-Stars

Klaassen im Interview: „Plötzlich steht da Johan Cruyff“

+
Inzwischen ist Davy Klaassen für den SV Werder am Ball, auf seine Zeit beim FC Everton schaut der Niederlänger nicht so gerne zurück.

Grassau - Davy Klaassen hat mal ganz besondere Hilfe von Johan Cruyff bekommen und geht mit Darts-Stars wie Michael van Gerwen und Raymond van Barneveld essen. Teil zwei des Interviews mit dem Werder-Neuzugang.

Davy Klaassen hört ganz genau zu, die Fragen lässt er sich auf Deutsch stellen, geantwortet wird auf Englisch. Der 25-jährige Neuzugang des SV Werder ist schon jemand, der seine Worte bewusst wählt – vor allem, wenn er über seinen Ex-Verein, den FC Everton, sprechen soll. Da möchte der Niederländer nicht zu sehr nachkarten.

Viel lieber redet er über andere Dinge – gerne über seine besondere Beziehung zu der Fußball-Ikone Johan Cruyff oder über die Darts-Stars Raymond van Barneveld und Michael van Gerwen. Im zweiten Teil seines Interviews mit der DeichStube im Trainingslager in Grassau geht es auch um seine erste Radtour in Bremen und natürlich seine Premiere am Samstagnachmittag im Weserstadion gegen den FC Villarreal (14.30 Uhr/Liveticker in der DeichStube).

Worin unterscheiden sich der FC Everton und der SV Werder Bremen?

Davy Klaassen: Das ist schwierig. Ich hatte dort wirklich nicht die beste Saison – und natürlich blicke ich nicht besonders positiv zurück. Dort sind viele Dinge für die Mannschaft und für mich nicht so gut gelaufen. Es wäre nicht fair, jetzt ein hartes Urteil über den Club zu fällen, denn eigentlich ist es ein toller Verein – mit besonderen Fans und netten Mitarbeitern.

Haben Sie die Bundesliga früher verfolgt oder ging der Blick von Holland aus doch eher in Richtung Premier League?

Klaassen: Als ich jung war, habe ich wirklich sehr viel Fußball im Fernsehen geschaut. Wenn du aber selbst Profi wirst, dann willst du einfach nicht immer nur Fußball gucken. Du machst ja den ganzen Tag fast nichts anderes als Fußball. Aber natürlich kenne ich die Bundesliga und auch viele Spieler.

Waren Sie in der Jugend sofort Mittelfeldspieler?

Klaassen: Nein. Angefangen habe ich als Rechtsaußen, dann war ich Stürmer, anschließend Zehner. Ich habe auch mal hinten gespielt. Mit 16 Jahren bin ich endgültig im Mittelfeld gelandet.

Wer waren Ihre Vorbilder?

Klaassen: Natürlich Dennis Bergkamp und Jari Litmanen. Die haben schließlich auch für Ajax gespielt.

Was ist das Besondere an Bergkamp?

Klaassen: Er hat eine unglaubliche Technik und Übersicht – ein phantastischer Fußballer.

Sie kennen sich gut, oder?

Klaassen: Sehr gut sogar. Er war in meiner Zeit sechs Jahre lang bei Ajax in unserem Trainerstab, erst als Co-Trainer, dann als Spezialcoach für die Angreifer.

Was haben Sie von ihm gelernt?

Klaassen: Eine Menge. Er spricht nicht viel, wenn er aber etwas sagt, dann passt es einfach. Er ist ein richtig guter Typ.

Ronald Koeman hat Sie als Coach zum FC Everton geholt, wie gut kannten Sie ihn da schon?

Klaassen: Eigentlich gar nicht. Ich bin damals zu ihm nach Hause gefahren, wir wohnten in Holland wirklich nicht weit voneinander entfernt. Da hatten wir ein gutes Gespräch. Leider haben wir nur drei Monate zusammengearbeitet, dann wurde er gefeuert. Das war hart.

Hat er Ihnen nun zum Wechsel in die Bundesliga gratuliert?

Klaassen: Nein, wir hatten keinen Kontakt. Aber er ist jetzt unser Nationaltrainer. Also darf er mich ruhig demnächst anrufen (lacht).

Verständlich, im September stehen die nächsten Länderspiele an, im Oktober geht es dann in der Nations League gegen Deutschland. Wäre das eine besondere Herausforderung für Sie?

Klaassen: Natürlich! Da wäre ich gerne dabei. Es ist so eine große Ehre, für sein Land zu spielen. Aber ich weiß natürlich: Ich muss erstmal in Bremen meine Leistung bringen, nur dann wird auch das ein Thema.

Wir müssen noch über einen ganz besonderen Niederländer sprechen. Als Sie 2012 länger verletzt waren, hat Johan Cruyff mit seinen Kontakten dafür gesorgt, dass Sie von den besten Ärzten in Barcelona behandelt wurden. Wie war das?

Klaassen: Das war verrückt. Ich war 18 Jahre alt und bin sechs Wochen lang jeden Freitag von Amsterdam nach Barcelona gereist – also morgens hin und abends zurück. Beim zweiten oder dritten Mal geht die Tür im Behandlungszimmer auf und plötzlich steht da Johan Cruyff. Ich hatte ihn noch nie zuvor in meinem Leben gesehen – also live.

Noch nie? Er ist doch eine Ajax-Legende und Sie haben bei Ajax gespielt!

Klaassen: Nein, wirklich nicht. Ich war doch noch ein junger, unbedeutender Spieler. Ich wusste natürlich, dass er den Kontakt zu den Ärzten in Barcelona hergestellt hatte, weil er sie sehr gut kannte. Aber wir hatten nie miteinander gesprochen. Dann kam er einfach zu mir, erkundigte sich, wie es mir geht und hat mich dann auch noch zum Essen eingeladen. Wir haben natürlich viel über Fußball gesprochen. Das war ein ganz besonderes Erlebnis für mich. Er ist der größte Fußballer Hollands.

Gab es danach noch Kontakt zu ihm?

Klaassen: Nicht wirklich. Ich habe ihn nie wieder gesehen. Ich habe nur in den Medien mitbekommen, wenn er mal über mich gesprochen hat.

Sie waren ein Jahr in England, sind jetzt in Deutschland – vermissen sie etwas aus Holland?

Klaassen: Die Familie natürlich. Für die ist es von Amsterdam aus jetzt etwas einfacher. Sie sind nicht mehr von den Flugzeiten abhängig, sondern können sich einfach ins Auto setzen und sind in ein paar Stunden in Bremen.

Sie haben neulich selbst ein Foto von Ihrer ersten Radtour in Bremen veröffentlicht. Was haben Sie sich alles angeschaut?

Klaassen: Es war nur eine ganz kleine Runde, weil es viel zu heiß war. Aber ich wollte auch nicht mit dem Auto durch die Stadt fahren. Das mag ich nicht. Da habe ich mir ein Fahrrad gemietet. Ich werde mir ganz sicher demnächst ein eigenes Fahrrad kaufen.

Davy Klaassen ist der neue Mittelfeld-Stratege bei Werder Bremen.

Haben Sie schon eine Wohnung oder ein Haus in Bremen gefunden?

Klaassen: Es sieht gut aus, die Entscheidung fällt nächste Woche. Das wäre wirklich gut. Das Hotel, in dem ich in Bremen wohne, ist zwar sehr schön, aber auf Dauer ist etwas Eigenes natürlich angenehmer.

Wie sind Sie eigentlich nach Niederlagen?

Klaassen: Da sollte man mich besser nicht ansprechen. Ich kann nicht verlieren – auch im Training nicht. Gewinnen kann ich viel besser.

Wie lenken Sie sich vom Fußball ab, welche Hobbys haben Sie?

Klaassen: Ich unternehme gerne etwas mit meiner Freundin oder mit Freunden. Ich spiele gerne Playstation – online mit meinen Freunden. Aber nicht FIFA, das kann ich nicht so gut. Ich spiele lieber Fortnite oder andere Spiele.

Wie sieht es mit Darts aus?

Klaassen: Ich habe tatsächlich eine Scheibe zu Hause hängen. Im April war ich in Manchester bei einem großen Turnier mit allen Stars wie Raymond van Barneveld.

Waren Sie auch verkleidet wie die meisten Darts-Fans?

Klaassen: Nein, nein (lacht). Ich hatte nur so eine große Hand aus Schaumstoff, das stand 180 drauf. Das war lustig.

Wer ist Ihr Lieblingsspieler?

Klaassen: Raymond van Barneveld. Er war der Star, als ich jung war. Und am Abend vor dem Turnier bin ich mit ihm und Michael van Gerwen essen gegangen. Das war cool.

Wie gut können Sie spielen?

Klaassen: Nicht so gut. Ich habe mal ein bisschen trainiert, aber irgendwann eingesehen, dass es nichts wird. Dann habe ich es aufgegeben. Jetzt spiele ich nur noch, wenn Freunde mich besuchen. Aber es ist wirklich ein toller Sport.

Am Samstag spielen Sie zum ersten Mal im Weserstadion, am Tag der Fans gegen den FC Villarreal – sind Sie schon ein bisschen nervös?

Klaassen: Ich bin echt aufgeregt, weil ich so viele Videos von Spielen im Weserstadion gesehen habe. Die Stimmung wird auch anders sein als in England.

Warum?

Klaassen: In England sitzen alle Zuschauer und stehen nur auf, wenn etwas passiert. In Deutschland wird das ganze Spiel lang gesungen und angefeuert. Darauf freue ich mich.

Schon gelesen?

Davy Klaassen im Interview - Teil 1: „In Werder steckt eine Menge Ajax“

Lob von Bergkamp und Co. für Klaassen: „Qualität setzt sich durch“

Testspiel, Tickets und Tradition: Alles zum Tag der Fans

Das Netz über Klaassen: „Davybrillator fürs Werder-Herz“

Kaum ist Davy Klaassen da, schon dreht die Netzgemeinde durch.
Kaum ist Davy Klaassen da, schon dreht die Netzgemeinde durch. © gumzmedia
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 
 © 

Quelle: DeichStube

Das könnte Sie auch interessieren

EU bietet London längere Übergangsphase beim Brexit an

EU bietet London längere Übergangsphase beim Brexit an

Prinz Harry vor dürregeplagten Farmern im Regen

Prinz Harry vor dürregeplagten Farmern im Regen

So gelingen selbst gemachte Brotaufstriche

So gelingen selbst gemachte Brotaufstriche

Das waren die zwölf erfolgreichsten Deals aus "Die Höhle der Löwen"

Das waren die zwölf erfolgreichsten Deals aus "Die Höhle der Löwen"

Meistgelesene Artikel

Sargent trifft für die USA - und bald auch in der Bundesliga?

Sargent trifft für die USA - und bald auch in der Bundesliga?

Dieses Mal ohne „Messer am Hals"

Dieses Mal ohne „Messer am Hals"

Beste mit Traumtor - und fatalem Aussetzer

Beste mit Traumtor - und fatalem Aussetzer

Pavlenka: Verloren, aber Chance genutzt

Pavlenka: Verloren, aber Chance genutzt

Kommentare