Die Saison des Rekordtransfers

Davy Klaassen: Mehr Kämpfer als Künstler

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Mit seinem herrlichen Treffer gegen Stuttgart hat Davy Klaassen daran erinnert, wofür er einmal stand: enorme Torgefahr.

Bremen – Es war eine dieser Szenen, für die irgendwann vor langer Zeit das Wort „ansatzlos“ Einzug in die Fußballsprache gehalten hat. Nicht vorhersehbar, urplötzlich und gerade deshalb so stark, so wuchtig, so schön.

Davy Klaassens Tor zum 1:1 gegen den VfB Stuttgart war nicht weniger als eine Augenweide. Ballannahme, Drehung um den Gegenspieler, Abschluss. Das alles eine einzige, fließende Bewegung, mit zwei Kontakten nur, knapp 25 Meter vor dem Tor. „Ich habe mich gedreht und geschossen“, lautete später Klaassens betont sachliche Beschreibung seines bisher schillerndsten Moments im Werder-Trikot. Denn für die ganz großen Offensivszenen stand der Bremer Rekordtransfer bisher nicht.

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Der Niederländer, den Werder im Sommer für 13,5 Millionen Euro vom FC Everton geholt hat, spielt bisher ein gutes erstes Jahr in Grün-Weiß. 23 Einsätze, immer in der Startelf, drei Tore, vier Vorlagen: Klaassen hat seinen Platz in der ersten Elf auf Anhieb gefunden, zählt vom ersten Tag an zu den Leistungsträgern – nur eben in anderer Rolle, als es nach seiner Verpflichtung erwartet worden war. Der 26-Jährige ist mehr Kämpfer als Künstler, mehr Grätsche als Genie. Das Stuttgart-Tor war da eine Art Erinnerung, wofür dieser Klaassen auch stehen kann, wodurch er vor einigen Jahren international Aufsehen erregt hatte.

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Davy Klaassen: Seine Karriere in Bildern

Davy Klaassens Karriere begann in der Jugend bei HVV de Zebra&#39s. 2003 spielte er ein Jahr für HSV Wasmeer, bevor ihn Ajax Amsterdam verpflichtete.
Davy Klaassens Karriere begann in der Jugend bei HVV de Zebra's. 2003 spielte er ein Jahr für HSV Wasmeer, bevor ihn Ajax Amsterdam verpflichtete. © imago
Dort spielte Klaassen seit seinem elften Lebensjahr...
Dort spielte Klaassen seit seinem elften Lebensjahr... © imago
...und entwickelte sich zum Profi. Heute gilt er sogar als einer der besten offensiven Mittelfeldspieler in den Niederlanden.
...und entwickelte sich zum Profi. Heute gilt er sogar als einer der besten offensiven Mittelfeldspieler in den Niederlanden. © imago
Nach 13 Jahren verabschiedete sich Klaassen von Ajax und wechselte für 27 Millionen Euro zum FC Everton in die Premier League.
Nach 13 Jahren verabschiedete sich Klaassen von Ajax und wechselte für 27 Millionen Euro zum FC Everton in die Premier League. © imago
Bei den „Toffees“ kam er aufgrund mehrfacher Trainerwechsel in der Saison 2017/18 nur auf 16 Pflichtspieleinsätze, stand sogar die meiste Zeit nicht im Kader.
Bei den „Toffees“ kam er aufgrund mehrfacher Trainerwechsel in der Saison 2017/18 nur auf 16 Pflichtspieleinsätze, stand sogar die meiste Zeit nicht im Kader. © imago
Der Niederlände entschied sich nach nur einem Jahr in England für einen Wechsel zum SV Werder.
Der Niederländer entschied sich nach nur einem Jahr in England für einen Wechsel zum SV Werder. © imago
Die Bremer zahlten 13,5 Millionen Euro (plus Bonuszahlungen) an den FC Everton. Noch nie hatten die Hanseaten so viel Geld für einen Spieler ausgegeben.
Die Bremer zahlten 13,5 Millionen Euro (Bonuszahlungen möglich) an den FC Everton. Noch nie hatten die Hanseaten so viel Geld für einen Spieler ausgegeben. © Carmen Frisch
Sein Pflichtspiel-Debüt gab Klaassen für Werder im DFB-Pokal gegen Wormatia Worms. Mit einem 6:1-Sieg zogen die Grün-Weißen in die nächste Runde ein.
Sein Pflichtspiel-Debüt gab Klaassen für Werder im DFB-Pokal gegen Wormatia Worms. Mit einem 6:1-Sieg zogen die Grün-Weißen in die nächste Runde ein. © gumzmedia
Wenig später folgte auch seine Bundesliga-Premiere beim 1:1-Unentschieden im „kleinen Nord-Derby“ gegen Hannover 96.
Wenig später folgte auch seine Bundesliga-Premiere beim 1:1-Unentschieden im „kleinen Nord-Derby“ gegen Hannover 96. © gumzmedia
Im Auswärtsspiel beim FC Augsburg erzielte der Niederländer sein erstes Bundesligator am vierten Spieltag der Saison 2018/19. Es war der entscheidende 3:2-Siegtreffer.
Beim FC Augsburg erzielte der Niederländer sein erstes Bundesligator am vierten Spieltag der Saison 2018/19. Es war der vielumjubelte 3:2-Siegtreffer. © imago/DeFodi
Davy Klaassen hat sich bei Werder zum absoluten Stammspieler entwickelt und glänzt regelmäßig mit starken Leistungen - z.B. mit zwei Torvorlagen beim 4:0 zum 120. Werder-Jubiläum gegen Augsburg.
Davy Klaassen hat sich bei Werder zum absoluten Stammspieler entwickelt und glänzt regelmäßig mit starken Leistungen - z.B. mit zwei Torvorlagen beim 4:0 zum 120. Werder-Jubiläum gegen Augsburg. © imago

Es war in der Saison 2016/2017, als Klaassen, damals noch im Trikot seines Heimatvereins Ajax Amsterdam, groß aufspielte, sich den Ruf als extrem torgefährlicher Mittelfeldspieler erarbeitete. 14 Treffer und zehn Vorlagen standen am Ende der Serie in seinem Arbeitsnachweis. Interessant: Unter Ajax-Trainer Peter Bosz, der heute bei Bayer 04 Leverkusen auf der Bank sitzt, kam Klaassen damals vornehmlich auf der linken Halbposition im Mittelfeld zum Einsatz – also genau in der Rolle, die er auch in Bremen unter Coach Florian Kohfeldt bekleidet. Dafür, dass dem 26-Jährigen die Torgefahr etwas abhandengekommen ist, gibt es mehrere Erklärungen.

Erstens: In der Bundesliga herrscht in Sachen Intensität und Tempo natürlich ein anderes Niveau vor als in der niederländischen Eredivisie. Heißt: Klaassen hat mit dem Ball am Fuß deutlich weniger Zeit für seine Aktionen, auch die Räume sind kleiner. Und zweitens: Für den 16-fachen Nationalspieler stellte das verlorene Jahr in England eine Art Bruch da.

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Nur sieben Spiele durfte Klaassen nach seinem Wechsel von Ajax zu Everton im vergangenen Jahr in der Premier League bestreiten. Einerseits gut für Werder, denn ohne diesen kleinen Karriereknick wäre Klaassen kaum zu bekommen gewesen. Andererseits eine Aufgabe für Werder, den Mittelfeldmann wieder an die alte Form heranzuführen. So ein Tor wie gegen Stuttgart kann da durchaus alte Kräfte freisetzen, es kann den nächsten Schritt bedeuten.

Bei Werder würden sie sich das wünschen, keine Frage. Aber auch so ist Klaassen im 4-3-3-System unantastbar, weil er sich in gewisser Weise neu erfunden hat. Wenn es darum geht, in die Offensive vorzustoßen, lässt er gerne mal Maximilian Eggestein den Vortritt und sichert ab. Klaassen ackert dann, ganz im Dienste des Teams, wirft sich in Zweikämpfe, stopft Löcher und ordnet. Beachtlich: Mit bisher 266,14 Kilometern hat er nach 23 Spieltagen die fünftlängste Strecke aller Bundesligaprofis auf dem Platz zurückgelegt.

Und wer weiß? Sollte ihn sein Weg demnächst wieder öfter in Richtung des gegnerischen Tors führen, gibt es vielleicht bald mehr dieser Momente wie am Freitagabend, 45. Minute, gegen den VfB Stuttgart.

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Am Samstag steht das erste Auswärtsspiel der Saison in Sinsheim an. So seht Ihr die Partie von Werder Bremen gegen die TSG Hoffenheim live im TV.

Quelle: DeichStube

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