Schaafs Aus nicht überraschend

„Das war ziemlich daneben“

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Klaus Allofs fühlt sich wohl in seiner neuen Heimat Wolfsburg – die Kritik aus Bremen schmeckt dem 56-Jährigen dagegen gar nicht.

Bremen - Von Malte Rehnert. Alle Zelte hat Klaus Allofs nicht abgebrochen. Er arbeitet zwar inzwischen beim VfL Wolfsburg, besitzt aber in der alten Heimat Bremen noch ein Haus und ist gelegentlich mal da.

Kontakt zu Werder hat der ehemalige Geschäftsführer und Sportchef dagegen fast gar nicht mehr. Und es dürfte noch weniger werden, denn die Bremer Kritik an seiner Transferpolitik der vergangenen Jahre hat den 56-Jährigen mächtig geärgert: „Das war ziemlich daneben.“ Im Interview spricht VfL-Sportchef Allofs zudem über Kevin De Bruyne, Diego und Thomas Schaaf, dessen Aus bei Werder er kommen sah.

Herr Allofs, wie geht es Ihnen in Wolfsburg?

Klaus Allofs: Gut. Ich könnte auch sehr gut sagen, wenn die Niederlage im Derby gegen Braunschweig nicht gewesen wäre . . .

Fühlen Sie sich inzwischen heimisch?

Allofs:Ja, sicher. Ich bin seit dem 15. November hier, das ist fast ein Jahr. Im Januar sind wir umgezogen, seitdem fühle ich mich immer wohler. Und ich habe einen sehr kurzen Arbeitsweg, nur zehn Minuten bis zum Stadion.

Wie war die Umstellung auf einen neuen Club nach fast 13 Jahren bei Werder?

Allofs:Ich war mir im Klaren, dass es für mich ein Neubeginn ist. In den ersten Monaten war es besonders intensiv, irgendwann bekommt es dann eine Normalität. Positiv überrascht war ich, mit welch offenen Armen ich empfangen wurde. Nicht nur von der Mannschaft oder Mitarbeitern, sondern auch hier in der Stadt. Das hat es mir leichter gemacht.

Wie oft sind Sie noch in Bremen?

Allofs:Vielleicht ein Mal im Monat. Wir haben dort noch unser Haus, da gibt es immer ein bisschen was zu tun. Aber die Kontakte nach Bremen sind insgesamt deutlich weniger worden.

Und wie eng ist Ihre Bindung zu Werder?

Allofs:Da gibt es eigentlich keine Kontakte mehr, zumindest keinen regelmäßigen Austausch. Das ist aber im Tagesgeschäft nichts Außergewöhnliches.

Wie interessiert und intensiv verfolgen Sie Ihren Ex-Club?

Allofs:Wenn man so lange die Geschicke eines Vereins geleitet hat, interessiert einen dieser Verein natürlich. Ich schaue, was passiert – und vor allem, was die Spieler machen, die ich geholt habe. Wenn zum Beispiel Eljero Elia zwei Tore schießt.

Ist Werder noch eine Herzensangelegenheit für Sie?

Allofs:Allein das Interesse zeigt, dass da nach wie vor eine emotionale Bindung besteht. Und die ist nicht durch einen Wechsel von heute auf morgen beendet.

Wie besonders ist das Spiel am Samstagabend?

Allofs:Kurz nach meinem Wechsel hatten wir schon das erste Aufeinandertreffen. Das war emotional schwierig, wurde aber von beiden Seiten gut gelöst. Dann gab es die erste Rückkehr nach Bremen, auch das war außergewöhnlich. Jetzt hat es schon ein Stück weit Normalität, sportlich aber Brisanz und eine große Bedeutung.

Wer ist am Ende der Saison besser platziert: Werder oder Wolfsburg?

Allofs:Ich bin mir ziemlich sicher, dass der VfL weiter oben steht . . .

Was trauen Sie Werder in dieser Saison zu?

Allofs:Ich glaube nicht, dass sie etwas mit dem Abstieg zu tun haben werden, sondern im Mittelfeld landen. Und das kann immer bedeuten, dass man an die begehrten Plätze da oben ranschnuppert. Nicht an die Champions League, aber an die Europa League.

Ist das internationale Geschäft ein Ziel oder gar eine Pflicht für Ihren neuen Club?

Allofs:Mittelfristig wollen und müssen wir zurück nach Europa. Aber mittelfristig ist ein dehnbarer Begriff. Wir machen kleine Schritte und keine Hauruckaktionen mehr. In der Vergangenheit hat man hier oft gesagt: Wir müssen in die Champions League – und dann hat man gegen den Abstieg gespielt. Das wurde sehr skeptisch betrachtet.

Was haben Sie in Ihrem ersten Wolfsburg-Jahr erreicht?

Allofs:Vieles. Wir hatten einen sehr großen Kader, da gab es immer viel Bewegung und Unruhe. Jetzt haben wir, wenn man die Ausleihen ausklammert, 23 Lizenzspieler. Diese Verkleinerung war sehr wichtig. Zudem haben wir in der Trainerfrage mit Dieter Hecking eine Kontinuität begonnen. Und mit dem Ansinnen, diesen Club sympathischer zu machen, sind wir auf einem guten Weg. Die Akzeptanz in der Öffentlichkeit ist größer geworden, und wir haben im Verlauf der letzten Monate den Schulterschluss mit unseren Fans hinbekommen. Und in der U 23 haben wir mit der Verpflichtung von Valerien Ismael als Coach ein klares Zeichen gesetzt. Die Resultate sind sehr gut, die Zusammenarbeit zwischen den Trainern klappt hervorragend.

Das galt auch immer für das Verhältnis zwischen Thomas Schaaf und Ihnen. Im Mai musste er in Bremen gehen. Hat Sie das überrascht?

Allofs:Nein, ich habe mir gedacht, dass es bei der nächsten sportlich unangenehmen Situation in diese Richtung gehen könnte. Die Zeit für etwas Neues war einfach gekommen. Das war auch der Grund, warum ich im November weggegangen bin. Der Neubeginn in Bremen im Sommer 2012 war zwar eine interessante Phase, aber ich hatte das Gefühl, dass das gesamte Umfeld nicht mehr so bereit war, unseren Plänen zu folgen. Das Vertrauen war nicht mehr so da. Und dann ist es am besten, wenn derjenige die Veränderung einläutet, der an der Spitze steht.

Sprechen Sie noch oft mit Schaaf?

Allofs:Wir telefonieren von Zeit zu Zeit.

Sitzt er bald wieder auf einer Trainerbank?

Allofs:Das glaube ich schon. Ich weiß, dass er unheimlich motiviert ist, mit einer Mannschaft zu arbeiten. Früher oder später wird er zurückehren.

Sie haben damals Kevin De Bruyne von Chelsea nach Bremen geholt. Es wird kräftig spekuliert, dass er im Winter erneut verliehen wird. Werder hat Interesse, Wolfsburg auch – gibt es ein Tauziehen zwischen den Clubs?

Allofs:Das sehe ich nicht. Bei allem Respekt glaube ich, dass die Chancen für Werder relativ gering sind. Es war außergewöhnlich, dass Kevin damals nach Bremen gekommen ist. Aber auch für uns wäre es trotz der Vorgeschichte sicher kein Selbstläufer. Man hat im Sommer gesehen, dass er ein sehr umworbener Spieler ist. Da gäbe es sicher eine Menge Konkurrenten.

De Bruyne wird immer wieder als möglicher Nachfolger eines Ex-Bremers genannt. Was wird denn nun aus Diego: Geht er im Winter, geht er im Sommer – oder wird der Vertrag verlängert?

Allofs:Für einen Wintertransfer gibt es überhaupt keine Anzeichen. Ich kenne ihn sehr gut, unsere Zusammenarbeit ist eine Erfolgsgeschichte – ich weiß, wie wichtig er für eine Mannschaft ist. Trotzdem: Wir sind hier in einer Orientierungsphase. Bevor wir eine solch wichtige Entscheidung treffen, die bei einem Spieler wie ihm auch wirtschaftliche Konsequenzen hat, muss man sich ganz sicher sein, welchen Weg man einschlagen möchte. Diese Entscheidung wird sicher noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen.

Zuletzt gab es von Werder – namentlich Aufsichtsratschef Willi Lemke, Aufsichtsratsmitglied Marco Bode und Präsident Klaus-Dieter Fischer – deutliche Kritik an der Transferpolitik der vergangenen Jahre und damit an Ihnen. Wie reagieren Sie darauf?

Allofs:Kritik an sich ist kein Problem. Es ist so, dass in den letzten Jahren nicht alles reibungslos gelaufen ist. Dafür gibt es viele Erklärungen, ich will gar nicht mehr auf einzelne Dinge eingehen. Aber inhaltlich, finde ich, war die Kritik ziemlich daneben. Alle genannten Personen, bis auf Marco Bode, waren maßgeblich an Entscheidungen beteiligt. Deshalb wundert mich das doch sehr, ich finde diese Wahrnehmung ziemlich ungewöhnlich.

Fühlen Sie sich als Sündenbock?

Allofs:Wenn man nicht mehr da ist, werden einige Dinge von bestimmten Personen offenbar anders gesehen. Sie wissen, was sie sagen und werden ihre Gründe dafür haben. Ich weiß, dass das nicht die durchgängige Meinung ist.

Welche Kritik ist für Sie in Ordnung?

Allofs:Als Vorsitzender der Geschäftsführung musste ich die Verantwortung für Transfers übernehmen. Man kann natürlich einzelne herauspicken. Bei Wesley ist die Entwicklung zum Beispiel nicht so verlaufen, wie wir uns das vorgestellt hatten. Aber in diesem Fall gab es finanziell keine Einbußen für Werder. Man darf dann aber auch andere Transfers nicht schamhaft verschweigen – wie beispielsweise den von Sokratis, der für viel Geld weiterverkauft worden ist.

Bei Ihrem Abschied sprachen Sie von einem bestellten Feld, das Sie hinterlassen. Werder spicht nun oft von einem Neuaufbau. Wie passt das zusammen?

Allofs:Dass man mit Spielern arbeiten und sie auf den richtigen Weg bringen muss, ist doch selbstverständlich. Ich glaube nicht mal, dass bei Bayern ein bestelltes Feld hinterlassen wurde – in dem Sinne, dass man nichts mehr tun muss. Ich meinte damit, dass ich kein Chaos hinterlassen habe – weder bei der sportlichen Qualität noch bei der finanziellen Situation.

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