Werders „Alterspräsident“ Tim Borowski liebäugelt mit dem Kapitänsamt / Auf die Jugend setzen

„Das würde mich mit Stolz erfüllen“

Tim Borowski schuftet auf Norderney: Der 31-Jährige will unbedingt verletzungsfrei bleiben und mit Werder eine gute Saison spielen.

Norderney · Die Anforderungen an die Spieler auf Norderney sind wieder knallhart, trotzdem ist nicht zu übersehen: Tim Borowski hat dieser Tage Spaß. Der Mittelfeldspieler von Werder Bremen freut sich auf die neue Saison, weil er endlich mal verletzungsfrei ist.

Allerdings macht er sich im Interview auch so seine Gedanken über die gerade etwas ungewisse Zukunft seines Clubs.

Herr Borowski, wie dürfen wir Sie nennen: Seniorchef oder Alterspräsident?

Tim Borowski:(lacht) Ich bin doch erst 31. Okay, aktuell bin ich der älteste Werder-Spieler, weil Mikael Silvestre verletzt ist. Aber so fühle ich mich wirklich noch nicht.

Trotzdem ist es eine neue Situation für Sie.

Borowski:Wenn dich jeder darauf anspricht, dann merkst du schon, dass du der Älteste bist. Aber damit beschäftige ich mich jetzt nicht tagtäglich.

Zum wievielten Mal sind Sie auf Norderney?

Borowski:Zum fünften, sechsten, oder sogar zum siebten Mal – ich weiß das gar nicht so genau.

Ist es diesmal nach der Katastrophen-Saison und dem angekündigten Umbruch anders als in den Vorjahren?

Borowski:Die Trainingsarbeit ist so intensiv und konzentriert wie immer. Natürlich haben wir hier diesmal mehr junge Spieler, es sind ja nur noch drei Ü 30-Spieler dabei. Da hatten wir schon mal andere Zahlen vorzuweisen. Aber es macht Spaß, mit den jungen Spielern zusammenzuarbeiten. Wir stehen jedenfalls vor einer interessanten und wichtigen Saison für den Verein.

Welches Gefühl haben Sie dabei?

Borowski:Ein sehr gutes. Wir haben schon zum Ende der Rückserie bewiesen, dass jeder kapiert hat, worum es geht. Das spürt man hier auch im Training. Es entsteht gerade eine gute Gemeinschaft. Das ist eine wichtige Basis, um erfolgreichen Fußball zu spielen.

In den vergangenen Jahren lautete das Saisonziel immer Meisterschaft oder zumindest Champions-League-Platz. Diese Worte nimmt nun keiner mehr in den Mund.

Borowski: Ich auch nicht. Wir haben vergangene Saison einfach nicht berauschend gespielt. Jetzt haben wir auch noch die missliche Lage, dass wir einige wichtige Spieler, die eigentlich die Säulen sein sollten, aus Verletzungsgründen nicht dabei haben. Demzufolge tun wir gut daran, wenn wir die Ziele erst einmal zurücksetzen.

Wünschen Sie sich weitere Verstärkungen?

Borowski:Verstärkungen tun einem Team immer gut. Die Frage ist, wie sich so etwas realisieren lässt. Natürlich sieht man, dass wir die größten Probleme im Defensivbereich haben. Aber da bin ich der falsche Ansprechpartner, dafür sind andere zuständig.

Bei Werder ist momentan viel vom Sparen die Rede. Clubchef Klaus Allofs hat gesagt, dass sich der Verein Vertragsverlängerungen mit Leistungsträgern wie Tim Wiese aktuell nicht leisten kann. Was denkt man da als Spieler?

Borowski:Dass insgesamt im Verein ein Umdenken stattfindet. Dass wir halt die Champions League nicht erreicht haben und deshalb die wichtigen Millionen fehlen, um Neuverpflichtungen oder Vertragsverlängerungen zu tätigen. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Aber wir als Spieler können das ganze Thema natürlich verändern, indem wir wieder erfolgreich sind.

Machen Sie sich Sorgen, dass Werder nicht mehr der Spitzenclub ist, zu dem Sie vor zwei Jahren zurückgekommen sind?

Borowski: Ich denke, dass wir eine hervorragende Jugendarbeit haben. Das sieht man ja gerade ganz deutlich, entweder hier oder auch bei der U 17-WM. Da liegt vielleicht der Ansatz, dass man verstärkt auf diese Spieler baut und dort auf Jahre wieder ein erfolgreiches Team zusammenbastelt.

Kommen deshalb ein, zwei, drei magere Jahre auf Werder zu?

Borowski:Das ist schwer zu sagen. Es wird sich zeigen, wie wir die neuen Spieler integrieren können, wie wir harmonieren und wie wir in die Saison starten werden. Dortmund war letztes Jahr selbst auch überrascht, dass sie mit dieser jungen Mannschaft den Meistertitel geholt haben. Man sollte das jetzt nicht zu negativ sehen, aber die Ziele auch nicht zu hoch stecken.

Welche Rolle spielen Sie dabei?

Borowski:Erstmal möchte ich besser – also möglichst verletzungsfrei – durch die Saison kommen als letztes Jahr. Ich möchte der Mannschaft die Unterstützung geben, die sie von mir verlangen kann.

Auf welcher Position sehen Sie sich?

Borowski:Im Grunde bin ich ein torgefährlicher Mittelfeldspieler, der lieber über die Halbpositionen im Mittelfeld kommt – wie auch in den letzten Jahren.

Nach dem Weggang von Torsten Frings fragen sich alle: Wer wird neuer Werder-Kapitän? Sind Sie ein Kandidat?

Borowski:Das weiß ich nicht, da müssen Sie den Trainer fragen. Sicher gehöre ich zu den älteren Spielern. Aber das hat für mich nicht die oberste Priorität.

Sie kommen aus der eigenen Jugend, waren nur mal kurz weg – wäre das Kapitänsamt nicht die Krönung Ihrer Werder-Zeit?

Borowski:Natürlich würde mich das mit Stolz erfüllen, wenn ich dieses Amt bekommen würde. Ich bin schließlich schon seit 1996 in Bremen. Aber wie gesagt: Das hat für mich nicht die oberste Priorität. Ich will erstmal gut durch die Vorbereitung kommen, dann gut in die Saison starten und mit Werder erfolgreich sein.

Ihr Vertrag läuft noch ein Jahr mit der Option auf eine weitere Saison. Wie sehen Sie Ihre Zukunft bei Werder?

Borowski:Ich will einfach eine gute Saison spielen, dann ergeben sich viele Dinge automatisch.

Weil sich Ihr Vertrag nach einer bestimmten Anzahl von Spielen verlängert?

Borowski:Zu Vertragsinhalten sage ich nichts.

Aber es könnte Ihre letzte Werder-Saison werden?

Borowski:Jetzt spielen wir erst einmal diese Saison, und dann sehen wir weiter.

Torsten Frings ist schon weg. Wie macht sich sein Fehlen bemerkbar?

Borowski:Als Typ hinterlässt er eine ganz große Lücke. Er war ein guter Kapitän. Wir sind natürlich weiter befreundet – und ich ziehe den Hut davor, dass er nach Toronto gegangen ist. Aber es ist nun einmal so im Fußball: Der eine hört auf, die anderen rücken nach.

Wer ist denn künftig der Macker auf dem Platz – oder wird es mehrere Frings‘ geben?

Borowski:Die Tendenz ist doch, das sieht man auch bei anderen Vereinen: Diese sogenannten Alpha-Tiere sterben aus. Torsten gehörte auch dazu. Es verteilt sich immer mehr auf viele Spieler – und das ist gar nicht so schlecht.

Am Sonntag geht‘s zum Werder-Tag auf die Galopprennbahn in Bremen. Für Sie als Pferdebesitzer dürfte das ein richtig angenehmer Termin sein . . .

Borowski:Es ist richtig, ich bin seit einiger Zeit Pferdebesitzer. Ich wollte mal etwas anderes machen, deshalb habe ich mich für die Variante entschieden. So bleibe ich beim Sport. Ich freue mich schon auf Sonntag.

Sie wirken plötzlich ein bisschen nervös. Liegt‘s daran, dass Ihr Pferd Black Arrow an den Start gehen wird?

Borowski:(grinst) Das steht noch nicht fest. Schauen wir mal, was passiert. · kni

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