Torsten Frings im Interview:

„Das wird sehr emotional“

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Bremen - Ein Großer des deutschen Fußballs sagt heute Abend „Tschüss“. Nach 16 Jahren Profi-Fußball. Nach 402 Bundesligaspielen, davon 325 für Werder Bremen. Nach 79 Länderspielen für Deutschland. Nach einer Karriere, von der er selbst, wie er sagt, zu Beginn seiner Laufbahn „nie zu träumen gewagt“ hatte. Um 20.15 Uhr betritt Torsten Frings das letzte Mal sein Wohnzimmer – das Weserstadion.

Lesen Sie dazu: Ein Abschiedsgruß von Willi Lemke„My last game in green“ hat der mittlerweile 36-Jährige sein Abschiedsspiel getauft, in dem sich ein Team Werder Bremen und eine Mannschaft, bestehend aus vielen Weggefährten, gegenüberstehen. Freunde, Familie und über 40 000 Zuschauer werden ihren „Lutscher“ dabei feiern. Und er weiß schon jetzt: „Das wird sehr emotional.“

Herr Frings, wie ist Ihre Gefühlslage so kurz vor dem letzten großen Auftritt?

Torsten Frings:So langsam werde ich schon nervös. Auf der einen Seite, weil dieses Spiel für mich etwas ganz Besonderes ist. Auf der anderen Seite hoffe ich natürlich, dass alles so klappt, wie wir uns das vorgenommen haben. Wir hatten sehr viel vorzubereiten, und ich hatte Angst, jemanden zu vergessen. Denn wenn du so viele Jahre dabei bist, lernst du eine Menge Leute und Freunde kennen, die du gern dabei haben möchtest. Und es war nicht einfach abzuwägen, wer kommt und wer nicht.

Auf wen freuen Sie sich besonders?

Frings:Ach, ich möchte da niemanden herausheben. Ich freue mich einfach riesig auf alle, die kommen und mich in meiner langen Karriere unterstützt haben.

Aber dass Thomas Schaaf zugesagt hat und das Team Werder betreuen wird, ist schon noch eine besondere Hausnummer.

Frings:Na klar. Es ist für mich sehr wichtig, dass Thomas kommt. Zumal es für ihn sicherlich nicht einfach war, für dieses Spiel zuzusagen und wieder ins Weserstadion zu kommen. Umso glücklicher bin ich, dass er das für mich tut. Er hat mich mein Leben lang begleitet, ich habe ihm viel zu verdanken.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von der Entlassung Schaafs bei Werder erfahren haben?

Frings:Mein erster Gedanke? Ganz ehrlich, ich habe gedacht: Shit, das gibt’s doch nicht. Er war hier in Bremen ja eine Institution. Das war schon ein merkwürdiges Gefühl. Zumal Thomas vom ersten Tag an mein Trainer war.

Und wie wird das Gefühl sein, zum letzten Mal im Weserstadion aufzulaufen?

Frings:Es ist ein besonderer Moment, und ich bin froh, dass ich mich von allen vernünftig verabschieden kann. Das war ja 2011 nicht so der Fall gewesen. Ich freue mich riesig drauf. Und da kommen sicherlich auch Erinnerungen an die vielen schönen Erlebnisse wieder hoch.

Sie gelten als harter Typ. Werden Sie trotzdem ein paar Tränen vergießen?

Frings:Ich weiß es nicht, aber ich gehe schon davon aus, dass das passieren kann. So etwas lässt dich nicht kalt. Ich glaube es wird für mich ein sehr emotionaler Moment. Und ich hoffe einfach, dass es für alle ein toller Abend wird.

Mit über 40 000 Fans im ausverkauften Weserstadion ist der Rahmen dafür ja gegeben.

Frings:Das ist schon Wahnsinn, und es macht mich unheimlich stolz, dass so viele Fans kommen. Es zeigt, dass ich in meiner Karriere einiges richtig gemacht habe.

Sie kamen im Dezember 1996 von Alemannia Aachen nach Bremen. Haben Sie sich damals eine derartige Karriere überhaupt vorstellen können?

Frings:Nein, ich habe damals davon nie zu träumen gewagt. Ich bin doch noch als Junge nach Bremen gekommen, war eigentlich für die zweite Mannschaft von Thomas Schaaf vorgesehen – mit Blick nach oben. Und dann bin ich nach nur einer Wintervorbereitung Stammspieler geworden, und es ging los mit der Karriere.

Und mit Ihrem Spitznamen „Lutscher“, den sie gleich in den ersten Trainingseinheiten von Andreas Herzog verpasst bekommen haben. Ist eigentlich nie eine Süßwarenfirma auf die Idee gekommen, Sie als Werbeträger etwa für Lollys zu gewinnen?

Frings:Doch schon. Mit Chupa Chups oder wie das heißt war mal was.

Nun ja, nachhaltiger in Erinnerung bleibt da die XXII, die Nummer 22, die sie Ihre gesamte Karriere begleitet hat. Was hat es damit auf sich? XXII steht sogar auf dem Tank Ihres Motorrads.

Frings:Überall in meinem Leben taucht die XXII auf. Wie Sie schon sagen: Auf meinem Motorrad, als meine Rückennummer, auf meinem Tattoo bis hin zu meinem Geburtstag. Es ist meine Glückszahl, und sie ist in gewisser Weise auch zu meinem Markenzeichen geworden.

Werden Sie den Beruf des Profis vermissen?

Frings:Nein, ich werde ihn nicht vermissen, weil ich jetzt eine neue Aufgabe habe, die mir unheimlich viel Spaß macht. In den zwei Jahren, in denen ich zuletzt in Toronto war, habe ich ja auch schon etwas Abstand gewinnen können. Ich blicke nach vorn in eine spannende Zukunft.

Glauben Sie, in Ihrer Karriere irgendetwas verpasst zu haben?

Frings:Nein, eigentlich nicht. Es ist alles gut so, wie es gekommen ist. Natürlich wäre ich gerne Weltmeister oder Europameister geworden. Aber das sollte halt nicht sein. · flü

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