Werder hat aber nicht nur ein Mentalitäts-Problem / Dutt verteidigt neues Spielsystem

„Das Winner-Gen muss wieder rein“

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Ratlosigkeit und Frust bei Özkan Yildirim, Cedric Makiadi, Luca Caldirola und Zlatko Junuzovic (von links). Werder plagt sich kurz vor dem Bundesliga-Start noch mit einigen Problemen herum.

Bremen - Die Pokalschmach von Saarbrücken (1:3 nach Verlängerung) hat Werder mächtig geschockt – und eindrucksvoll gezeigt, welche Sorgen und Nöte die Bremer in die am Wochenende startende Bundesliga-Saison begleiten. Das sind Werders Probleme:

Die Flexibilität

Das von Trainer Robin Dutt propagierte neue Werder-System ist ein 4:3:3. Eine sehr variable, aber auch offensive und demnach riskante Ausrichtung. Und die Mannschaft kann die Vorstellungen des neuen Coaches bisher nicht umsetzen. Ein Gleichgewicht zwischen Offensive und Defensive war in Saarbrücken gar nicht zu erkennen, geschweige denn Tempowechsel oder gelungene Ballstafetten über mehrere Stationen. Es gab verheerende Missverständnisse, Abstimmungs- und Kommunikationsprobleme. Mal ist Werder hinten offen wie ein Scheunentor, dann wieder vorne zu umständlich und durchschaubar. „Ich habe eigentlich ein gutes Gefühl bei diesem System und bin ein Fan davon. Ärgerlich aber, dass es in Saarbrücken überhaupt nicht funktioniert hat“, findet Stürmer Nils Petersen.

Es muss sich zeigen, ob das Bremer Spielermaterial tatsächlich für die Duttsche Taktik geeignet ist – und wie lange es dauert, bis Fortschritte und die nötige Stabilität zu erkennen sind. Dutt ist überzeugt davon, die richtige Wahl getroffen zu haben: „Ich habe das mit dem Spielerrat diskutiert – und wir haben uns gemeinschaftlich dafür entschieden. Nach einer Niederlage stellt hier keiner von uns das System infrage.“

Die Mentalität

Bei diesem heiklen Thema hält sich Robin Dutt noch bedeckt. „Es steht mir nicht zu, nach nur einem Spiel die Mentalität anzuzweifeln“, sagt der neue Coach. Andere reden Klartext. Kapitän Clemens Fritz bemängelt, dass „wir es nicht geschafft haben, uns gegen aggressive Saarbrücker entsprechend zu wehren“. Das heißt nichts anderes als: Einstellung und Kampfgeist fehlten. „Man hat gesehen, dass uns auch ein Drittligist den Schneid abkaufen kann. Das darf nicht passieren“, betont Eichin, der im Pokal zudem den unbedingten Willen vermisste: „Das ist ein Punkt, den ich schon ein paar Mal angesprochen habe. Ich dachte, dass wir den weghaben. Aber offensichtlich lässt sich das nicht von heute auf morgen korrigieren.“

Die Misserfolgsserie von nun 14 Pflichtspielen in Folge ohne Sieg nagt erheblich an den Bremern. Das Selbstvertrauen ist im Keller, die anfängliche Euphorie nach dem Neustart unter Dutt schon verschwunden. Und auf dem Platz ist jeder mit sich selbst beschäftigt, es gibt keinen Aufrüttler oder Mitreißer. „Wir müssen uns gegenseitig viel mehr hochpushen. Da muss mal einer den Mund aufmachen“, fordert Petersen: „Dieses Winner-Gen, diese Siegermentalität muss wieder rein.“

Die Qualität

Bisher war immer die Rede von ein bis zwei Nachbesserungen, die Werder auf dem Transfermarkt womöglich noch plant. Das Spiel in Saarbrücken aber zeigte: Das reicht nicht für eine Bundesliga-Saison ohne Abstiegssorgen. Baustellen gibt es vorne, hinten und in der Mitte. Besonders sanierungsbedürftig sind die beiden Positionen, auf denen die Bremer ohnehin suchen. Linksverteidiger Lukas Schmitz fällt mit seinem Fußwurzelbruch noch mindestens einen Monat aus, der umgepolte Rechtsverteidiger Theodor Gebre Selassie ist auf ungewohnter Seite nicht mehr als eine Notlösung. Und Florian Hartherz, der dort spielen kann, hat sich nicht als ernsthafte Alternative empfohlen – auch nicht bei seinem Kurzeinsatz in Saarbrücken. Hinzu kommt die Angriffs-Problematik: Werde hat zwar viele Offensivspieler im Kader, ist aber insgesamt viel zu ungefährlich. In den Testspielen haben nur Niclas Füllkrug und Nils Petersen regelmäßig getroffen, in Saarbrücken überboten sich auch diese beiden an Harmlosigkeit.

Sportchef Thomas Eichin hat bei der Pokal-Pleite wieder „neue Erkenntnisse“ gewonnen, was zu tun ist. Welche das sind, sagt er jedoch nicht. Er erklärt nur: „Wir müssen genau gucken, wo der Schuh drückt.“ Eigentlich überall. Doch für eine gründliche Qualitätsverbesserung auf mehreren Positionen, die in der Regel kostspielig ist, fehlen Werder schlicht die finanziellen Mittel.

Die Liquidität

Werder steuert auf Sparkurs, auch durch die lange internationale Abstinenz. Transfers wie der von Marko Arnautovic, den sich Werder 2011 6,5 Millionen Euro kosten ließ, gehören der Vergangenheit an. Die Bremer können jeden Euro gebrauchen, lassen aber zusätzliche Geldquellen fahrlässig versiegen. Bei Erreichen der zweiten Pokalrunde wären 250 000 Euro garantiert gewesen, bei einem Heimspiel sogar deutlich mehr. Dieses Geld fehlt Werder – wie schon 2011 und 2012. „Dass du als Bundesligist die zweite Runde einkalkulierst, ist doch klar. Dass das zum dritten Mal in Folge nicht gelungen ist, ist traurig“, findet Eichin und gesteht: „Das macht die Situation für uns nicht einfacher.“ · mr

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