Werder-Boss Allofs verkündet Abschied von Borowski – und der ist überrascht

„Das tut weh“ – der letzte Meister muss gehen

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Tim Borowskis größter Werder-Moment: 2004 holte er mit den Bremern die Meisterschaft – und anschließend auch den Pokal.

Bremen - Alle anderen sind längst weg, nun hat es auch Tim Borowski erwischt: Der im Sommer auslaufende Vertrag des 31-Jährigen wird nicht verlängert. Der SV Werder verabschiedet sich freiwillig von seinem letzten Double-Gewinner.

Das gab Clubchef Klaus Allofs gestern bekannt. Borowski hatte mit den Bremern 2004 erst überraschend die Meisterschaft geholt und dann den Club mit zwei Toren zum DFB-Pokalsieg (3:2 gegen Aachen) geschossen.

„Jeder, der mich kennt, der weiß, dass es mir weh tut, dass es traurig ist“, sagte Borowski gestern Mittag vor dem Training und wirkte ziemlich irritiert vom großen Medienrummel um seine Person: „Ich bin überrascht, dass Klaus Allofs das jetzt komplett rausgehauen hat.“

Offenbar hatten Spieler und Club bis zum Saisonende eine Art Stillhalteabkommen vereinbart. Das war bereits am Dienstag von Borowski quasi angebrochen worden, als er vorsichtig von Abschied sprach (wir berichteten). Das nahm Allofs gestern zum Anlass, für Klarheit zu sorgen, die zwischen den beiden Parteien schon lange herrscht. „Wir haben schon vor Monaten mit Tim gesprochen und ihm ganz klar gesagt, dass sein Vertrag nicht verlängert wird“, berichtete Allofs und nannte als Grund für diese Entscheidung: „Das ist unsere sportliche Einschätzung.“

Die Karriere in Bildern

Tim Borowski: Die Karriere in Bildern

Werder glaubt nicht mehr an Borowski. Zu oft war der Ex-Nationalspieler (44 Länderspiele) in der Vergangenheit verletzt, speziell nach seiner Rückkehr vom einjährigen Gastspiel beim FC Bayern München (Saison 2008/09). In dieser Spielzeit hat der Mittelfeldspieler lediglich das DFB-Pokalspiel Ende Juli in Heidenheim bestritten. Danach streikte das Sprunggelenk. Bis jetzt. Am Dienstag meldete sich Borowski erstmals ins Mannschaftstraining zurück. Unbeeindruckt von Werders Entscheidung hatte sich der lange Blonde, der 1996 (!) als 16-Jähriger aus Neubrandenburg ins Werder-Internat eingezogen war, durch die Reha gequält. Deshalb ist das Karriereende eigentlich auch noch kein Thema: „Ich hoffe, dass mein Sprunggelenk der Belastung standhält. Ich würde schon gerne noch das eine oder andere Jahr dranhängen. Es macht einfach noch zu viel Spaß. Der Beruf ist zu schön, um aufzuhören.“

Somit bleibt ihm nur ein Vereinswechsel. Innerhalb der Bundesliga dürfte es für Borowski nach seiner langen Ausfallzeit schwierig werden. Dass er seinem ehemaligen Teamkollegen Torsten Frings in die Major League Soccer in die USA folgt, ist ebenfalls unwahrscheinlich, denn erst am Dienstag ist Borowski zum zweiten Mal Papa geworden. Schon zuvor hatte er klargestellt, dass er seiner Familie diesen Transfer nach Übersee nicht antun werde. Blieben noch Österreich oder die Schweiz, wo Borowski schon als Urlauber Stammgast ist.

Es gibt aber auch eine Bremer Lösung – dann allerdings nicht als Fußball-Profi. Als verdienter Spieler bestünde für Borowski, so Allofs, die Möglichkeit, „in anderen Bereichen des Clubs tätig zu werden. Wir haben bereits gemeinsam Pläne entworfen, werden die aber nur offenlegen, wenn es auch so kommen wird.“

„Es tut mir leid, dass es so für ihn zu Ende geht“

Diese Entscheidung hat Borowski noch nicht getroffen. „Wir werden uns – wie besprochen – im Sommer zusammensetzen“, sagte der 31-Jährige, der bei aller Enttäuschung angeblich keinerlei Groll hegt: „Irgendwann kommt dieser Schnitt. ich habe das toleriert und akzeptiert. Es gibt keinerlei Probleme.“ Ein Wunsch bleibt aber: Nach 209 Bundesliga-Spielen für Werder noch einmal zum Kader gehören, um im Heimspiel gegen Schalke im Trikot verabschiedet zu werden. „Das wäre ein Traum“, sagte Borowski.

Doch Trainer Thomas Schaaf machte ihm wenig Hoffnung: „Er hat doch überhaupt noch kein Spiel gemacht – und wir haben noch Ziele vor Augen.“ Ohnehin ging Schaaf erneut extrem emotionslos mit dem Abschied von einem seiner langjährigen Spieler um: „Es gibt einige, die schon lange bei Werder sind. Aber irgendwann muss man aufhören. Ich würde selber auch manchmal gerne die Schuhe binden und auflaufen, aber das geht nicht mehr.“

Langjährige Teamkollegen fanden da wärmere Worte – wie Naldo: „Das ist sehr schade. ,Boro’ war sehr wichtig für die Mannschaft.“ Und Aaron Hunt meinte: „,Boro‘ ist ein super Typ. Es tut mir leid, dass es so für ihn bei Werder zu Ende geht, dass er so lange nicht spielen konnte. Deshalb wünsche ich mir, dass er noch zwei, drei Jahre woanders spielt und wir uns wiedersehen.“ · kni

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