„Das Team muss das geraderücken“

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Bitte eintreten: Werder-Boss Klaus Allofs schließt den Trainingsplatz auf und appelliert vor der Rückserie an den Ehrgeiz der Mannschaft.

Bremen - Während die Profis gestern noch Urlaub hatten, war der Clubchef schon längst vor Ort. Klaus Allofs saß in seinem Büro im Weserstadion – und das bestens gelaunt. Der Boss des SV Werder Bremen freut sich, dass heute Morgen um 10 Uhr die Vorbereitung auf die Rückrunde beginnt und es bereits morgen ins Trainingslager ins türkische Belek geht.

Was der 55-Jährige von der Mannschaft erwartet, was er auf dem Transfermarkt vorhat und was er von Ailtons Wechsel ins RTL-Dschungelcamp hält, verrät er im Interview.

Herr Allofs, Sie sind schon an Ihrem Arbeitsplatz – können Sie die Rückrunde etwa kaum erwarten?

Klaus Allofs:Ich freue mich wirklich sehr darauf. Der Urlaub war zwar kurz, hat aber sehr gut getan. Jetzt kann es wieder losgehen, und wir sind ja auch gleich unterwegs.

In Belek – wo auch sonst?

Allofs:Ich bin gerne dort, denn die Bedingungen für ein Trainingslager sind in der Türkei einfach klasse. Es wird auch nicht langweilig, weil wir wieder ein anderes Hotel und Trainingsgelände haben.

Werden alle Spieler zur Verfügung stehen?

Allofs:Ich denke schon. Ich habe nichts Negatives gehört, und das bedeutet eigentlich, dass keinem etwas Schlimmeres passiert ist. Wir werden auch Mikael Silvestre, Sebastian Boenisch und Denni Avdic mitnehmen, die lange ausgefallen sind.

Was ist mit Tim Borowski, der schon seit August verletzungsbedingt fehlt?

Allofs:Bei ihm geht‘s leider noch nicht, er kann nicht voll trainieren. Es macht auch keinen Sinn, jetzt irgendwelche Prognosen abzugeben.

Rund um Weihnachten wurde Zlatko Junuzovic als Wintereinkauf gehandelt. Werden Sie den Österreicher von Austria Wien tatsächlich verpflichten?

Allofs:Wir haben im Winter zu 90 Prozent auf dem Transfermarkt nichts vor. Und ich sage nur deshalb nur 90 und nicht 100 Prozent, weil sich immer eine besondere Gelegenheit ergeben kann.

Junuzovic wäre so eine?

Allofs:Nein. Ich mache keinen Hehl daraus, dass wir ihn uns angeschaut haben und er in unseren Planungen eine Rolle spielen könnte, aber nicht im Winter. Unser Kader ist gut und groß genug, in Boenisch, Silvestre und Avdic kommen sogar noch drei Spieler dazu.

Also ist es wahrscheinlicher, dass Sie Spieler abgeben?

Allofs:Nein. Wir brauchen diesen großen Kader mit diesem harten Konkurrenzkampf, um die Wahrscheinlichkeit hoch zu halten, in der nächsten Saison international wieder dabei zu sein. Natürlich kann es passieren, dass der eine oder andere Spieler auf der Strecke bleibt und wenig bis gar nicht spielt.

So wie Wesley, der angeblich in Brasilien sehr begehrt ist?

Allofs:Es gibt kein Angebot für ihn. Wenn eines kommt, beschäftigen wir uns damit. Wie bei jedem anderen Spieler auch. Wir sind zwar nicht mit ihm zufrieden, haben ihn aber auch nicht abgeschrieben.

Wäre da nicht eine Ausleihe hilfreich, damit Wesley woanders Spielpraxis sammelt und vielleicht gestärkt zurückkehrt?

Allofs:Eine Ausleihe ist kein Thema. Denn da käme wohl nur Brasilien in Frage, und ich kann mir nicht vorstellen, dass Wesley danach noch einmal zurückkommen würde.

Im Sommer laufen 13 Spielerverträge aus, wann gibt es die ersten Verlängerungen?

Allofs:Das weiß ich nicht. Ich sehe uns da nicht unter Zeitdruck. Aber natürlich haben wir schon Gespräche geführt.

Und werden schon bald die Einigung mit Kapitän Clemens Fritz verkünden?

Allofs:Wir bauen auf ihn. Er ist ein guter Kapitän, auch sportlich sind wir mit ihm zufrieden. Aber Clemens weiß auch, dass die letzten Jahre finanziell von unseren Champions-League-Teilnahmen geprägt wurden.

Fritz muss also Abstriche machen?

Allofs:Über Zahlen haben wir noch nicht gesprochen.

Der Vertrag mit Claudio Pizarro läuft noch bis Sommer 2013, darf aber von beiden Seiten bereits nach dieser Saison gekündigt werden. Kann sich Werder einen Großverdiener wie Pizarro noch leisten, falls das internationale Geschäft verfehlt wird?

Allofs:Ja. Wir werden unsere Möglichkeit, aus dem Vertrag auszusteigen, nicht wahrnehmen. Die Geschäftsführung hat sich in Absprache mit Trainer Thomas Schaaf festgelegt, dass Claudio über diese Saison hinaus bei uns spielen soll.

Sieht Pizarro das genauso?

Allofs: Ich hoffe es. Er dürfte wissen, dass er hier am richtigen Fleck ist. Aber kommt da jemand aus Katar oder China, der finanziell völlig unvernünftige Dinge tut, weiß man nie, was passiert.

Was ist mit Tim Wiese, soll auch er bleiben?

Allofs:Tim ist zweiter Torwart der Nationalmannschaft und braucht für seinen weiteren Weg gewisse Voraussetzungen.

Also können Sie ihn nur halten, wenn Werder im Europacup spielt?

Allofs:Nicht unbedingt. Wir brauchen eine Mannschaft mit Perspektive, auch so etwas ist reizvoll. Natürlich werden wir das Thema demnächst angehen, denn mit Tim können wir das nicht erst im Mai klären.

Sie haben Ihren Vertrag verlängert, genauso wie Trainer Thomas Schaaf – bleiben auch die Co-Trainer Wolfgang Rolff, Matthias Hönerbach und Torwarttrainer Michael Kraft?

Allofs:Da müssen wir noch Gespräche führen, denn vor Weihnachten ging das alles doch sehr schnell, ich hatte praktisch schon die Koffer in der Hand, als sich der Aufsichtsrat noch einmal gemeldet hat und wir alles klar gemacht haben. Thomas Schaaf war da sogar schon im Urlaub.

Also wird er erst heute oder morgen seinen neuen Vertrag unterschreiben?

Allofs:Das denke ich nicht, das machen wir später. Das ist auch nicht so wichtig, bei uns zählt der Handschlag. Aber natürlich haben wir auch Verträge, ich muss ja auch noch unterschreiben.

Was erwarten Sie ab heute von den Spielern?

Allofs:Dass sie weiter als verschorene Gruppe auftreten und sich auf dem Platz keine Disziplinlosigkeiten mehr leisten – so wie in der Hinrunde Marko Arnautovic und Aaron Hunt. Das werden wir in den nächsten Tagen in Belek noch einmal thematisieren. Wir müssen es auch schaffen, auswärts endlich mutiger aufzutreten, denn sonst wird es schwer, unsere Ziele zu erreichen.

Werder belegt als Fünfter einen Quali-Rang für die Europa League – würden Sie das Angebot annehmen, diese Platzierung jetzt schon zu fixieren?

Allofs:Ganz nüchtern betrachtet müsste ich das sofort tun. Denn gegen die ersten Vier haben wir so schlecht ausgesehen, dass es völlig unrealistisch wäre, nun von mehr zu sprechen. Aber die Mannschaft muss auch den Ehrgeiz haben, das geradezurücken. Sie darf sich auf keinen Fall mit Platz fünf zufrieden geben, sondern muss zulegen, noch mehr Aufwand betreiben und weniger Fehler machen.

Zum Abschluss noch eine kleine Geschichte zum Schmunzeln: Werden Sie in diesem Jahr das RTL-Dschungelcamp mit dem Ex-Bremer Ailton verfolgen?

Allofs:Ganz sicher nicht. Man schämt sich doch dabei schon für Menschen, die man nicht so gut kennt. · kni

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