Robin Dutt spielt den Verlust des kürzlich noch umschwärmten Aaron Hunt herunter

„Das ist für mich ein  ganz normaler Vorgang“

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Aaron Hunt, der immer schon polarisierte, kehrt Werder Bremen den Rücken – wie reagieren jetzt die Fans? ·

Bremen - Von Petra Philippsen. Der schwarze Geländewagen donnerte die Einfahrt zum Weserstadion hinunter, und keinen Moment ließen ihn die Kameraobjektive und Fotolinsen dabei aus den Augen. Natürlich nicht, denn Aaron Hunt saß am Steuer. Und der will ja im Sommer weg aus Bremen, wie man seit Donnerstagabend nun auch offiziell weiß.

Weg wollte Hunt auch gestern Nachmittag, als er aus dem Wagen stieg, die schwarze Baseball-Kappe tief ins Gesicht gezogen, und sich den Weg durch die Journalisten-Traube bahnte. „Sorry“, sagte er bloß. Nein, er wolle erst nach dem Spiel am Sonntag gegen Hannover etwas zu seiner Situation erklären. Dann verschwand er in den Katakomben des Stadions und ließ alle Fragen offen.

Dass sich Hunt nach zehn Jahren Werder-Treue künftig anderweitig orientieren würde, war schon vor zwei Wochen durchgesickert. Doch warum genau der Mittelfeldmotor der Hanseaten gehen will und ob er stattdessen bald im Trikot von Besiktas Istanbul spielen wird, wollte Hunt bisher nicht kommentieren.

So blieb es gestern Trainer Robin Dutt überlassen, zu erklären, warum die Entscheidung gegen Werder fiel. „Wenn ein Spieler wie Aaron mit 27 Jahren schaut, dass im Vertrag noch mal richtig viel drinsteht, dann gehört das zum Fußballberuf dazu und muss akzeptiert werden“, stellte Dutt nüchtern fest. Im Klartext heißt es also: Hunt wollte mehr Geld als die klammen Bremer ihm bieten konnten – dabei waren die mit ihrem Angebot schon an die Schmerzgrenze gegangen. „Ich glaube nicht, dass es mangelnde Wertschätzung dem Verein gegenüber ist, bei dem er aufgewachsen ist“, schob Dutt noch hinterher.

Von Wertschätzung sprach der Werder-Trainer viel an diesem Tag. Von jener so großen Wertschätzung, die er selbst und der Verein für Hunt empfinden würde. Für den dienstältesten Bremer, der bisher 208 Mal in der Bundesliga für die Grün-Weißen auflief und dabei 43 Tore erzielte. Für den, der seit 13 Jahren zur Werder-Familie gehört. Doch das alles kam so sachlich und gedämpft daher, beinahe betont gleichgültig. „Das ist für mich ein ganz normaler Vorgang“, stellte Dutt klar. Spieler wechseln nun mal den Verein, sagte er. Ein Lewandowski geht ablösefrei zu den Bayern und Hunt verlässt ablösefrei Bremen – na und?

Dabei hatte das vor nicht allzu langer Zeit, als der Kampf um Aaron Hunt in vollem Gange war, noch ganz anders geklungen. „Aaron ist ein Spieler mit außergewöhnlicher Qualität“, hatte Dutt beim Werder-Talk in Riede im Oktober noch geschwärmt: „Wenn er nicht mehr da wäre, würden wir ihn vermissen.“ Und auch Manager Thomas Eichin hatte betont: „Aaron hat das absolute Werder-Herz. Ich sehe ihn lieber hier als woanders.“

Doch Hunt wird woanders spielen, für mehr Geld und wohl auch mit einer besseren sportlichen Perspektive. „Dafür habe ich großes Verständnis“, meinte Dutt. Dabei war es ihm anzumerken, dass es ihm lieber gewesen wäre, wenn Eichin die Nachricht vom Wechsel nicht gerade vor dem heiklen Auswärtsspiel gegen Hannover bestätigt hätte. Denn auch der Werder-Trainer weiß, dass Hunt von Teilen des Anhangs ganz schnell zum Buhmann auserkoren werden könnte, sollte gegen die 96er etwas schiefgehen. Es wäre schließlich nicht das erste Mal. Hunt hatte in der Vergangenheit oft polarisiert und war mehrmals im eigenen Stadion ausgepfiffen worden. Dutt hatte schon bei seinem Amtsantritt gemerkt, dass „Aaron nicht die Wertschätzung genießt, die er aufgrund seines Könnens genießen müsste“. Doch das habe sich geändert, auch weil er immer wieder betont habe, wie wichtig die Nummer 14 sei.

Dennoch steht zu befürchten, dass die letzten Spieltage für Hunt zum Spießrutenlauf werden könnten. Der wichtigste Mann verlässt das sinkende Schiff – die Fans könnten meutern. Teamkollege Zlatko Junuzovic ist freilich überzeugt, dass Hunt selbst keine Vorlagen für negative Stimmung liefert: „Aaron wird Gas geben und sich in den Dienst der Mannschaft stellen.“

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