Thomas Schaaf fühlt neuen Esprit im Team

„Das macht auch wieder Freude“

Der Kommandant spricht: An Bord der Fähre nach Norddeich skizzierte Cheftrainer Thomas Schaaf seine Ideen für die anstehende Saison. ·

Norderney · Die Hitliste der ungewöhnlichsten Orte für ein Fußball-Interview muss neu sortiert werden. Auf der Kommandobrücke der Fähre nach Norddeich versammelte Thomas Schaaf gestern die Journalisten um sich – das hat einen Platz in den Top 10 locker verdient.

Zwischen Kompass und Knotenmesser präsentierte sich der Trainer von Werder Bremen locker und gelöst. Ein Zeichen, dass das einwöchige Trainingslager auf Norderney gut verlaufen ist. „Die Mannschaft hat super mitgezogen“, sagte der 51-Jährige und nahm sich Zeit, die Themen und Fragen der Woche genauer zu beleuchten.

Die Systemfrage

Mit welcher taktischen Grundordnung wird Schaaf, viele Jahre ein Freund der Mittelfeld-Raute, künftig spielen lassen? Wer eine eindeutige Antwort darauf erwartete, wurde enttäuscht. Zu früh sei es – so die Kurz-Zusammenfassung seiner Ausführungen – für eine eindeutige Festlegung. Auf Norderney, wo der Trainingsschwerpunkt auf Kraft- und Konditionsarbeit lag, wurden allenfalls Ansätze erarbeitet. Klar ist: Werder spielt künftig mit zwei offensiven Außen und einem Mittelstürmer. Schaaf spricht von „drei Stürmern“ und fordert ein „Mittelfeld, das immer in fließender Bewegung ist“. Hört sich etwas kryptisch an und bedeutet wohl: Sich auf ein klar definiertes System festzulegen und das auch noch zu formulieren, lehnt Schaaf ab. „Wir werden verschiedene Möglichkeiten ausprobieren und dann schauen, wie die Mannschaft jeweils darauf reagiert. Wir dürfen aber auch nicht zu sehr hin und her springen, sondern müssen zur Sicherheit finden, die Dinge festigen. Wenn wir dann die Überzeugung gefunden haben, so funktioniert es am besten, dann spielen wir so.“ Zeitvorstellung? Keine genaue. „Möglichst schnell“, so Schaaf.

Werder gewinnt das Trainingsspiel in Leer 

Werder gewinnt Trainingspiel in Leer 11:0

Eljero Elia

Der Niederländer als Königstransfer – Werder hat mit seiner Verpflichtung ein Zeichen gesetzt, das besagt: Wir greifen wieder an! Als Symbolfigur für das „neue Werder“ will Schaaf den 25-Jährigen aber nicht missbrauchen. „Natürlich ist er einer, der uns helfen kann, wieder starken, erfolgreichen Fußball anzubieten. Aber er ist auch nur ein Teil der Mannschaft, allein bewegt auch er nichts“, meint der Coach und wirbt dafür, die herumschwirrenden Vorurteile über den Neuzugang aus den Köpfen zu löschen. Zu sensibel, zu launisch? „So ist das mit dem Image. Wenn man es erstmal hat, wird man es nicht mehr los. Über mich wird ja auch immer noch gesagt, ich würde zum Lachen in den Keller gehen“, sagt Schaaf – und lacht natürlich. Muss er ja auch.

Aber die ersten Eindrücke, die er von Elia gewonnen hat, entsprechen eben auch nicht dem schlechten Ruf des 5,5-Millionen-Einkaufs: „Er ist fleißig, möchte sich beweisen. Mit ihm ist problemlos zu arbeiten.“

Weitere Verstärkungen

Ein Jahr zuvor hatte Schaaf ebenfalls nach der Norderney-Woche klare Kante in Sachen Personalplanung gezeigt und vehement einen Innenverteidiger (der schließlich in Person von Sokratis auch verpflichtet wurde) gefordert. Diesmal bleibt er zurückhaltend, antwortet eher defensiv: „Wir machen uns schon noch Gedanken über den Kader und gucken, ob da jemand ist, der uns weiterhelfen kann.“ Eine eindeutig formulierte Forderung, etwa nach einem Mittelstürmer, verkneift er sich.

Neuer Esprit

Erst morgen geht es in die Berge (das zweite Trainingslager im Zillertal/Österreich beginnt), ein Echo will Schaaf aber auch auf Norderney schon gehört haben. Und zwar von den Fans und auf die personellen Veränderungen bei Werder. Nach den Abgängen vieler Stars hatte auch Schaaf die Fragezeichen in den Augen der Fans gesehen. „Alle haben sich gefragt: Wo geht der Weg hin? Jetzt merkt man, dass wir Verantwortlichen uns Gedanken gemacht haben, wie wir den Kader neu zusammenstellen. Jetzt sieht man, dass interessante Spieler dazugekommen sind. Das macht auch wieder Freude.“ · csa

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