Maximilian Eggestein im Interview über seinen Single-Haushalt und seine Ziele

„Das Kochen klappt ganz gut“

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Werders Mittelfeld-Talent Maximilian Eggestein hat in dieser Saison erst fünf Profi-Einsätze, doch das macht den 19-Jährigen nicht nervös. Er setzt darauf, dass seine Zeit noch kommen wird.

Bremen - Von Malte Rehnert. Man könnte auf die Idee kommen, dass Maximilian Eggestein mit seiner derzeitigen Rolle nicht so ganz glücklich ist. Der 19-Jährige, nach Thomas Schaaf (17 Jahre/353 Tage) der zweitjüngste Bundesliga-Debütant in Werder Bremens Vereinsgeschichte (17/356), spielt in dieser Saison wenig bei den Profis.

Zuletzt war er wieder „nur“ für die U 23 in der Dritten Liga im Einsatz. Aber im Gespräch wirkt das Spielmacher-Talent nicht gerade frustriert, sondern ziemlich entspannt. „Man sollte sich selbst nicht zu viel Druck aufladen“, ist Eggesteins Motto. Im ausführlichen Interview spricht er aber nicht nur über Fußball, sondern auch über sein Wachstum, seinen Bruder Johannes (17), angebrannten Fisch und schmerzhafte Tennis-Niederlagen innerhalb der Familie.

Herr Eggestein, beginnen wir mit einem forschen Blick in die Zukunft. Eine Schlagzeile im Mai 2017 in dieser Zeitung: „Die Eggestein-Brüder schießen Werder nach Europa“. Was sagen Sie?

Maximilian Eggestein: 2017 ist, glaube ich, zu früh für so eine Schlagzeile. Irgendwann wäre sie aber schön. Mein Bruder Johannes und ich haben schon seit unserer Kindheit den Traum, mal im Profibereich zusammen zu spielen.

Die Gegenwart sieht für Sie nicht ganz so erfreulich aus. Fünf Bundesliga-Einsätze in dieser Saison, nur ein Mal in der Startelf. Wie zufrieden sind Sie damit?

Eggestein: Es geht immer mehr, das ist klar. Aber für mich ist es das erste echte Herrenjahr bei den Profis, da sollte man nicht zu früh zu viel erwarten. Und man sollte sich selbst nicht zu viel Druck aufladen. Sonst macht man sich zu viele Gedanken darüber, was noch kommen könnte – und verliert die Konzentration. Ich hoffe einfach, dass ich in dieser Saison noch ein paar Einsätze bekomme – spätestens aber in der nächsten. Das ist mein Ziel. Im Moment freue ich mich auch über Einsätze in der U 23, da kann ich auf hohem Niveau Spielpraxis sammeln. Für einen jungen Spieler ist jede Minute wichtig.

Im vergangenen Sommer waren Sie in den Testspielen fast immer der Zehner. Als es richtig losging, saßen Sie dann auf der Bank. Hatten Sie sich nach der verheißungsvollen Vorbereitung nicht mehr erhofft?

Eggestein: Natürlich hätte ich mich gefreut, wenn es ein paar Startelf-Einsätze mehr geworden wären. Aber ich wusste, dass es auch Phasen geben wird, in denen ich auf der Bank sitze, gar nicht im Kader bin oder in der U 23 spiele. Ich hoffe, meine Zeit, in der ich regelmäßig spiele, kommt noch. Man muss geduldig sein.

Beim DFB stehen Sie für die U 20 auf Abruf – bei Werder wirkt es irgendwie genauso. Fühlt es sich auch so an?

Eggestein: Nein, das würde ich nicht sagen. Dass ich oft im Kader war, ist schon mal eine gute Sache. Das zeigt, dass ich nah dran bin.

Aber Ihre Entwicklung ist schon ein wenig ins Stocken geraten.

Eggestein: Das sehe ich nicht so. Es hängt viel damit zusammen, dass wir im Abstiegskampf und damit in einer schwierigen Situation stecken. Da ist es nicht so einfach, auf junge Spieler zu setzen.

Levent Aycicek ist kaum älter als Sie, spielt die gleiche Position und weckt ebenfalls hohe Erwartungen, die er aber bisher nicht erfüllte. Er wurde im Winter an Zweitligist 1860 München ausgeliehen. Denken Sie auch manchmal über eine Luftveränderung nach?

Eggestein: Wir sind noch mitten in der Saison, darauf konzentriere ich mich. Ich habe mich noch nicht damit beschäftigt, was im Sommer ist oder passieren kann.

Was gibt es noch für Gründe, dass Sie so wenig gespielt haben? Woran fehlt es?

Eggestein: Im athletischen und physischen Bereich habe ich sicherlich noch Defizite, an denen ich arbeite, um stabiler zu werden. Das muss ich auch.

Was genau machen Sie, um robuster zu werden?

Eggestein: Ich bin mit unseren Athletiktrainern oft im Kraftraum, drei bis vier Mal pro Woche, vor oder nach dem Training – und auch mal an freien Tagen.

Haben Sie Fortschritte festgestellt? Breitere Schultern, breitere Brust?

Eggestein: Man merkt die Fortschritte immer daran, wenn die Gewichte schwerer oder die Sprintwerte besser werden. Das ist bei mir so. Ich bin auf einem guten Weg, aber natürlich gibt es noch Luft nach oben.

Offenbar auch bei Ihrer Körpergröße. Sie sind in den vergangenen Monaten ein bisschen gewachsen.

Eggestein: Ja, ein Stückchen. Ich war 1,78 Meter, jetzt bin ich knapp über 1,80 Meter.

Woran haben Sie das gemerkt? Sind Sie plötzlich kopfballstärker?

Eggestein: (lacht) Nein, das nicht. Und ich glaube, ich werde auch kein richtig guter Kopfballspieler mehr. Da bräuchte ich mindestens noch ein paar Zentimeter. Wir werden von den Athletiktrainern regelmäßig gemessen und gewogen. Da stellt man Veränderungen schnell fest.

Seit Sommer wohnen Sie nicht mehr im Werder-Internat, sondern in einer Wohnung in Bremen und müssen den Haushalt alleine schmeißen. Wie läuft’s?

Eggestein: Putzen ist ein bisschen schwierig, das gebe ich zu. Aber das Kochen klappt mittlerweile wirklich ganz gut, muss ich sagen.

Was kochen Sie?

Eggestein: Was man als Normalo wie ich so hinkriegt: Reis, Nudeln, Gemüse, mal Fleisch. Wir müssen ja auf unsere Ernährung achten.

Ist Ihnen am Herd schon mal etwas richtig misslungen?

Eggestein: Ja, ein Mal. Ein Fisch (lacht). Das lag daran, dass ich ihn zu lange in der Pfanne gelassen und nicht gewendet habe. Ich habe mich schon gewundert, warum sich nichts ändert. Dann habe ich ihn umgedreht – und die andere Seite war schwarz.

Kommt Ihr Bruder oft zu Besuch und zum Essen?

Eggestein: Schon regelmäßig, etwa ein Mal pro Woche. Oft am Wochenende, wenn auch meine Eltern vorbeikommen. Dann essen wir bei mir eine Kleinigkeit zusammen.

Und Sie kochen?

Eggestein: (lacht) Nein, nein. Das macht meistens meine Mutter. Sie bringt dann etwas mit.

Wie eng ist der Draht zu Ihrem Bruder?

Eggestein: Eng. An freien Tagen ist er häufiger hier – und wir spielen ein bisschen Playstation.

Er wohnt noch im Internat, geht bis zum Sommer zur Schule. Gibt es danach die Eggestein-WG?

Eggestein: Das will ich nicht ausschließen. Wir waren ja schon im Internat zwei Jahre lang in einem Doppelzimmer. Das hat gut geklappt. Schon seit der Kindheit unternehmen wir viel zusammen, waren oft auf dem Fußballplatz.

Der Vertrag Ihres Bruders bei Werder läuft aus. Viele Clubs – darunter Schwergewichte wie Manchester United – sollen Schlange stehen. Was rät der ältere Eggestein dem jüngeren?

Eggestein: Wenn er mich nach meiner Meinung fragt, kriegt er eine Antwort. Ansonsten versuche ich, mich da rauszuhalten. Das soll er mit seinem Berater und unserem Vater entscheiden.

Was trauen Sie ihm zu?

Eggestein: Viel. Wenn man die ganzen Namen von angeblich interessierten Vereinen hört, steigen aber schnell die Erwartungen. Man sollte auch ihm Zeit geben und nicht gleich zu viel verlangen. Er geht ziemlich gut mit der ganzen Sache um.

Ihr Vater Karl ist selbst ehemaliger Profi (36 Zweitliga-Spiele für den TSV Havelse). Wie wichtig ist er für Sie als Bezugsperson?

Eggestein: Er war für mich und meinem Bruder schon immer der erste Ansprechpartner. Er hat uns beim Fußball eigentlich immer unser Ding machen lassen, hat nur manchmal etwas gesagt. Dann ist er Kritiker und Motivator. Er redet uns gut zu, spornt uns an – aber er lobt uns auch nicht zu viel.

Ihre Eltern leben in Garbsen. Sie selbst sind gebürtiger Hannoveraner, haben aber nie bei „96“ gespielt. Leiden Sie dennoch ein bisschen mit, weil die „Roten“ fast sicher abgestiegen sind?

Eggestein: Für die Stadt und den Verein wäre es natürlich schade und traurig. Aber momentan sind wir mit Werder selbst in einer schwierigen Lage. Deshalb würde ich nicht sagen, dass ich mitleide. Für mich zählt nur Werder.

Auf der Vereinshomepage ist bei Ihnen unter der Rubrik Hobbys ein Strich. Was machen Sie gerne außer Fußball? Andere Sportarten?

Eggestein: Mit Freunden treffen, ins Kino gehen, ganz normale Sachen. Andere Sportarten kann ich nicht (lacht). In unserer Kabine spiele ich trotzdem ab und zu Tischtennis. Und gegen meine Schwester habe ich früher auch Tennis gespielt.

Wer hat gewonnen?

Eggestein: Am Anfang ich, dann sie – leider... Sie ist fast 15 und hat inzwischen ein Niveau erreicht, an das ich nicht mehr herankomme.

Zum Abschluss noch mal zum Gesprächsanfang: Wo sehen Sie sich in einem Jahr?

Eggestein: Puh, das ist schwierig. Ich hoffe, dass ich mich weiterentwickelt habe und noch ein Stück näher an den Bundesliga-Kader herangerückt bin. Und dass Werder in der ersten Liga spielt.

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