Mainz-Trainer Thomas Tuchel über Werder, den eigenen Höhenflug und Ähnlichkeiten mit Schaaf

„Das hätte ich so nicht erwartet“

Stolz auf sein Team: Der Mainzer Trainer Thomas Tuchel.

Werder-Bremen - Von Arne Flügge und Ole Schlabers · Dem phänomenalen Saisonstart folgte ein kleiner Durchhänger, doch der FSV Mainz 05 hat sich inzwischen wieder gefangen und steht derzeit auf Platz vier – eine Riesenüberraschung.

Vor dem Duell heute Nachmittag mit Werder äußerte sich der Mainzer Trainer Thomas Tuchel (37) im Interview mit dieser Zeitung über die „niemals selbstverständlichen“ Erfolge seines Teams, seine Arbeitsweise mit den „jungen Wilden“ und Parallelen zu Werder-Coach Thomas Schaaf.

Nach den sieben Siegen zum Saisonauftakt herrschte großer medialer Trubel um den FSV Mainz 05. Wie lieb ist es Ihnen, dass es um ihr Team inzwischen etwas ruhiger geworden ist?

Das kommt mir als Trainer im Sinne einer möglichst ruhigen Arbeit mit der Mannschaft sehr gelegen. Gerade im Hinblick auf den Startrekord zu Saisonbeginn ist der mediale Ansturm schon etwas ausgeufert. Auf der anderen Seite war dieses extreme öffentliche Interesse auch eine Auszeichnung für unsere herausragende Leistung, weshalb wir diese Phase der Saison in absolut positiver Erinnerung behalten.

Die anderen Mannschaften, so scheint es, haben sich auf den FSV inzwischen besser eingestellt. Wie schwer ist es, sich jetzt trotzdem zu behaupten?

Es ist für Mainz 05 immer schwer, sich in der Bundesliga zu behaupten. Wir dürfen nicht vergessen, mit welch’ vergleichsweise bescheidenen wirtschaftlichen Mitteln wir in Mainz arbeiten. Die Erfolge dieser Saison sind niemals eine Selbstverständlichkeit, sondern eine herausragende Leistung der Mannschaft. Um Bundesligaspiele zu gewinnen, muss eine Mannschaft des 1. FSV Mainz 05 immer als Gruppe an ihre Leistungsgrenze gehen. Und es gehört zur Natur der Sache, dass die Gegner etwas dagegen unternehmen.

Es gab zu Saisonbeginn einen Riesen-Hype um die „jungen Wilden“ wie Lewis Holtby und Andre Schürrle, vergleichbar mit dem Bremer Trio Marko Marin, Aaron Hunt und Mesut Özil in der vergangenen Saison. Özil ist weg, Marin und Hunt sind in ein Loch gefallen. Wie bereiten Sie Ihre jungen Spieler darauf vor, herausragende Leistungen auch konstant zu bestätigen?

Ich entwerfe keine negativen Szenarien, nur um junge Spieler darauf vorzubereiten. Wichtig ist für mich, dass man die jungen Spieler auch in schlechteren Phasen in ihrer Entwicklung weiter unterstützt und ihnen klar die Leistungskriterien vorgibt, anhand derer man sie als Trainer beurteilt. Der Trainer sollte jedem Spieler in guten und in schlechten Phasen in seinen Beurteilungsmaßstäben verlässlich bleiben.

Mainz gilt als ein Club, der sehr solide wirtschaftet. Ist Werder da in gewisser Weise ein Vorbild für den FSV?

Ich kann mir als Außenstehender kein Urteil zum wirtschaftlichen Handeln von Werder Bremen erlauben. Gemessen an dem öffentlich vermittelten Eindruck von ähnlich ambitionierten Bundesligisten ist Werder Bremen sicher eher ein Vorbild als andere Clubs. Am Ende muss aber jeder Club seinen eigenen Weg finden.

Sie haben quasi über Nacht das Vertrauen bekommen, Cheftrainer zu werden – ähnlich wie Thomas Schaaf 1999 bei Werder. Sehen Sie bei sich Parallelen zum jungen Schaaf?

Um das beurteilen zu können, müsste ich den jungen Thomas Schaaf und die Umstände seiner Einführung als Trainer gekannt haben. Da muss ich leider passen. Ich denke nicht, dass es überhaupt Sinn macht, solch’ plakative Vergleiche anzustellen.

Wie sehr überrascht es Sie, dass Sie mit Ihrem Team nach 20 Spieltagen im Kampf um die Champions-League-Plätze sind, während Werder Bremen mitten im Abstiegskampf steckt? Und was trauen Sie Werder in dieser Saison noch zu?

Hätte man mir die aktuelle Tabelle vor der Saison prophezeit, hätte ich die Situation beider Vereine so nicht erwartet. Aber ich denke generell nicht in diesen Kategorien, schon gar nicht unmittelbar vor dem direkten Duell. Wir bereiten uns auf ein Heimspiel gegen einen qualitativ hochwertig besetzten Gegner vor, auf seine Stärken und Besonderheiten im Spiel. Und vielleicht finden wir ja auch einen Ansatz, dass wir diesem Gegner Probleme bereiten können.

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