Lemke deutet an, dass der Ex-Profi Werders Wunschkandidat als Geschäftsführer ist

Darum zögert Bode: „Dieser Job kann einen auffressen“

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Einen Schreibtisch bei Werder? Noch arbeitet Marco Bode in seinem Büro in Hamburg, blättert dabei aber durchaus gerne mal durch eine Bremer Lektüre.

Bremen - Der Ball liegt auf dem Elfmeterpunkt, das Tor ist leer – Marco Bode muss nur noch einschießen. Als Stürmer wäre das für ihn kein Problem gewesen, als Geschäftsführer ist es eines. Der 43-Jährige feiert gerade nach den Absagen von Dietmar Beiersdorfer und Marc Kosicke ein Comeback als Werders Wunschkandidat auf die Nachfolge von Klaus Allofs, doch der Ex-Profi zögert: „Ich habe einen Riesenrespekt vor dieser Aufgabe. Dieser Job kann einen auffressen.“

Bode geht es wie Kosicke: Er muss eine Lebensentscheidung treffen. „Ich habe Familie, und ich habe auch ein Berufsleben – das kann ich nicht einfach so im Stich lassen“, sagt der Europameister von 1996, der unter anderem in Hamburg als Geschäftsführer der Sportmarketing-Agentur deepblue sports arbeitet. Deshalb hat er eigentlich den sanften Einstieg ins Fußball-Geschäft gewählt – als Aufsichtsrat bei seinem SV Werder, für den er bis 2002 insgesamt 379 Bundesliga-Spiele bestritt. „Ich bin mit meiner Rolle als Aufsichtsrat zufrieden und glücklich“, sagt Bode über seine neue Tätigkeit, die er erst vor wenigen Wochen aufgenommen hat.

Als kurz darauf Allofs Richtung Wolfsburg entschwand, fiel sofort der Name Bode als möglicher Nachfolger. Doch der winkte ab. Werder respektierte die Entscheidung und machte sich auf die Suche – mit Hilfe von Bode, der mit zur Findungskommission gehört und in dieser Funktion auch Beiersdorfer anrief, um ihn von einem Wechsel von Zenit St. Petersburg an die Weser zu überzeugen. Vergeblich. Der ehemalige Werder-Profi und Ex-Sportchef des Hamburger SV wollte die Russen nicht schon nach wenigen Monaten wieder verlassen.

Beiersdorfer wäre der starke Mann bei Werder geworden – wie es Allofs war. Nun erklärt Aufsichtsratschef Willi Lemke: „So eine Lösung ist durch die Aufwertung von Klaus Filbry und Frank Baumann eigentlich abgehakt.“ Filbry fungiert nun auch als Vorsitzender der Geschäftsführung, Baumann als Direktor Profifußball und Scouting. Zudem wurde die Position von Trainer Thomas Schaaf gestärkt, der nun mehr Mitspracherecht hat.

Werder veränderte das Profil des neuen Geschäftsführers – und wurde schnell fündig. „Wir hatten uns sehr auf Marc Kosicke fokussiert“, gesteht Lemke. Es ist herauszuhören, dass ihn die Absage des Trainerberaters und gebürtigen Bremers überrascht und ein Stück weit auch enttäuscht hat. Aber der 66-Jährige verkündet auch: „Wir haben noch einige Eisen im Feuer. Die Shortlist ist nicht leer.“

Sie wird auch nie leer sein, weil ein Name fest eingebrannt ist: Marco Bode. „So einen Mann wie Marco in der Hinterhand zu haben, ist nie schlecht. Er war von Beginn an ganz oben auf unserer Liste. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert“, sagt Lemke und macht Bode damit automatisch zum Wunschkandidaten, ohne das explizit zu betonen. Schließlich ist nach zwei öffentlich gewordenen Absagen von Topfavoriten Vorsicht geboten.

Im Fall Bode ganz besonders. Denn der 43-Jährige ist hin- und hergerissen. Er will seinen Verein nicht hängen lassen. „Es ist doch klar, dass ich in all den Überlegungen eine Rolle spiele“, gesteht er. Bode sagt aber auch: „Mich hat es bislang nicht ins operative Geschäft gedrängt. Das tut es auch jetzt nicht. Aber ich habe es auch nie ausgeschlossen. Es kann die theoretische Situation kommen, wo ich mir das anders überlege.“ Möglicherweise ist das schon ziemlich bald der Fall. · kni

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