Darum kann Werder plötzlich siegen / Prödl warnt: „Nicht in Euphorie ersticken“

Der Skripnik-Effekt: Punktuell verbessert

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Und Viktor Skripnik kann doch richtig jubeln – unterstützt wurde er dabei nach dem Schlusspfiff von Rouven Schröder, der als Direktor Profi-Fußball neuerdings auf der Bank sitzt.

Bremen - Dieses Bremen ist schon ungewöhnlich. Als Werder vor einer Woche nach einer 0:1-Heimniederlage gegen Köln Trainer Robin Dutt gefeuert hatte, kamen fast 1000 Fans zum Weserstadion, um Nachfolger Viktor Skripnik bei seiner ersten Übungseinheit zu empfangen.

Der bedankte sich mit zwei Siegen – erst im Pokal in Chemnitz (2:0), dann am Samstag in Mainz. Das 2:1 am 10. Bundesliga-Spieltag war Werders erster Saisonsieg. Doch nur drei Rentner wussten das gestern Morgen zu schätzen und begrüßten die Sieger. Ist denn schon wieder Alltag in Bremen? Ist alles schon wieder gut? Nein, es ist nur punktuell besser. Die Verantwortlichen wissen das – und mahnen zur Vorsicht.

„Die drei Punkte tun richtig gut fürs Gemüt. Aber in der Tabelle hat sich doch kaum etwas getan. Wir dürfen jetzt nicht in Euphorie ersticken“, sagte Vizekapitän Sebastian Prödl am Tag nach der großen Überraschung beim Tabellensechsten: „Wir wissen alle, dass es auch anders hätte laufen können.“ Prödl dachte an die ersten 20 Minuten, die waren fürchterlich gewesen – und die Bremer mit dem einen Gegentor von Shinji Okasaski (3.) extrem glücklich davongekommen. Doch dann kehrte Werder zurück, auch mit etwas Glück. Der Strafstoß zum 1:1 war umstritten – und zunächst auch nicht drin. Erst den Abpraller drückte Franco Di Santo über die Linie (43.). Zauberhaft machte der Argentinier kurz nach der Pause das 2:1. In der Folgezeit verdienten sich die Gäste mit guter Abwehrarbeit und gefährlichen Kontern den Dreier.

Da war schon ein bisschen Skripnik-Fußball zu sehen. Der Ukrainer mag die langen Bälle nicht, er fordert spielerische Lösungen. „Wir sind wieder mutiger im Spielaufbau“, sagte nicht nur Felix Kroos. Teamkollege Zlatko Junuzovic lobte das ganze Trainerteam: „Das hat uns jeden Tag gepusht und uns Selbstvertrauen eingeimpft.“ Und Fin Bartels merkte vielsagend an: „Viktor macht das sehr gut, er hat sehr viel Erfahrung – auch als Spieler.“

Skripnik war Fußball-Profi, Vorgänger Dutt nicht. Das kommt bei Spielern stets gut an. Sie wissen: Da steht jetzt einer draußen, der versteht, was auf dem Platz einer prall gefüllten Bundesliga-Arena tatsächlich abgeht.

Apropos Verständigung: Sprachlich liegen zwischen dem Ukrainer Skripnik und dem eloquenten Dutt Welten. Das ist offenbar aber kein Nachteil für den neuen Mann. Während die deutschen Profis wie Kroos die „klare Ansprache“ des Trainers hervorheben, hat der Tscheche Theodor Gebre Selassie sogar festgestellt: „Wir Ausländer verstehen ihn besser, weil er die gleichen Fehler macht wie wir.“ Und nicht nur das gefällt ihm an Skripnik: „Er ist ruhig und positiv. In der Halbzeit hat er uns mit seiner Ansprache geholfen. Erst redet er immer ganz souverän – und am Ende kommt dann noch ein Spaß.“

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Unter Skripnik gibt es auch weniger Videos und andere Vorgaben. Der 44-Jährige geht den einfacheren Weg. Als Spielsystem hat er die Raute ausgewählt – ohne irgendeinen Schnickschnack. Der Sechser kippt bei Ballbesitz nicht wie bei Dutt nach hinten ab. „Dadurch haben wir mehr Anspielstationen im Mittelfeld“, merkte Prödl an. Der Innenverteidiger hat nun Alejandro Galvez als Nebenmann. Der Spanier ist im Spielaufbau stärker als seine Konkurrenten Assani Lukimya und Luca Caldirola.

Ansonsten hat Skripnik gar nicht so viel verändert, Werder wurde von ihm nicht umgekrempelt. Der Erfolg gibt ihm Recht. Zwei Spiele, zwei Siege – Werder ist wieder da! „Wir haben gezeigt, dass wir gegen einen Tabellensechsten nicht nur mithalten, sondern auch gewinnen können“, freute sich Kroos und blickte schon auf die Partie am Samstagabend gegen den ebenfalls abstiegsbedrohten VfB Stuttgart: „Wir müssen unsere Heimspiele gewinnen, denn wir haben immer noch viel zu wenig Punkte.“ Und Prödl mahnte: „Wenn wir nicht weiter punkten, ist alles schnell wieder verpufft.“ kni

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