Gelbkönig Peter Niemeyer

Darmstadts „ekliger“ Leader

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Zwei Ex-Bremer sind bei Darmstadt 98 aktuell die Erfolgsgaranten: Sandro Wagner und Peter Niemeyer (v.l.) bejubeln das 2:0 gegen den FC Augsburg. (Oktober 2015)

Darmstadt - Von Stephan Köhnlein. Hart gegen andere und gegen sich selbst - Mittelfeldspieler Peter Niemeyer verkörpert perfekt die Spielphilosophie des SV Darmstadt 98. Am kommenden Wochenende trifft er auf seinen Ex-Club Werder Bremen.

Wenn Peter Niemeyer spricht, wählt er die Worte langsam, mit Bedacht und räumt auch manchmal ein: „Das war jetzt wohl eine Phrase“. Seine Freizeit verbringt der Vater eines knapp dreijährigen Sohnes mit der Familie. Doch auf dem Spielfeld ist der 32 Jahre alte defensive Mittelfeldmann weder feingeistig noch fürsorglich. Denn mit 10 Verwarnungen in 20 Bundesliga-Partien ist Niemeyer der Gelbkönig der Fußball-Bundesliga. Am Samstag trifft er mit dem SV Darmstadt 98 auf seinen Ex-Club Werder Bremen (15.30 Uhr/Sky) - einen Mitkonkurrenten im Abstiegskampf.

„Wir müssen eklig bleiben“ - diese Devise hat Trainer Dirk Schuster für den Aufsteiger ausgegeben. Peter Niemeyer verkörpert sie perfekt - mit nahezu allen Mitteln. Im Spiel gegen Borussia Mönchengladbach etwa kreuzte er den Laufweg von Spielmacher Granit Xhaka. Natürlich rein zufällig lief er ihm dabei in die Hacken, der Schweizer kam zu Fall, ließ sich zu einer Tätlichkeit hinreißen - und flog vom Platz.

„Wir tun in den 90 Minuten alles, um erfolgreich zu sein, suchen jeden Zweikampf“, sagt Niemeyer. „Deshalb ist es eklig, gegen uns zu spielen. Ich finde es ganz geil, wenn man im Spiel mitbekommt, dass wir anderen Spielern auf den Sack gehen. Das ist ein Lob für uns.“

Doch Niemeyer ist nicht nur hart gegen andere, sondern auch gegen sich selbst. In der Hinrunde brach er sich gegen Borussia Dortmund die Nase, doch schon in der nächsten Partie gegen Mainz 05 stand er mit Gesichtsmaske wieder auf dem Platz. Zur Halbzeit lagen die Lilien zurück, in der Kabine nahm Niemeyer die Maske ab - ein starkes Zeichen, dass man nochmals alles versuchen wollte, ohne Rücksicht auf die eigene Gesundheit. Mit diesem Einsatz ähnelt Niemeyer seinem Kapitän Aytac Sulu, dessen Härte gegen sich selbst legendär ist. Deswegen gilt er bei den „Lilien“ auch als zweiter Leader neben Sulu.

Technisch ist Niemeyer sicher nicht der beste Darmstädter Spieler, und mit bislang einem Saisontreffer ist er auch nicht besonders torgefährlich. Sein Job ist es, vor der Abwehr abzuräumen - und das erledigt er meist unauffällig. Für die Mannschaft ist er dabei enorm wichtig. Als er im Dezember wegen seiner fünften Gelben Karte pausieren musste - ausgerechnet gegen seinen Ex-Club Hertha BSC - kassierten sein Team mit 0:4 die bislang höchste Saisonniederlage.

Auch Trainer Schuster hat lange darum gekämpft, den Mittelfeldmann von Berlin nach Darmstadt zu holen. „Ein Spieler, wie man sich ihn wünscht: Immer volles Rohr, immer voller Einsatz“, lobt er.

Bei der Partie gegen Werder Bremen geht es um wichtige Punkte, schließlich sind beide Teams direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Dazu kehren auch die fünf im Bayern-Spiel gesperrten Spieler wieder zurück in den Kader - darunter auch Niemeyer.

Für ihn ist das auch aus persönlicher Sicht ein besonderes Spiel - schließlich war Werder Niemeyers erster Bundesliga-Verein. Geboren in Mettingen/Nordrhein-Westfalen wechselte er bereits in der Jugend zum FC Twente in die Niederlande. Erst im Alter von 23 Jahren kam er in die Bundesliga. In drei Jahren brachte er es bei Werder jedoch nur auf gut 30 Einsätze. Seine bislang beste Zeit in Deutschland hatte er anschließend bei Hertha BSC, wo er zeitweise sogar Kapitän war.

Nach Berlin wird er am Ende seiner Spielerlaufbahn - sein Vertrag in Darmstadt läuft bis 2018 - wieder zurückkehren und die ersten Schritte in die Karriere nach der Karriere unternehmen. Dort hat er bereits einen Vertrag unterschrieben - ein Zeichen dafür, dass Niemeyer auch dort hohe Wertschätzung genießt.

dpa

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